Wann kommt die Schafskälte? Wetter-Vorhersage für Juni 2020

Die Schafskälte ist da

Es ist ein Wetter wie aus dem Bauernkalender. Zuerst regierten die Eisheiligenbei uns vom 11. bis 15. Mai mit dem Kältehammer, jetzt scheint auch die Schafskälte pünktlich wie die Maurer zuzuschlagen. Am 4. Juni hat sie in diesem Jahr 2020 offiziell begonnen. Nach dem Ultrakurzsommer mit bis zu 30 Grad zog eine markante Kaltfront quer durch Deutschland und kühlte die Temperaturen runter. Mit der Kaltfront kam auch der lang ersehnte Regen.

Schafskälte bleibt bis zum zweiten Juni-Wochenende

Schafskälte kommt mit Wucht
Die Grafik zeigt die Höchsttemperaturen, die Minimaltemperaturen und die Niederschlagssummen für München ab dem 5. Juni 2020 für 42 Tage an. Die Schafskälte wird in den ersten zwei Juni-Wochen abgehandelt.

Blicken wir beispielhaft auf die bayerische Landeshauptstadt München – immerhin ein Touristenmagnet, der viele Besucher anzieht – dann sehen wir: Es gibt Regen und die Temperaturen rutschen noch einmal von 20 auf 15 Grad runter. Einen weiteren Satz nach unten gibt’s zum zweiten Juni-Wochenende (13. Juni). Hatten sich die Temperaturen vorher wieder auf knapp 20 Grad berappelt, geht’s zurück auf 15. Danach scheint das Thema Schafskälte aber abgehakt zu sein. Es geht kontinuierlich mit den Temperaturen aufwärts - Ende Juni bis in den hochsommerlichen Bereich von 35 Grad.

Wetterprognose für Schafskälte landet meistens einen Treffer

Was muss man wissen zur Schafskälte? Ursache der Schafskälte in Mitteleuropa ist normalerweise ein Kaltluftvorstoß aus dem Norden, wie er nun auch in den nächsten Tagen zustande kommt. Idealerweise befindet sich Mitteleuropa am westlichen oder südwestlichen Rand eines Tiefdruckgebietes. Weil der Wind auf der Nordhalbkugel entgegen dem Uhrzeigersinn um ein Tiefdruckgebiet weht, können sich so mit einem Nordwind kalte Luftmassen auf den Weg zu uns machen. In diesem Jahr sorgt Tief "Juliane" für die passende Konfiguration. Ein Kälterückfall Anfang oder Mitte Juni ist nichts Ungewöhnliches.Weil der Zeitraum für die Schafskälte vom 4. bis 25. Juni sehr breit ausfällt, gibt es häufig einen Treffer. 

Mehr Wetter-Infos über den Juni 2020 finden Sie in unserem 30- Tage-Trend.

Kurzfristigere Wetterprognosen finden Sie hier im 7-Tage-Wettertrend.

Was ist die Schafskälte eigentlich? - Dieses Jahr sehr ausgeprägt

Diese meteorologische Singularität tritt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit (80 %) jedes Jahr zwischen dem 4. und 25. Juni auf. Besonders häufig ist das Eintreffen (Wahrscheinlichkeit 89%) der Schafskälte um den 11. Juni herum. 

Den Namen „Schafskälte“ hat dieses Phänomen deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Bei einem Kälterückfall stehen die Schafe ohne schützende Wolle da. Bei besonders niedrigen Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus lebensbedrohlich.

Bei einer gut ausgeprägten Schafskälte ist die Temperatur im Vergleich zum langjährigen Mittel etwa 4 Grad kühler. Wir kommen diesem Wert in diesem Jahr mit 3 bis 3,5 Grad recht nah. Somit haben wir es mit einer ordentlich ausgeprägten Schafskälte zu tun. Frost oder Bodenfrost gibt es aber nicht. 

Eine vom Regen nasse Rose blüht am 19.06.2015 im Blücherpark in Köln (Nordrhein-Westfalen). Auch zum kalendarischen Sommmeranfang am 21.06.2015 soll das Wetter kühl und regnerisch bleiben. Foto: Henning Kaiser/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Für die Sommerblüher Rosen kann es im Juni oft nochmal richtig kalt werden. © dpa, Henning Kaiser

So kommt es zu einem Kälterückfall im Juni

Im Zeitraum 4. bis 25. Juni tritt in Deutschland bzw. Mitteleuropa häufig ein Kälterückfall auf. Aufgrund einer bestimmten Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten (siehe Bild) in Europa kann kalte Polarluft angezapft werden und sich Richtung Deutschland auf den Weg machen. Ein klassisches Beispiel hierfür wäre ein Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln und ein Tiefdruckgebiet über Skandinavien.

Das Hochdruckgebiet dreht sich auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, das Tiefdruckgebiet gegen den Uhrzeigersinn.

Zwischen den beiden Druckgebilden strömt die Luft dann aus nordwestlichen bzw. nördlich gelegenen Regionen zu uns. Eine Nordwest- bzw. Nordströmung entsteht.   

Voraussetzung für die Schafskälte
So kann es zur Schafskälte kommen: Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten bei einem klassischen Kälterückfall im Juni

Kalte Nordsee begünstigt Kaltluftvorstöße

Diese Verteilung der Druckgebilde tritt gehäuft im oben genannten Zeitraum auf. Darüber hinaus erwärmen sich Land- und Wassermassen im Frühjahr unterschiedlich stark. Die Nordsee hat sich dann noch nicht so sehr erwärmt wie der europäische Kontinent. Entsprechend können Kaltluftvorstöße markant ausfallen, weil die kalten Luftmassen aus dem Norden sich kaum durch das wärmere Meer erwärmen. Im Sommer gleichen sich Land- und Wassertemperaturen dann aber immer weiter an, womit die Kaltlufteinbrüche immer geringere Ausmaße bekommen.

Schafskälte: meteorologische Singularität im Juni
Den Namen „Schafskälte“ hat die meteorologische Singularität deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Wenn's dann nochmal kalt wird, ist das doof für die Schafe. © Getty Images, esemelwe

Wie sahen die letzten Jahre aus?

2019: meist hochsommerlich und schwülwarm

2018: ab dem 13.06. (15 – 18 Grad)

2017: ab dem 06.06. (16 – 20 Grad)

2016: ab dem 09.06. (17 – 20 Grad)

2015: ab dem 09.06. (13 – 18 Grad)

2014: ab dem 19.06 (15 – 26 Grad)