Schneefelder und Wintereinbrüche

Warum Berg-Wanderungen im Frühling so gefährlich sind

von Oliver Scheel

Wandern über Schneefelder wird schnell gefährlich
Wandern über Schneefelder wird schnell gefährlich

Was gibt es Schöneres, als über grüne Almen bei blauem Himmel in Richtung eines schönen Alpen-Gipfels zu wandern? Besonders jetzt im Frühling, wenn die Tage länger werden und wir voller Bewegungsdrang sind. Aber Vorsicht: In den Bergen lauern besonders im Frühjahr Gefahren.

Ausrüstung und Aufmerksamkeit müssen passen

Das Wetter stimmt, die Temperaturen passen und es ist endlich länger hell. Was spricht also gegen eine schöne Wanderung durch die Alpen? Nichts. Also Wanderschuhe an und ab auf den Berg. Allerdings ist besonders das Frühjahr eine durchaus tückische Zeit für das Erklimmen der Berggipfel.

Schneefelder sind oft bis in den Mai vorhanden. Hier mit den falschen Schuhen und ohne Stöcke unterwegs zu sein ist gefährlich.
Schneefelder sind oft bis in den Mai vorhanden. Hier mit den falschen Schuhen und ohne Stöcke unterwegs zu sein ist gefährlich.

Im Frühling sind besonders die Temperaturen trügerisch. Ist es im Tal schon 18 Grad warm, kann es oben auf dem Berg dennoch empfindlich kalt werden. Klar ist, dass besonders im Frühling immer eine Jacke in den Wanderrucksack gehört und am besten auch Mütze und Handschuhe. Wetterumschwünge können leicht im Schnee enden. Und nicht wenige arglose Wanderer mussten dann von der Bergwacht vom Berg geholt werden. Das kann schnell auch teuer werden, wie dieser Artikel zeigt.

Nie ohne Stöcke gehen

Weil es im Frühjahr, oft bis tief in den Mai, auf den Berggipfeln noch fette Wintereinbrüche gibt, sind die Berge über 2.000 Meter oft noch lange schneebedeckt. Die kalten Nächte konservieren den Schnee, an den Nordhängen hält sich das Weiß mitunter den gesamten Sommer. Deshalb sollten man nie mit Sneakern oder normalen Turn- oder Sportschuhen in die Berge gehen. Wer keine schweren Wanderschuhen hat oder anziehen möchte, der kann auch auf leichte Trail-Running-Schuhe zurückgreifen. Deren Profil sollte auch im Feuchten gut genug sein, damit ihr nicht abrutscht.

Apropos Rutschen. Auch wenn es sonnig und trocken ist, ist es weiter oben oft feucht. Das liegt an der Schmelze des oft noch auf den Almen und Geröllfeldern liegenden Schnees. So können sich über die Wiesen regelrechte kleine Bachläufe ergießen, Steine und Waldwege können nass und rutschig sein. Außerdem kann es vorkommen, dass ihr Schneefelder überqueren müsst, auch in gar nicht so großen Höhen.

Allein aus diesem Grund solltet ihr nie ohne Stöcke in die Berge gehen. Sie geben Halt und Sicherheit und schonen eure Gelenke. Wenn ihr das Gewicht auf mehrere Punkte als eure beiden Füße verteilt, rutscht ihr weniger schnell weg. Besonders an und neben den Schneefeldern ist es durch das abfließende Wasser oft matschig und morastig - da ist es dann besonders rutschig. Im Schnee habt ihr oft die beste Trittsicherheit, weil der Schnee im Frühjahr meist weich ist und ihr einsinkt. Also ruhig durch den Schnee gehen. Für ein paar Ersatzsocken sollte in jedem Rucksack Platz sein, falls ihr kalte oder nasse Füße bekommt.

Wetterumschwünge enden gerne mal im Schnee

Manchmal müssen bei Wanderungen kleine mit Seil gesicherte Passagen bewältigt werden. Durch die Schneeschmelze und die daraus resultierende Feuchtigkeit am Berg ist auch hier erhöhte Vorsicht geboten. Und bei Gewitter sowieso. Da dürft ihr in keinem Fall die Stahlseile berühren. wenn sich ein Gewitter bildet, sofort absteigen und Schutz suchen. Am Fels ist es brandgefährlich. Die meisten schweren Gewitter treten aber nicht im Frühling, sondern im Sommer auf.

Generell sind in den Alpen Wetterumschwünge keine Seltenheit, aber besonders im Frühjahr können die mit regelrechten Kälteeinbrüchen einhergehen. Daher bitte immer die Wetter-App im Blick behalten und nicht zu hoch aufsteigen. Denn der Winter ist ein zäher Gegner in den Höhen der Alpen und hat schon manchen Wanderer überrascht.

(osc)