Zwischen Permafrost und Gletscherschmelze

Zum Internationalen Tag der Berge - Wie gefährdet sind die Alpen?

von Letizia Vecchio

Die Berge sind für viele Menschen ein Sehnsuchtsort – in Europa ziehen die Alpenregionen jährlich um die 150 Millionen Touristen an. Die intensive touristische Nutzung, aber auch die fortschreitende Klimakrise setzen dem sensiblen Ökosystem allerdings massiv zu. Zum „Internationalen Tag der Berge“ am 11. Dezember werfen wir einen Blick auf den einzigartigen, wunderschönen, aber auch gefährdeten Lebensraum.

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"International Mountain Day" seit 2003

Die Liste der bedrohten Ökosysteme im Jahr 2022 ist lang, alpine Regionen bilden da leider keine Ausnahme. Aus diesem Grund entschlossen sich die Vereinten Nationen (United Nations Organisation, kurz UNO) bereits Anfang der 1990er Jahre, mit einem internationalen Aktionstag sowohl auf die Einzigartigkeit, aber auch auch auf die Verwundbarkeit der Berge aufmerksam zu machen. Im Jahr 2003, ein Jahr nach dem „Jahr der Berge“ in 2002, legte man den Tag der Berge dann endgültig auf den 11. Dezember. Mit Veranstaltungen aller Art soll den Menschen an diesem Tag die Bedeutung der Berge besonders ins Bewusstsein gerufen werden.

Die Gletscherschmelze - Klimakrise wird offensichtlich

Gepatschferner im Jahr 2016
Auch im Jahr 2016 war die Gletscherschmelze schon offensichtlich, hier am Gepatschferner, dem zweitgrößten Gletscher Österreichs. Copyright: DAV / Marco Kost

Ein Bereich, bei dem die Auswirkungen der Klimakrise für die Alpen besonders ins Auge springen, ist die Gletscherschmelze. Erst in diesem Jahr verlor einer der deutschen Gletscher, der südliche Schneeferner, seinen offiziellen Status als Gletscher. Zu viel von ihm ist einfach weggeschmolzen. Auch im Nachbarland Schweiz stehen die Eisgiganten extrem unter Druck. In 2022 wurde durch die Schmelze des Zanfleuronpasses ein Pass freigelegt, der über 2000 Jahre mit Eis bedeckt war. Was das eigentlich für Natur und Mensch bedeutet, erklärt Steffen Reich, Leiter des Naturschutzressorts des Deutschen Alpenvereins: „Zukünftig werden wir immer weniger Wasser zur Verfügung haben, denn die Gletscher dienten als Wasserspeicher. Gleichzeitig beschleunigt der Gletscherrückgang die Erwärmung weiter. Weniger Eis- und Schneeflächen bedeuten weniger Reflexionsflächen. Der dunklere Fels absorbiert mehr Sonnenstrahlung und erwärmt sich.“

Wie schwindender Permafrost die Berge bröckeln lässt

Permafrost ist laut DAV „Boden-, Schutt- oder Gesteinsmaterial, das dauerhaft Temperaturen unter null Grad aufweist und auch im Sommer nur oberflächlich auftaut.“ In den Alpen findet er sich vor allem in der Schweiz, hier sind etwa fünf Prozent des Landes von Permafrost überzogen. In Deutschland gibt es dagegen nur (noch) wenige Gebiete, in denen man ihn findet, beispielsweise im Berchtesgadener Land. In Folge der steigenden Temperaturen taut auch der Permafrost immer weiter auf, gerade das ist aber verheerend. Denn er wirkt ursprünglich wie ein Kleber, der die Gesteinsschichten am Berg hält. Geht er zurück, sinkt auch die Stabilität. Steinschlag und Felsstürze werden immer wahrscheinlicher. Außerdem bindet der Permafrost enorme Mengen CO2, die durch das Auftauen in die Atmosphäre gelangen.

Alpen schützen lohnt sich

Karwendelgebirge im Jahr 2022
Auch im Karwendelgebirge wird die Schönheit der Alpen offensichtlich - das macht sie umso schützenswerter.

Die Berge stehen nicht nur wegen der Klimaveränderungen, sondern auch wegen der massiven menschlichen Nutzung unter Druck – Stichwort Massentourismus. Auch oder vielleicht gerade deswegen verdienen sie unseren besonderen Schutz. Denn wäre es in den Bergen nicht so schön, würden wohl kaum so viele Touristen dorthin pilgern. Damit das auch in Zukunft noch möglich ist, wäre es beispielsweise sinnvoll, keine weiteren Erschließungen mehr zu veranlassen. Auch „sanfter Tourismus“, bei dem der Natur der nötige Respekt entgegengebracht wird, anstatt sie auszubeuten, ist eine Maßnahme.

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(eve)