Lösung schmeckt nicht allen

Menschheit vor schwierigem Dilemma: Naturschutz bedroht Ernährungssicherheit

von Oliver Scheel

Biodiversität ist wichtig, das wissen wir alle. Nur in einer gesunden Umwelt können wir Menschen dauerhaft überleben. Wie wichtig zum Beispiel die Biene für unsere Ernährung ist, ist hinlänglich bekannt. Leider erleben wir derzeit eines der größten Artensterben in der Geschichte des Planeten. Und das muss gestoppt werden.

30 Prozent - das ist ein Dilemma

Laut Weltbiodiversitätsrat IPBES ist das Artensterben für den Menschen genauso wichtig wie der Klimawandel. Etwa eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. IPBES schlägt daher vor, auf der nächsten UN-Biodiversitätskonferenz, die dieses Jahr in Kunming in China stattfindet, 30 Prozent der Land- und Seefläche unter Schutz zu stellen.

Eine aktuelle Studie, die in „Nature Sustainability“ erschienen ist, hat nun untersucht, was passiert, wenn wir wirklich 30 Prozent unter Schutz stellen: Laut der Wissenschaftler würde das die Ernährungssicherheit in weiten Teilen der Welt gefährden. Ein krasses Dilemma: Was wollen wir? Naturschutz oder alle Menschen ernähren? Oder darf man diese Frage so nicht stellen?

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Können wir uns Schutzgebiete nicht mehr leisten?

Hunger in Afrika - ein Kind steht in einer kargen Steinwüste
Vor allen Dingen in Subsahara wird sich die Ernährungssituation der Menschen verschlechtern, wenn es zu viele Schutzgebiete gibt.

Tatsächlich sind die Erkenntnisse der Forscher bedrückend: Besonders in einkommensschwachen Regionen wie Südasien und Subsahara-Afrika würden wesentlich mehr Menschen durch Mangel- und Unterernährung sterben.

Heißt das im Umkehrschluss, dass wir es uns nicht leisten können, große Schutzgebiete einzurichten?

In den Modellen der Wissenschaftler verteilen sich die Schutzgebiete nicht gleichmäßig über verschiedene Erdteile, sondern konzentrieren sich auf Regionen mit hoher Biodiversität wie die Subtropen. In vielen Anbaugebieten wäre in diesen Szenarien Landwirtschaft dann nicht mehr möglich. Es gäbe also global weniger Nahrungsmittel, während der Bedarf wegen des Bevölkerungswachstums weiter steigen würde.

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Geschützte Gebiete trotzdem nutzen

Biologisches Nebelwald-Reservat Monteverde, Costa Rica, Nationalpark Monteverde
Costa Rica hat jetzt schon große Teile des Landes unter Naturschutz gestellt.

Die Forscher gingen bei ihrer Studie davon aus, dass in den Schutzgebieten keinerlei menschliche Aktivitäten wie Landwirtschaft oder Tourismus erlaubt sind. „Das ist aber nur selten der Fall. Auch relativ strikt geschützte Gebiete werden in vielen Ländern weiterhin durch die lokale Bevölkerung genutzt, wenn auch in geringerem Umfang. In den letzten Jahren sind Schutzgebiete, die durch die lokale Bevölkerung mitgemanagt werden, immer wichtiger geworden“, erklärte Lisa Biber-Freudenberger vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn.

Matin Qaim, Professor für Agrarökonomie an der Uni Bonn, sieht aber einen „Zielkonflikt zwischen globaler Ernährungssicherung und dem Schutz der Biodiversität, weil die Ausdehnung von Landflächen für die Nahrungsproduktion der größte Killer der natürlichen Artenvielfalt ist. Übrigens ist die Umwandlung von Naturland in Ackerflächen ja gleichzeitig auch ein erheblicher Treiber des Klimawandels.“

Die Lösung ist einfach: Weniger Fleisch und alles ist gut

Baden-Württemberg, Böhmenkirch: Schweine stehen in einem Schweinestall.
Wenn wir aufhören, Fleisch zu essen, gewinnen wir riesige Mengen an Land, die wir im Sinne der Artenvielfalt unter Schutz stellen könnten.

Es gibt aber eine Lösung und die ist sogar super einfach. In Deutschland werden ungefähr drei Viertel (75%) der Anbaufläche genutzt, um tierische Lebensmittel zu produzieren. Das bedeutet: Wenn wir aufhören Fleisch zu essen, gewinnen wir riesige Landflächen, die wir im Sinne der Biodiversität auch in Schutzgebiete ummünzen können.

“Meine Kollegen und ich haben ermittelt, dass eine Umstellung der Ernährung auf mehr pflanzenbasierte Ernährungsgewohnheiten … den Bedarf an Acker- und Weideland verringern, die Qualität der Ernährung verbessern und die Zahl der ernährungsbedingten Todesfälle senken würde“, erklärte Martin Springmann von der Oxford Martin School.

Die Nutzfläche, die die Menschheit durch fleischlose Ernährung gewinnen könnte, ist gigantisch: „Sie entspricht nach unseren Studien und denen von Kollegen etwa der Größe des afrikanischen Kontinents“, so Springmann.„Gleichzeitig würde eine Umstellung auf mehr pflanzliche Ernährung mit einem Rückgang der Sterblichkeit um 20 Prozent einhergehen.“

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(osc)