Gefahr unter dem Permafrost

Mysterium um explodierende Krater in Sibirien gelöst?

von Karim Belbachir

Wissenschaftler präsentieren eine faszinierende Erklärung für die riesigen explodierenden Krater, die scheinbar willkürlich im sibirischen Permafrost auftauchen.
Alle News rund um das Thema Klima und Klimakrise
Mit unseren „Klima Update“-Sendungen immer informiert sein

Krater von beeindruckendem Ausmaß

A general view taken on August 25, 2014 shows a crater on the Yamal Peninsula, northern Siberia. Russian scientists have now discovered seven giant craters in remote Siberia, the deputy director of the Oil and Gas Research Institute of the Russian Academy of Sciences, Vasily Bogoyavlensky, told AFP on March 12, adding that the mysterious phenomenon was believed to be linked to climate change. AFP PHOTO / VASILY BOGOYAVLENSKY        (Photo credit should read VASILY BOGOYAVLENSKY/AFP via Getty Images)
Über die Entstehung der riesigen Krater in Sibirien wurde bereits viel spekuliert.

Seit ihrer Entdeckung im Jahr 2012 erscheinen diese Krater im verlassenen sibirischen Permafrost und stellen Wissenschaftler vor ein Rätsel. Diese Krater können beeindruckende Ausmaße annehmen, mit Tiefen von mehr als 48 Metern und Breiten von 20 Metern, wobei sie Brocken von Trümmern Hunderte Meter weit schleudern. Einige Berichte legen nahe, dass die Explosionen noch in einer Entfernung von 100 Kilometern zu hören seien.

Nun schlagen Wissenschaftler vor, dass heißes natürliches Gas, das aus unterirdischen Reserven austritt, möglicherweise für diese explosiven Ausbrüche verantwortlich ist. Diese Erkenntnisse könnten erklären, warum die Krater nur in bestimmten Gebieten in Sibirien auftreten. Die Region ist bekannt für ihre großen unterirdischen Erdgasreserven.

Das Gas bildet das Loch

An aerial view from onboard a helicopter taken on August 25, 2014 shows a crater on the Yamal Peninsula, northern Siberia. Russian scientists have now discovered seven giant craters in remote Siberia, the deputy director of the Oil and Gas Research Institute of the Russian Academy of Sciences, Vasily Bogoyavlensky, told AFP on March 12, adding that the mysterious phenomenon was believed to be linked to climate change.  (Photo by VASILY BOGOYAVLENSKY/AFP via Getty Images)
Helge Hellevang von der Uni Oslo erörtert in seiner Studie eine neue Theorie über die Entstehung der Löcher.

„Wenn der Klimawandel oder die Erwärmung der Atmosphäre den anderen Teil des Permafrosts schwächt, dann kommt es zu diesen Ausbrüchen – allerdings nur in Sibirien“, erklärt Helge Hellevang, der Hauptautor der Studie und Professor für Umweltgeowissenschaften an der Universität Oslo. Es ist das Gas, das das Loch bildet, es stammt jedoch aus tiefen Reserven.

Permafrost hält eine Menge organisches Material. Mit steigenden Temperaturen tauen sie auf, was ermöglicht, dass diese organische Substanz sich zersetzt. Dieser Prozess setzt Methan frei. Deshalb hatten Wissenschaftler vermutet, dass das Methan, das aus dem Permafrost selbst austritt, für die Bildung der Krater verantwortlich ist.

Permafrost schmilzt und führt zu instabilen Bodenverhältnissen

Thermokarsten: In den Kratern bilden sich oft Seen
In den Thermokarsten bildeten sich teilweise Seen, aus denen weiterhin das Gas an die Oberfläche dringt.

Die Idee ist nicht abwegig, vor allem wenn man den Prozess betrachtet, der zu Thermokarsten führt. Thermokarsten sind trichterförmige Vertiefungen im Boden, die durch das Schmelzen von Permafrost in arktischen Regionen entstehen. Dieser Prozess führt zu instabilen Bodenverhältnissen und der Bildung von Seen, was ökologische Veränderungen und die Freisetzung von Treibhausgasen verursachen kann. Allerdings erklärt dies nicht, warum die Krater dort zu finden sind, wo sie sind.

Bisher wurden nur acht dieser Krater identifiziert, und alle befinden sich in einem sehr spezifischen Gebiet: den westsibirischen Halbinseln Yamal und Gydan im Norden Russlands. Im Gegensatz dazu treten explodierende Seen in einer Vielzahl von Gebieten auf, in denen Permafrost zu finden ist, so auch in Kanada.

Heißes Gas taut den Boden auf

Hellevang und seine Kollegen vermuten, dass ein anderer Mechanismus im Spiel ist: Heißes Erdgas, das durch eine geologische Störung nach oben dringt, sammelt sich unter der gefrorenen Bodenschicht und erhitzt den Permafrost von unten. Diese heißen Gasströme ließen den Permafrost von unten auftauen. „Eine Explosion kann es nur geben, wenn der Permafrost dünn und schwach genug ist, um zu brechen“, sagte Hellevang. Mit steigenden Temperaturen schmilzt gleichzeitig die obere Schicht des Permafrosts. Das schafft die perfekten Bedingungen, damit das Gas in einer Explosion entweicht und laut den Wissenschaftlern so den Krater bildet.

Gemäß dem Modell der Wissenschaftler könnten mehr dieser Krater entstanden und seitdem verschwunden sein, als umliegendes Wasser und Erde herein geschwemmt sind, um die Lücke zu füllen. „Dies ist eine sehr abgelegene Gegend, daher kennen wir die wahre Anzahl nicht wirklich“, sagte er. So zeigten Satellitenbilder der Yamal-Halbinsel, dass es Tausende dieser rundplattenartigen Vertiefungen gebe, die alle Thermokarsten sein könnten.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Solltet Ihr Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, seid Ihr bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen können wir Euch auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Ihr weiter in die Zukunft schauen möchtet, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Euch eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Ihr auch unterwegs kein Wetter mehr verpasst, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Klima-Rekorde - Ist Deutschland noch zu retten? Die Doku im Online Stream auf RTL+

(kfb)