Wälder für Tierfutteranbau zerstört

Erdüberlastungstag: Der deutsche Overshoot Day ist schon am 2. Mai

von Oliver Scheel

Ab dem 2. Mai leben wir Deutschen auf Pump. Dann haben wir die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen für 2024 aufgebraucht. Es ist ziemlich einfach, ressourcenschonender zu leben: Wir müssten eigentlich weniger Fleisch essen.
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Fast 60 Prozent der Ackerflächen gehen für Tierfutter drauf

Wenn alle Menschen auf der Erde so leben und konsumieren würden wie wir, dann wären am 2. Mai die ökologisch verkraftbaren Emissionen und die biologischen Ressourcen, die uns Mutter Erde zur Verfügung stellt, aufgebraucht. 2023 und 2022 war dies am 4. Mai der Fall. Wir stagnieren also und verbrauchen immer noch die Ressourcen von fast drei Erden pro Jahr.

Woran liegt’s? Es ist eigentlich ganz einfach: Wir konsumieren zu viel Fleisch und tierische Produkte. Wie die Nichtregierungsorganisation Germanwatch auf ihrer Website schreibt, nutzen wir fast 60 Prozent der Agrarfläche für die Produktion von Futtermitteln. „Allein 56 Prozent des hierzulande erzeugten Getreides gehen in die Futtertröge. Da die einheimischen Futtermittel dennoch nicht ausreichen, um den hiesigen Bedarf für die Tiere zu decken, werden zusätzlich massiv Flächen im Ausland in Anspruch genommen – 2022 etwa wurden 3,4 Millionen Tonnen Soja für die Verfütterung nach Deutschland importiert“, erläutert Konstantinos Tsilimekis, Experte für Welternährung und Landnutzung bei Germanwatch.

Das Problem: Der Anbau von Futterpflanzen wie Soja zerstört die wichtigen Tropenwälder. So tragen wir in Deutschland durch unseren Fleischkonsum zum Abholzen des Regenwaldes bei. Und das wiederum hat enormen Einfluss auf Wetter und Klima.

Schon weniger Fleisch essen würde helfen

Earth Overshoot Day Global Footprint Network
Der Earth Overshoot Day. Die Grafik ist vom Global Footprint Network

Was können wir tun? Wir brauchen definitiv weniger Nutztiere. Damit schaffen wir Flächen, die wir renaturieren können – für Moore und Wälder zum Beispiel. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat berechnet, dass eine globale Ernährungswende hin zu einem gesünderen, nachhaltigeren Speiseplan ein entscheidender Hebel sein kann, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Dazu müssten wir gar nicht komplett auf Fleisch verzichten, es würde reichen, flexitarisch zu leben, also den Fleischkonsum einzuschränken und nur bewusst Fleisch von bestimmter Qualität zu essen. „Unsere Berechnungen zeigen, dass eine nachhaltigere, flexitarische Ernährung die Erreichbarkeit der Klimaziele des Pariser Abkommens auf verschiedene Weise erhöht“, sagt PIK-Forscher Florian Humpenöder, einer der beiden Leitautoren der Studie: „Eine Ernährungsumstellung hätte eine Verringerung der Treibhausgasemissionen zur Folge, insbesondere von Methan aus der Tierhaltung für die Fleisch- und Milchproduktion.“

Katar geht am wenigstens pfleglich mit der Erde um

Der Erdüberlastungstag wird jedes Jahr vom Global Footprint Network errechnet. Dabei geht es darum, wie die Länder ihre Ressourcen nutzen. Kleine Länder sind dabei natürlich im Nachteil, denn sie haben schlichtweg weniger Flächen. Es geht aber auch darum, wie die Flächen genutzt werden und welche Emissionen getätigt werden. Am schlechtesten geht Katar mit der Erde um. Da sind die Ressourcen bereits am 11. Februar verbraucht. Es folgen Luxemburg (20. Feb.) und die Vereinigten Arabischen Emirate (4. März).

Dass große Länder wie die USA (14. März), Kanada (15. März), Australien, Russland und Saudi-Arabien (je 5. April) so früh ihre Ressourcen verbraucht haben, zeigt, welch unfassbaren Raubbau diese Staaten an der Natur betreiben.

(osc)