Das freut den Bauern und bringt viele Vorteile

Sonnenenergie mit Solarzaun: Firma aus Deutschland stellt Solaranlagen hochkant auf

von Oliver Scheel

Ohne Photovoltaik können wir die Energiewende vergessen. Ein Problem bei der Sonnenenergie ist natürlich, dass nachts keine Energie erzeugt werden kann und die gesamte Energie geballt um die Mittagszeit eingespeist wird, wenn die Sonnenintensität am größten ist. Dies liegt daran, dass die Solarpaneele meist nach Süden ausgerichtet sind. Eine deutsche Firma geht nun einen ganz anderen Weg und schlägt dabei mehrere Fliegen mit einer Klappe.

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"Wir überbauen keine Flächen und liefern den Strom zu anderen Zeiten"

Die senkrechten Solarpaneele in Donaueschingen
Die Solarzaun-Anlage in Donaueschingen. hier produziert der Bauer Heu und Strom.

Heiko Hildebrandt ist Gründer der Firma „Next2Sun“ und die hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Sie arbeitet mit senkrecht aufgeständerten Solarmodulen. „Also genau andersrum als der Rest der Welt“, wie es Hildebrandt im Interview mit dem ntv-Klima-Update formuliert.

Die Vorteile liegen auf der Hand: „Wir überbauen keine Bodenfläche. Und durch die andere Ausrichtung der Paneele produzieren wir zu anderen Zeiten Strom.“

Denn: Da die meisten Solarpaneele flach Richtung Süden ausgerichtet sind, gibt es im Sommerhalbjahr stets zur Mittagszeit einen Peak. Die Solarparks produzieren beim höchsten Sonnenstand mit der maximalen Intensität den meisten Strom. Der wird dann also zur Mittagszeit eingespeist. Weil aber das Geschehen am Strommarkt stündlich abgerechnet wird, gehen die Preise da regelmäßig in den Keller.

„Wir haben uns gefragt: Wie kriegen wir es hin, dass nicht nur im Sommer zur Mittagszeit so viel Strom eingespeist wird? Wir nutzen nun also die Sonne morgens von Osten und abends von Westen. Unsere Module verwerten das Licht von beiden Seiten“, erläutert Hildebrandt die einleuchtende Idee.

Zäune sind gut für den Acker: Mehr Schatten, mehr verfügbares Wasser

Heuwiese in Donaueschingen
Genug Platz für das Heu von Bauer David Metzger.

Für die Bauern ergibt sich aus den senkrecht stehenden Module ein riesiger Vorteil: „Aus der Vogelperspektive sieht man die Module fast nicht. Es bleibt also sehr viel Platz, der landwirtschaftlich genutzt werden kann“, so Hildebrandt.

Die Wiesen bleiben Heuwiesen, die Landwirtschaft verliert nur einen kleinen Teil ihrer Fläche, aber die Biodiversität gewinnt einen großen. Denn die Flächen können auch zur ökologischen Aufwertung genutzt werden. Es gehen nur etwa zehn Prozent der Nutzfläche verloren.

Und erstaunlicherweise sind sogar die Erträge besser. Dies stellte Hildebrandt 2020 bei einer Anlage im Saarland fest: „Die Solarflächen spenden zwischen den Reihen Schatten und halten die Feuchtigkeit besser im Boden. So war offenbar das Wasser besser verfügbar für das Pflanzenwachstum und es gab 80 Prozent mehr Ertrag.“

Bauer kann seine Erträge verdoppeln

heiko hildebrandt solarpaneele
Heiko Hildebrandt, Gründer und Geschäftsführer von Next2Sun.

Mit der Idee von Next2Sun kann der Landwirt die Fläche verpachten und trotzdem weiter nutzen. die Anlage in Donaueschingen ist 12 Hektar groß und speist 4,1 Megawatt. „Damit kann man ein, zwei Dörfer mit Strom versorgen“, so Hildebrandt. Der Landwirt kann seinen Ertrag ungefähr verdoppeln. „Mit dem Strom erzielen wir etwa 1.000 bis 1.200 Euro Ertrag pro Hektar – das ist vergleichbar mit den Erträgen aus landwirtschaftlicher Nutzung.“

Laut Hildebrandt haben die Solarzäune ein Riesenpotenzial. „Wenn wir auf allen Flächen, auf denen heute Energiepflanzen wachsen, diese Stromzäune bauen, dann reden wir über Energiemengen, die den Strombedarf Deutschlands übersteigen. Und das, obwohl nur auf etwa 10 Prozent der Flächen Energiepflanzen wachsen.“

Warum aber sind die senkrechten Zäune dann noch so selten? „Es ist, wie es immer ist. Gute Ideen brauchen Zeit,“ sagt Hildebrandt und schmunzelt. Next2Sun ist übrigens Teil einer Energiegenossenschaft. Das heißt, jeder kann Anteile an diesem Unternehmen halten.

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(osc)