Weltraumbrocken in Ei-F orm

Mysteriöser Zwergplanet mit kurzer Tageslänge

von Karim Belbachir

Für die meisten ein eher unbeschriebenes Blatt in unserem Sonnensystem ist der Zwergplanet Haumea. Dabei ist der Weltraumbrocken im Kuipergürtel allein von seinem Erscheinungsbild her schon außergewöhnlich. Die Nasa konnte nun mit einem Blick in die Vergangenheit etwas Licht in sein mysteriöses Auftreten bringen.

Im Video: Pluto – ein Zwergplanet voller Eis und Kälte.

Rotierender Eier-Planetoid

Zwergplanet Haumea im Kuipergürtel
Keine Bildverzerrung und auch kein Knick in der Optik: Der Zwergplanet Haumea hat eine ovale Form

Eigentlich gebührt diesem Zwergplaneten mehr Aufmerksamkeit, als er bisher erfahren hat. Die Rede ist von Haumea, einem Himmelskörper, der wie Pluto im Kuipergürtel zu finden ist. Und doch ist er komplett anders als unserer ehemals 9. Planet im Sonnensystem. Schon allein die Form ist unerwartet oval. Er gleicht eher einem Ei oder einer Kartoffel als einem Ball. Sein Äquatordurchmesser ist geringfügig kleiner als der von Pluto.

Weitaus interessanter ist die Tageslänge auf dem „rotierenden Ei“. In nur 4 Stunden hat sich Haumea um sich selbst gedreht. Mit nur vier Stunden Tageslänge gehört der Zwergplanet zu den am schnellsten rotierenden Objekten in unserem Sonnensystem. Genau diese Eigenschaft hat ihm offenbar auch die Form verliehen. Eine weitere Besonderheit ist seine mit Wassereis bedeckte Oberfläche.

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Haumea: Großer Unbekannter im Kuipergürtel

Von Pluto über Eris und Haumea bis Makemake und Ceres
Zur Einordnung der Größenverhältnisse der bekannten Zwergplaneten: Haumea befindet sich da irgendwo im Mittelfeld der Rangliste.

Die Nasa hatte sich nun zum Ziel gesetzt, den Weltraumfelsen näher zu untersuchen oder zumindest mehr über ihn zu erfahren. Mit einem Teleskop von der Erde aus ist das nur bedingt möglich. Es mussten Berechnungen von Computermodelle her. Dem nahmen sich Jessica Noviello, Wissenschaftlerin am Goddard Space Flight Center der Nasa, zusammen mit Steve Desch, Professor an der Arizona State Universität an.

„Haumea hat viele seltsame Eigenschaften“, sagte Desch, „und der Versuch, sie alle auf einmal zu erklären, war eine Herausforderung.“ Für ein besseres Verständnis des Zwergplaneten, mussten die Wissenschaftler in die Vergangenheit des Sonnensystems blicken. Anhand ihrer Modelle mutmaßten die Wissenschaftler dann, dass Haumea früher größer gewesen sein musste und sich sogar noch schneller gedreht habe.

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Haumea dreht sich enorm schnell

Der Zwergplanet gehört zu den Überbleibseln aus der Zeit, als sich unser Sonnensystem noch gebildet hatte. Noviello und ihre Kollegen gehen davon aus, dass Haumea bereits früh nach seiner Entstehung mit einem Objekt gleicher Größe kollidierte und so seine enorm hohe Drehgeschwindigkeit erhielt, die er auch beibehielt. Außerdem wurden einige Teile des Zwergplaneten abgesprengt.

Diese schnellere Drehung führte dazu, dass sich die Zusammensetzung des Weltraumbrockens veränderte: Das dichtere Material wurde Richtung Zentrum gezogen. Das meist radioaktive Material schmolz noch dazu die Eisschicht an der Oberfläche, welches teilweise zum Kern floss und aus diesem einen weniger dichten Tonkern werden ließen, der zudem anschwoll. Unter diesem Wassereis an der Oberfläche befand sich ein Ozean aus flüssigem Wasser, der mittlerweile aber nicht mehr vorhanden ist.

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Zwergplanet dreht Pirouette wie eine Eiskunstläuferin

Haumea und sein Ring aus Staub und Felsen
Haumea ist das einzige bekannte Objekt im Kuipergürtel, das einen Ring hat.

Dadurch, dass sich der dichtere Felsen rund um die Achse Haumeas sammelte, drehte er sich anschließend schneller um sich selbst, was schließlich zu seinem eierförmigen Auftreten führte. „Wenn Sie die gesamte Masse auf die Achse konzentrieren, verringert sich das Trägheitsmoment, so dass sich Haumea am Ende sogar noch schneller drehte als heute", sagte Desch. Das muss man sich vorstellen wie bei der Pirouette einer Eisläuferin. Der sich nun schneller drehende Zwergplanet verlor dann einen Teil seines Oberflächeneises, das nun einen Teil des Kuipergürtels bildet.

Langsamer wurde Haumea erst, als der Kern durch das flüssige Wasser sich weiter vergrößerte und so den Drehprozess verringerte. Die Frage, „Wie so etwas Seltsames wie Haumea entstanden ist?“, konnten Jessica Noviello und ihre Kollegen mit ihrem Blick in die Vergangenheit des Sonnensystems beantworten. Die Zeit wird zeigen, wie genau ihre Simulationen und Berechnungen letztendlich waren.

Wissenswertes über Haumea

Der 2003 entdeckte Zwergplanet Haumea verdankt seinen Namen der hawaiianischen Göttin der Fruchtbarkeit. So verwundert es auch nicht, dass seine 2005 entdeckten Monde die Namen der Gottestöchter Hiʻiaka und Namaka erhielten.

Interessanterweise hat der Planetoid einen Ring aus kleineren Weltraumbrocken, der ihn umkreist. Von der Geschwindigkeit kann das Material mit dem rasenden Eierplanetoiden nicht mithalten. Haumea bewegt sich drei Mal so schnell wie sein Ring.

Ein weiteres Merkmal ist sein auffälliger roter Fleck, der von der sonst mit Eis bedeckten Oberfläche heraus sticht. Für die Reise um die Sonne benötigt der Zwergplanet 285 Erdenjahre.

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(kfb)