Erhöhtes Unfallrisiko und Corona-Regeln

Rat vom TÜV-Experten: Was hilft bei großer Hitze am Arbeitsplatz

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Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sinken bei großer Hitze in den Arbeitsräumen. © imago images / Westend61, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Hitze unter der Atemmaske kaum zu ertragen

Die Hitzewelle mit Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius macht vielen Arbeitnehmern momentan zu schaffen. Gerade vor dem Hintergrund der Schutzmaßnahmen infolge der Corona-Pandemie ist die Hitze unter einer Atemmaske kaum zu ertragen. Der TÜV-Verband gibt Hinweise, worauf Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt achten sollten.

Tückische Nutzung der Klimaanlagen

„Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ist notwendig, wenn der empfohlene Mindestabstand zwischen Personen nicht eingehalten werden kann. Das kann die Beschäftigten in heißen Räumen aber auf Dauer schwer belasten, vor allem, wenn sie körperlich arbeiten oder viel Kundenkontakt haben“, sagt André Siegl, Arbeitssicherheitsexperte beim TÜV-Verband (VdTÜV). „Generell sinken bei großer Hitze auf Dauer Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.“ Das führe zu einem erhöhten Unfallrisiko am Arbeitsplatz.

Hinzu kommt: „Bei der Nutzung von Klimageräten mit Umluft oder von Ventilatoren ist in mehrfachbelegten Büros, Konferenz- und Seminarräumen oder in Bereichen mit Publikumsverkehr Vorsicht geboten, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2-Viren nicht noch weiter zu erhöhen", sagt Siegl.

Arbeitsplatz vor Hitze schützen

 Frau mit Mundschutz arbeitet am laptop *** Woman with mouth guard working on laptop
Das Arbeiten mit Atemschutzmaske ist an diesen besonders heißen Tagen erschwert. © imago images/Bernd Friedel, Bernd Friedel via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Einen Anspruch auf gekühlte Räume oder sogar Hitzefrei gibt es im deutschen Arbeitsrecht nicht. „Arbeitgeber sind verpflichtet, die Mitarbeiter vor Gefahren am Arbeitsplatz zu schützen. Das gilt auch bei deutlich erhöhten Temperaturen“, erklärt Siegl. Liegt die Lufttemperatur in Arbeitsräumen über der Marke von 26 Grad, müssen Arbeitgeber geeignete Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel durch Sonnenschutzvorrichtungen. Diese mussen dann bei Raumtemperaturen von mehr als 30 Grad erweitert werden, um die Räume abzukühlen. Erst ab einer Lufttemperatur von 35 Grad gelten Arbeitsräume als nicht mehr geeignet.

Regelungen für mobiles Arbeiten verlängern

Klimaanlage im Einsatz
Klimaanlagen können das Infektionsrisiko minimieren, wenn sie über Frischluftzufuhr verfügen. © Olivier Le Moal (Olivier Le Moal (Photographer) - [None], Olivier Le Moal

Zu den wichtigsten organisatorischen Maßnahmen zählen flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Regelungen. Ist mobiles Arbeiten nicht möglich, können Arbeitgeber ihren Beschäftigten Getränke bereitstellen, die Kleiderordnung lockern oder häufigere Pausen in kühleren Bereichen ermöglichen. Eine weitere Maßnahme gegen überhitzte Arbeitsräume sind klare Anweisungen, am frühen Morgen zu lüften und den Sonnenschutz tagsüber geschlossen zu halten.

Wegen der möglichen Übertragung von Coronaviren über Schwebeteilchen in der Luft (Aerosole) kommt der richtigen Belüftung und Klimatisierung von Büros und Arbeitsräumen eine besonders hohe Bedeutung zu. Räume mit mehreren Personen sollten mindestens alle 20 Minuten für mehrere Minuten gelüftet werden, um das Infektionsrisiko zu senken. Auch moderne Klimaanlagen und Klimageräte können den Schutz vor Infektionen erhöhen, wenn sie über eine Frischluftzufuhr verfügen. „Klimaanlagen mit Frischluftzufuhr kühlen den Raum und sorgen dafür, dass die Raumluft regelmäßig ausgetauscht wird“, äußert Siegl. Dagegen sollten Klimaanlagen nicht im Umluftmodus betrieben werden. Die Geräte saugen dann die warme Raumluft an, kühlen sie und geben sie wieder ab.

Kaltes Fußbad gegen Kreislaufprobleme

Ihre Füsse erfrischt eine junge Frau am Donnerstag (26.07.2007) im kühlen Nass des Rheins am Kasteler-Strand in Mainz. Bei Temperaturen um die 25 Grad soll es auch in den kommenden Tagen sommerlich warm bleiben. Foto: Salome Kegler dpa/lrs +++(c) dpa
Um Kreislaufproblemen vorzubeugen, hilft ein kaltes Fußbad. © dpa, A3763 Salome Kegler

Klimaanlagen sollten generell nicht zu kalt eingestellt werden. Die Innenraumtemperatur sollte sich nicht um mehr als 6 Grad von der Außentemperatur unterscheiden, um Erkältungen zu vermeiden. Erleichterung können auch Ventilatoren bringen. Allerdings sollten Arbeitnehmer bei Klimaanlagen und Ventilatoren auf den Luftzug achten, um Unterkühlungen oder einen steifen Nacken zu vermeiden. TÜV-Experte Siegl macht deutlich: „In Räumen mit mehreren Personen sind Ventilatoren nicht zu empfehlen, da sich belastete Schwebeteilchen im Raum über den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Meter verteilen könnten.“

Große Hitze führt zu einem sinkenden Blutdruck, da sich die Blutgefäße weiten. Ähnliches passiert, wenn man zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt. Gerade in Kombination kann das an heißen Tagen gefährlich werden. Schwindel, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit und Übelkeit deuten auf Kreislaufprobleme hin. Dann hilft kaltes Wasser an den Handgelenken oder das Eintauchen der Unterarme in kaltes Wasser. Noch etwas wirksamer ist ein kaltes Fußbad. Präventiv sollten Menschen bei großer Hitze viel trinken. Empfohlen sind bei normalen Temperaturen 1,5 Liter pro Tag. Ist es richtig heiß, kann aber auch 0,5 bis 1 Liter zusätzlich pro Stunde notwendig sein.

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(kfb/ots)