Kritischer Wert bald Wirklichkeit

WMO: Die 1,5-Grad-Marke wird bis 2026 wahrscheinlich übertroffen

Die Weltwetterorganisation (WMO) prognostiziert, dass bis 2026 mindestens in einem Jahr die Durchschnittstemperaturen um mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen könnte. Während es nach den Berechnungen der WMO im Südwesten Europas trockener wird, sieht es in der Sahel-Zone anders aus.

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Experten rechnen mit steigenden Temperaturen

ARCHIV - 23.03.2022, Sachsen-Anhalt, Satuelle: Ein Waldarbeiter demonstriert die derzeitige Trockenheit und lässt vertrockneten Waldboden durch die Finger rieseln. (zu dpa: «WMO: 1,5-Grad-Schwelle könnte bis 2026 erstmals überschritten werden») Foto:
Bereits jetzt ist der Boden viel zu trocken. Die WMO sieht gute Chancen, dass sich dies bis 2026 sogar noch ausweitet.

Die globale Durchschnittstemperatur eines Jahres könnte bis 2026 erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. So liege die Wahrscheinlichkeit, dass im Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 mindestens ein Jahr eine Temperatur von über 1,5 Grad erreiche, bei fast 50 Prozent, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf. Das heißt aber nicht, dass die 1,5-Grad-Marke in diesem Fall dauerhaft überschritten wird, in den Folgejahren könne der Wert auch wieder niedriger liegen, so die WMO. Im Schnitt rechnen Experten für die kommenden Jahre aber mit weiter steigenden Temperaturen.

2015 galt es noch als praktisch ausgeschlossen, dass die Marke von 1,5 Grad innerhalb von fünf Jahren erreicht wird. In dem Jahr einigte sich die Weltgemeinschaft im Pariser Klimaabkommen, die dauerhafte Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

Zur COP-Halbzeit eine ernüchternde Bilanz beim Klimaschutz

ARCHIV - 09.11.2021, Großbritannien, Glasgow: Ein Kameramann steht bei der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow vor einem Bildschirm mit dem Weltklimakonferenz-Logo. (zu dpa: «WMO: 1,5-Grad-Schwelle könnte bis 2026 erstmals überschritten werden») Foto:
Die Meldung aus Genf kommt zur Halbzeit zwischen der vergangenen Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow und der nächsten Konferenz COP27 in Ägypten.

Die Meldung aus Genf kommt zur Halbzeit zwischen der vergangenen Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow und der nächsten Konferenz COP27 in Ägypten. Im November werden dazu im Badeort Scharm el Scheich rund 30.000 Teilnehmer erwartet, darunter 120 Staats- und Regierungschefs. Beobachter ziehen zur COP-Halbzeit eine ernüchternde Bilanz beim Klimaschutz. Weltweit gesehen war das heißeste Jahr bislang 2016, als die globale Durchschnittstemperatur etwa 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900) lag.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Rekord bis 2026 gebrochen wird, liege bei 93 Prozent, so die WMO. Genauso wahrscheinlich sei es, dass die durchschnittliche Temperatur über den Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 höher liege als in den fünf Jahren davor. Die Berechnungen hat die britische Meteorologiebehörde für die WMO vorgenommen.

Das Jahr 2021 war weltweit 1,1 Grad zu warm

Trockenheit in der Sahel-Zone
In der Sahel-Zone dürfte es in den kommenden Jahren feuchter werden.

Im vergangenen Jahr lag die globale Durchschnittstemperatur nach dem vorläufigen Klimabericht der WMO 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Den endgültigen Wert veröffentlicht die WMO am 18. Mai. Die britischen Meteorologen gehen davon aus, dass die Durchschnittstemperatur in diesem und den kommenden vier Jahren zwischen 1,1 und 1,7 Grad über vorindustriellem Niveau liegen wird. Für dieses Jahr rechnen die Meteorologen damit, dass es in Südwesteuropa und im Südwesten Nordamerikas trockener ist als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. In Nordeuropa, der Sahel-Zone, Nordostbrasilien und Australien dürfte es dagegen feuchter werden.

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(dpa)