Wird der Winter jetzt warm oder kalt?

Diskussion um Polarwirbelsplit: Was ist dran am Arctic Outbreak im Februar?

von Oliver Scheel

„Wetterexperte ist sicher: Eisiger Wintereinbruch droht.“ Oder: „Arktische Kälte mit -20 Grad im Anmarsch“. Viel wird momentan geschrieben über den Polarwirbel und einen möglichen Polarwirbelsplit, der arktische Kälte von bis zu -20 Grad über Deutschland im Februar ergießen soll. Klar, das ist natürlich ein Hingucker.

Nur deutet momentan recht wenig darauf hin und wer dann auch noch La Niña ins Feld führt und mit einem Wintereinbruch verknüpft, der ist ziemlich schief gewickelt. Was macht der Polarwirbel denn momentan und welches Wetter könnte daraus resultieren? Droht wirklich eine arktische Kältewelle oder wird da nur einiges hochgekocht, was am Ende gar nicht passiert?

Hintergrundwissen aus unserem Lexikon: Das ist der Polarwirbel

So steht es derzeit um den Polarwirbel und das sind die Folgen für unseren Winter 2022/23

Monatsprognose Februar 2023
Die aktuelle Monatsprognose für den Februar 2023 zeigt keinen deutlichen Kälteeinbruch (Stand 25.01.2023)

In den letzten Tagen gab es tatsächlich in manchen Mittel- und Langfristmodellen immer mal wieder Hinweise auf einen möglichen Zusammenbruch, bzw. Split des Polarwirbels. Ein Split würde die Tür öffnen für Polarluft, bzw. arktische Kälte in Mitteleuropa. Auch schon ein labiler Polarwirbel kann für Wintereinbrüche bei uns sorgen, wie die Grafik weiter unten eindrucksvoll zeigt.

Aber stehen die Weichen denn derzeit überhaupt auf Arktische Kälte? Eher nicht. „Die meisten Mittelfristprognosen sehen eher die klassische Westwetterlage, die uns viele Tiefs mit tendenziell milder Atlantikluft bringt“, analysiert wetter.de-Meteorologe Martin Pscherer. Das heißt nicht, dass der Winter nicht nochmal zuschlagen könnte. Aber von einem Polarwirbelsplit sei momentan nicht viel zu sehen. Und selbst wenn sei dies nicht zwangsläufig mit einem Kälteeinbruch in Deutschland verknüpft, so Pscherer: „Es sieht im Moment kurzfristig nach leichter Milderung aus und in den meisten Modellen bleibt generell die halbwegs winterliche Lage zwar erhalten, aber arktische Kälte sehen wir nicht.“

Das ist nicht als Abgesang auf den Winter zu verstehen. Denn zum Einen bleibt die winterliche Lage in den Bergen erhalten und zum Zweiten ist der Winter noch lang. Aber die Geschichten von dem „Arctic Outbreak“ können wir an dieser Stelle schlichtweg nicht bestätigen.

Das sieht im Übrigen auch unser aktueller 42-Tage-Trend so, den Sie hier finden.

Das bedeutet ein Split: Märzwinter 2013 oder Februar 2021

Die Graphik zeigt die eiskalte Wetterlage, die uns im Februar 2021 den Vorstoß des Sibirien-Winters bis nach Deutschland brachte. Ausgehend von einem Polarwirbel-Split war der Weg für die Polarhochs und die sibirische Luft frei.
Die Wetterlage, die uns im Februar 2021 die Luft direkt aus Sibirien brachte. Der Polarwirbel-Split brachte am Rande der polaren Hochdruckgebiete knackige Eisluft nach Deutschland.

Der Blick in die Wetterstatistik gibt einen guten Eindruck, was eine Teilung des Polarwirbels bedeuten kann. Klassisch war es beispielsweise so im Jahr 2013. Auf einen recht normalen Start in den Winter folgte im Februar ein nachhaltiger Wintereinbruch, der einen deutlich zu kalten März mit sich brachte. Am Ende war der März über 3 Grad zu kalt und es gab Schnee bis ins Frühjahr. Auch der Februar 2021 begann mit einer Unregelmäßigkeit im Polarwirbel, so dass am Rande des Polarhochs extrem eisige Winterluft aus Sibirien nach Deutschland gelangte.

Wetterwissen: Was ist der Polarwirbel?

Polarwirbel leicht erklärt: Wenn er schwächelt , kann es bis nach Mitteleuropa sehr kalte Witterungsabschnitte geben.
Das steckt hinter einem schwachen Polarwirbel: Eisige Luft kann weit nach Süden , warme Luft weit nach Norden kommen. Ein starker Polarwirbel sorgt dafür , dass die ganz kalte Luft ganz im Norden bleibt.

Im Prinzip ist der Polarwirbel ein mächtiges Kaltluftpolster. Er entsteht auf der Nordhalbkugel normalerweise im Spätherbst und in den Wintermonaten. Dann sind die Temperaturunterschiede zwischen der Polregion und den südlichen Breiten besonders groß. Ist der Wirbel stark ausgeprägt, dann ist die Witterung bei uns in Deutschland oft durch westliche bis südwestliche und dementsprechend milde Winde bestimmt. Ist er hingegen instabil oder gestört, so werden Wintervorstöße aus Norden und Osten bei uns wesentlich wahrscheinlicher.

Lese-Tipp: Das sagen die Bauernregeln im Februar über das Wetter

Umfrage wetter.de
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Motor des Winters - so sind die Computerprognosen

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler. Bei einem Polarwirbel-Split teilen sich die blauen Flächen in zwei Teile auf.

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(osc)