Was macht das Phänomen mit unserem Wetter?

La Niña ist da - aber leider nicht so stark wie ersehnt

von Oliver Scheel

2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Messung. Das hat in erster Linie mit den Treibhaugsgasen zu tun, die wir Menschen in die Atmosphäre blasen. Sie erwärmen das Klima. In den vergangenen Jahren half aber noch das natürliche Klima-Phänomen El Niño mit, die Temperaturen anzufachen. Nun ist La Niña offiziell am Start, die kalte Schwester von El Niño. Aber sie ist nicht so stark wie erhofft. Was macht La Niña und wie wirkt sie sich auf unser Wetter aus?
Oben im Video: La Niña kommt – was ändert sich?

El Niño und La Niña

ARCHIV - 03.01.2024, Hamburg: Fahrzeuge sind bei starkem Schneefall auf einer Hauptverkehrsstraß unterwegs. (zu dpa: «Schneefall und Glättegefahr in Nordrhein-Westfalen») Foto: Christian Charisius/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Schnee in Hamburg - während einer La-Niña-Phase eher wahrscheinlich als während El-Niño

El Niño und La Niña sind beide Teil des ENSO-Zyklus (El Niño Southern Oscillation). Bei El Niño erwärmt sich das Wasser des Pazifischen Ozeans, dieses warme Wasser behindert den Südost-Passat. Die Folgen: Starke Regenfälle an den Anden und Trockenheit und Dürre in Australien und Südostasien. Das ist nun eine sehr verkürzte, vereinfachte Darstellung. Jahre mit einem stark ausgeprägten El Niño sind oft sehr warme Jahre.

Seine kalte Schwester ist La Niña. Die ist nun offiziell da. La Niña wird die Hoffnung zugeschrieben, die lange Liste der viel zu warmen Jahre zu durchbrechen. Doch es scheint, ihre Kraft ist angesichts der nie dagewesenen, extrem hohen Meerestemperaturen und des ohnehin schon aufgewärmten Klimas begrenzt.

Jetzt sind wir in einer La-Niña-Phase

Die Wissenschaftler der amerikanischen Wetterbehörde NOAA haben die Wetterdaten genau analysiert und nun bekanntgegeben, dass wir jetzt in einer La-Niña-Phase sind. Die La-Niña-Bedingungen traten im Dezember 2024 erstmals auf, zeigten sich vor allem in unterdurchschnittlichen Meeresoberflächentemperaturen im gesamten zentralen und östlich-zentralen äquatorialen Pazifik. Die dort nun vorherrschenden niedrigen Wassertemperaturen sind ein Kennzeichen dafür, dass das Klima-Phänomen angekommen ist.

Außerdem, so die Forschenden, sehen die dynamischen Modelle weiterhin ein schwaches La Niña während der Wintersaison voraus. „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass La-Niña-Bedingungen vorliegen und voraussichtlich bis Februar-April 2025 andauern werden“, heißt es von der NOAA. Sie berechnen die Wahrscheinlichkeit für das Andauern mit 59 Prozent. Zwischen März und Mai soll sich der Übergang zu ENSO-neutral einstellen. Das hieße, wir lebten dann weder in einer El-Niño- noch in einer La-Niña-Phase. Diese Möglichkeit berechnen die Wissenschaftler mit 60 Prozent.

Was heißt das für uns?

Ein europäischer Winter in einer La-Niña-Phase erhöht für uns die Wahrscheinlichkeit auf einen eher kalten Winter – die Schnee- und Skifans dürfen sich freuen. Nach den doch sehr milden Wintern der vergangenen Jahre könnte der Winter in den Bergen und auf den Höhen der Mittelgebirge durchaus nennenswert Schnee und Kälte bringen. Und danach sieht es ja bisher auch aus. Auch wenn es wissenschaftlich nicht eindeutig ist, dass La Niña den Winter in Europa eindeutig kälter macht. Viele Faktoren spielen da auch wichtige Rollen.

Auch in Nordamerika ist der Winter bei La Niña etwas härter – auch das können wir derzeit bestätigen. Und während El Niño viel Regen nach Lateinamerika und Dürren nach Australien bringt, so ist das bei La Niña genau umgekehrt.

Dass La Niña etwas schwächer und zudem verspätet auftritt, kann mit dem besonders warmen Jahr 2024 und den unglaublich hohen Meerestemperaturen zusammenhängen. In Zeiten der Erderwärmung hat es die kalte Schwester von El Niño scheinbar zunehmend schwer, die Temperaturen signifikant zu senken.

Vorsicht! Klima ist nicht gleich Wetter - was ist der Unterschied?

Die Begriffe Klima und Wetter hängen zwar zusammen, sind aber natürlich nicht gleich zu setzen. Der Begriff Klima beschreibt das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum. In der Regel sind es 30 Jahre. Hierzu wird bei unseren Grafiken noch das durchschnittliche Wetter, also das Klima, des Referenz-Zeitraumes von 1961 bis 1990 angezeigt. Hier erfolgt eine Umstellung in Kürze. Generell gilt aber: Die vergangenen 30 Jahre (1991 bis 2020) waren rund ein Grad wärmer als die davor liegenden Jahre im Zeitfenster von 1961 bis 1990.

(osc)