Arctic Outbreak mit -41 Grad

Winter 1987: Üble Kältewelle erwischt Mitteleuropa und vor allem die DDR

Pioniere der Bundeswehr bereiten am 15. Januar 1987 einen riesigen Eispropfen auf der Elbe zur Sprengung vor. Eismassen haben den Fluß anschwellen lassen, zahlreiche Ortschaften sind von einer Überschwemmung bedroht.
Die Elbe zugefroren - so präsentierte sich der Winter 1987 im Januar. Soldaten bereiten die Sprengung des Eises vor. © picture-alliance / dpa, Michael Probst, rf

von Oliver Scheel

Der Winter 2022 hält sich ja immerhin in den Mittelgebirgen und den Alpen ganz gut. Aber so richtig Eindruck erweckt er bisher nicht. Deshalb blicken wir doch einfach mal 35 Jahre zurück, denn der Januar 1987 brachte unglaubliche Tiefstwerte – vor allem in den Osten Deutschlands, aber auch in viele andere Regionen Mitteleuropas. Ein echter Rekordwinter – mit zum Teil bis heute geltenden Temperaturrekorden.

14 Tage Dauerfrost - die DDR kam an ihre Grenzen

Kältewelle in Mitteleuropa 1987
Mit Lebertran schützt ein Tierpfleger im Augsburger Zoo das Nashorn Toto gegen die Kälte. © picture-alliance / dpa, dpa, rf

Der Januar 1987 hatte es wirklich in sich – vor allem in der DDR, die damals sowieso schon in ihren letzten Zügen lag, offenbarte das Winterwetter wie verletzlich das System war. Aber der Reihe nach: „Zunächst dümpelte ein Hoch bei den britischen Inseln herum und es war wohl ähnlich unspannend wie das Wetter derzeit bei uns“, beschreibt unser Meteorologe Patrick Panke die meteorologische Situation.

„Aber über dem Nordpol machte sich ein Hochdruckgebiet auf den Weg Richtung Nordeuropa und diesem Polarhoch gelang das, was es für einen saftigen Kälteeinbruch braucht, nämlich den Schulterschluss mit dem Hoch bei den britischen Inseln. Die Strömung war damit komplett blockiert und von der Arktis her konnte die eisige Luft schnurstracks Richtung Deutschland fließen“, so Panke.

Das hatte zur Folge, dass es vom 8. bis zum 21. Januar jeden Tag und überall Dauerfrost gab. Und auch Schnee war immer ein Thema. Zunächst im Osten und Südosten, später dank Ostsee und Lake Effekt aber auch im Norden Deutschlands.

Rekordwerte bis heute unerreicht

In allen Bereichen der Volkswirtschaft wird der Kampf gegen Schnee und Kälte fortgesetzt.“ Dies waren die Worte von Nachrichten-Sprecher Klaus Feldmann im DDR-Fernsehen. Soldaten räumten Straßen frei, Heizungen vereisten, Tausende Wohnungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt waren bitterkalt, die Energieversorgung war blockiert, Schienen vereist. Kurzum: In großen Teilen der DDR herrschte Chaos. „Die nächtlichen Tiefstwerte lagen verbreitet zwischen minus 10 und knapp an die minus 30 Grad. Und das nicht nur auf den Bergen! Und auch tagsüber war es natürlich klirrend kalt“, analysiert Panke die Temperaturen von damals.

Bis heute sind viele der Januar-Werte von 1987 unerreicht. -27 Grad in Leipzig, Halle oder Görlitz, nie wieder wurde es an vielen Messstationen so kalt wie im Januar vor 35 Jahren.

-41,8 Grad in der Schweiz

Die grimmige Kälte in der Schweiz produziert tolle Bilder.
Der Tinguely-Brunnen in Basel sieht im Eis des bitterkalten Januars 1987 wie verzaubert aus. © picture alliance/KEYSTONE, MICHAEL KUPFERSCHMIDT, AXA

Aber nicht nur in der DDR war es damals bitterkalt. „Die Temperaturen kamen auch in München tagelang nicht über -15 Grad hinaus. Dazu sei angemerkt, dass dabei ein richtig kräftiger Ostwind wehte. Gefühlt lagen die Temperaturen am 14. Januar um die Mittagszeit deutschlandweit zwischen -15 und -30 Grad. So ein Extremwinterwetter wirkt heute durch den Klimawandel unvorstellbar und unerreichbar“, so Panke.

Auch in der Schweiz war es klirrend kalt. Dort gab es 17 Tage Dauerfrost in Serie, mit -41,8 Grad wurde am 12. Januar ein bis heute existierender Kälterekord für die gesamte Schweiz gemessen.

Der Januar 1987 bot uns eine Kältewelle, die sich gewaschen hatte. Davon sind wir in diesem Januar trotz der winterlichen Atmosphäre in den Bergen weit entfernt.

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(osc)