Nicht nur Meisen frieren

Frost für alle: So überleben Tiere den Winter

von Amelie von Kruedener

Für Eichhörnchen wird Nahrung unter Schnee schnell zur Geduldsprobe.
Für Eichhörnchen wird Nahrung unter Schnee schnell zur Geduldsprobe.

Frost und Schnee machen nicht nur gefiederten Gästen zu schaffen. Auch andere Tiere kämpfen jetzt mit Kälte, Hunger und fehlenden Verstecken. Mit ein paar einfachen Ideen lässt sich draußen mehr helfen, als man denkt – ganz ohne großen Aufwand und ohne den Garten in einen Streichelzoo zu verwandeln.

Wer nachts unterwegs ist, sieht niemand

Igel, Mäuse, Eichhörnchen oder auch Feldhasen bleiben im Winter meist unsichtbar. Genau das ist ihr Problem. Gefrorene Böden machen Nahrung knapp, Schnee versperrt Wege. Laubhaufen, Reisigstapel oder ein ungepflegter Gartenecken sind jetzt Gold wert. Ordnung ist hier eher ein Risiko. Wer im Herbst nicht alles weggeräumt hat, hat im Winter automatisch geholfen. Zusätzlich helfen flache Schalen mit Wasser. Klingt banal, ist aber überlebenswichtig. Viele Tiere verdursten im Winter schlicht, weil alles gefroren ist. Eine kleine Schale, regelmäßig kontrolliert, reicht oft schon aus. Milch gehört hier übrigens nicht rein, das sorgt eher für Bauchweh als für Dankbarkeit.

Tief unten, ganz still, bloß nicht stören

Frösche, Kröten, Molche und Eidechsen haben sich längst zurückgezogen. Sie sitzen in Erdlöchern, unter Holzstapeln oder tief im Teichschlamm. Genau deshalb sollte jetzt nichts umgegraben oder umgeschichtet werden. Jeder Spatenstich kann zur unfreiwilligen Störung werden.

Teiche profitieren von einer eisfreien Stelle. Kein wildes Hacken, kein Hammer. Ein schwimmender Ball oder ein Bündel Schilf reicht meist, um den Gasaustausch zu sichern. Mehr Aktion schadet eher, als dass sie nutzt.

Chaos ist hier kein Fehler, sondern Lebensraum

Insekten wirken im Winter abwesend, sind es aber nicht. Sie sitzen in Ritzen, unter Rinde, in alten Stängeln oder im Laub. Genau deshalb sind sogenannte aufgeräumte Gärten für sie lebensfeindlich. Stehengelassene Stauden, hohle Pflanzenstängel und Totholz sind perfekte Winterquartiere. Insektenhotels helfen ebenfalls, aber nur, wenn sie richtig gebaut und trocken platziert sind. Ein schief montiertes Deko-Objekt bringt weniger als ein wilder Haufen aus Naturmaterialien.

Insektenhotels - so baut ihr es selbst

Wenn draußen bleibt, wer eigentlich rein müsste

Katzen, die viel draußen sind, freuen sich über einen trockenen Rückzugsort. Eine isolierte Kiste, ein zugänglicher Schuppen oder eine offene Garage können im Ernstfall entscheidend sein. Streunende Tiere finden solche Plätze oft selbst, sofern sie nicht verschlossen oder zugestellt sind.

Weniger machen hilft manchmal mehr

Hilfe im Winter muss nicht spektakulär sein. Weniger Ordnung, etwas Wasser, ein bisschen Rücksicht. Frost und Schnee sind für viele Tiere die härteste Zeit im Jahr. Wer jetzt nicht stört, hilft oft schon genug und manchmal sogar mehr, als gut gemeinte Aktionen es könnten könnten.

Quellen: NABU.de, BUND.net, Deutscher Tierschutzbund, Umweltbundesamt, Bayerisches Landesamt für Umwelt