Kostbarer Rohstoff

Niedrigwasser am Ende des Winters - Deutschland hat ein Wasserproblem

von Karim Belbachir

Stellen Sie sich vor, Sie drehen den Wasserhahn auf und nichts kommt raus. Was utopisch klingt, kann in Zukunft Realität werden, denn immer mehr Flüsse melden nach dem trockenen Winter Niedrigwasser. Können wir fließendes Wasser in Deutschland wirklich als selbstverständlich ansehen?

im Video: Bereits 2021 warnte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz vor Trinkwasserknappheit

Wasserknappheit in Deutschland: Mitte und Osten besonders von Trockenheit betroffen

09.08.2020, Baden-Württemberg, Bad Krozingen: Der Fluss Neumagen führt auf Höhe des Kurparks in Bad Krozingen nur noch sehr wenig Wasser, während die Steine des Flussbetts bereits trocken sind. Aufgrund der hohen Temperaturen und anhaltender Trockenh
Hitze und Trockenheit in Baden-Württemberg: Viele Regionen melden Niedrigwasser.

Die wenigen Regentage im laufenden April veranlassen zu einer falschen Wahrnehmung, was den tatsächlichen Stand unseres Grundwassers angeht. Der Winter in Deutschland brachte nicht so viel Niederschlag wie erhofft und auch das Schmelzwasser brachte nicht die erhoffte Linderung. Deutschlands Böden sind zu trocken. Das geht so weit, dass es in einigen Regionen Niedrigwasser gibt – und das vor dem anstehenden Sommer. Das betrifft weniger den Oberboden, als vielmehr die tieferen Schichten. Der Regen sinkt nicht weit genug in den Boden ein. Besonders betroffen sind die Mitte und der Osten des Landes.

„Insbesondere im Alpenraum zeigte sich der Winter in puncto Schnee und Regen nur selten wirklich spendabel. Somit sind leider aus den Alpen heraus kaum größere Schmelzwassermengen zu erwarten. Insbesondere weil auch der März 2022 viel zu trocken verlief. Im deutschlandweiten Durchschnitt fielen nur um die 15 Liter pro Quadratmeter. Das entspricht nicht einmal 30 Prozent der ansonsten üblichen Regenmenge und damit ist der März 2022 einer der trockensten März-Monate seit Aufzeichnungsbeginn“, nennt RTL-Meteorologe Björn Alexander die Gründe.

Spätfolgen der Dürrejahre

Trockenheit in den tieferen Bodenschichten in Deutschland vom 1. April 2022
Die Untersuchung des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung der tieferen Bodenschichten (ab 1,8 Meter) zeigen, wo in Deutschland noch Trockenheit herrscht. Gerade der Osten, die Mitte und der äußerste Süden Deutschlands sind stark betroffen.

Neben dem trockenen März und Winter leiden die Böden noch immer an den zu trockenen Dürrejahren. Der Meteorologe führt aus: „Überhaupt leiden einige Regionen Deutschlands seit den Dürrejahren 2018 und 2019 verstärkt unter den Spätfolgen. Insbesondere gilt das in den östlichen Landesteilen, wo die Böden in den tieferen Schichten nach wie vor sehr anfällig gegenüber Trockenheit sind und kaum mal in einen normalen Wasserhaushalt kommen.“

Wie trocken die Böden sind, zeigt auch die Grafik des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung. Tiefrot eingezeichnet sind die Regionen, deren Böden außergewöhnlich trocken sind. Diese Gebiete sind hauptsächlich im Osten, der Mitte und in Süddeutschland zu finden. In Bayern warnte der Niedrigwasser-Informationsdienst davor, dass der sich vor allem in Südbayern in den Wintermonaten zu wenig Grundwasser bilden konnte. So meldeten mehr als 60 Prozent der Messstellen ein zu niedriges Niveau und stelle die Wasserversorgungsanlagen vor eine Herausforderung. Dementsprechend wird an den bewussten Umgang mit dem unersetzlichen Nass appelliert.

Lese-Tipp: Trinkwasserknappheit in Deutschland - die versteckte Dürre

Helmholtz Institut: Trockener Oberboden vom 1. April 2022
Je roter, desto trockener: Die Grafik des Helmholtz Instituts von Anfang April 2022 zeigt, wie trocken der obere Boden nach den regenarmen Wintermonaten war.

Wie kann Wasser gespart werden?

Was das für den Verbraucher heißt: Regenwasser kann in Tonnen gesammelt und damit die Pflanzen im Garten gegossen werden. Vielleicht kann auch die Dusche etwas kürzer gehalten werden oder das Bad durch eine Dusche ersetzt. Obst und Gemüse könnten statt unter dem laufenden Wasserhahn in einer Schüssel gespült werden. Wasch- und Spülmaschine sollten nur dann angeschmissen werden, wenn sie voll sind. Oder einfach den Wasserhahn zudrehen, wenn das Wasser nicht gebraucht wird, wie beim Rasieren oder beim Zähne putzen.

Eines kristallisiert sich aber immer mehr heraus: So selbstverständlich wie das fließende Wasser in Deutschland angenommen wurde, scheint es nicht mehr zu sein. Der kostbare Rohstoff ist auch bei uns inzwischen rarer geworden.

Lese-Tipp: Moderator Bernd Fuchs zeigt, wie Wasser und Geld gespart werden kann

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(kfb)