Tiefdruck am Mittelmeer

Regen und Schnee setzen den Süden Europas unter Druck

von Karim Belbachir

Eine Serie kräftiger Tiefdruckgebiete sorgt im Süden und Südosten Europas für teils extreme Regen- und Schneemengen. Besonders Griechenland und der Balkan geraten dabei bis zum Wochenende in den Fokus.

Immer wieder Tiefs vom Mittelmeer her

Bis einschließlich zum kommenden Wochenende ziehen wiederholt Tiefdruckgebiete von Süditalien in Richtung Balkan. Diese Tiefs zapfen feuchte Mittelmeerluft an und lenken sie immer wieder über denselben Raum, wodurch sich die Niederschläge über Tage hinweg aufsummieren. Das bedeutet regional lang anhaltender Dauerregen, teils auch Schnee, je nach Höhenlage. Entscheidend bei den Regensummen ist weniger ein einzelnes Ereignis als die Dauer und Wiederholung der Niederschläge.

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Die berechneten Niederschlagssummen nach dem ECMWF-Modell bis Donnerstag, 8.1.2.26, 6 Uhr.
Die berechneten Niederschlagssummen nach dem ECMWF-Modell bis Donnerstag, 8.1.2.26, 6 Uhr.

Extremmengen in Albanien und Montenegro

Besonders heftig fällt der Niederschlag in Montenegro und Albanien aus. Dort kommen bis Sonntagabend verbreitet mehr als 300 Liter pro Quadratmeter zusammen, stellenweise sogar mehr als 350 Liter. Zum Vergleich: Bei der Elbe-Flut im Jahr 2002 fielen im Erzgebirge innerhalb weniger Tage 312 Liter pro Quadratmeter. Auch wenn dieser Vergleich die Größenordnung verdeutlicht, sind die betroffenen Regionen im Mittelmeerraum grundsätzlich besser auf höhere Niederschlagsmengen ausgelegt.

„Wenn in Montenegro und Albanien stellenweise mehr als 350 Liter Regen und Schnee fallen, bewegt sich das in einer Größenordnung, die man in Mitteleuropa nur aus Extremereignissen kennt”, sagt wetter.de-Meteorologe Rainer Buchhop. Entscheidend sei aktuell vor allem die Dauer der Wetterlage und die wiederholte Zugbahn der Tiefdruckgebiete.

Griechenland zwischen Regen, Schauern und Gewittern

In Westgriechenland gehen teils kräftige Schauer und Gewitter nieder. Durch die wiederholten Niederschläge steigt auch hier die Belastung für Flüsse und Hänge, vor allem dort, wo Regenfälle mehrfach über dieselben Regionen ziehen.

Gerade in Montenegro zeigt sich das an einem Extrembeispiel: Der Ort Crkvice gilt als regenreichster Ort Europas mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von mehr als 4500 Litern pro Quadratmeter. Dennoch können auch dort langanhaltende Starkregenfälle die Lage verschärfen.

Schnee und Frost im weiteren Umfeld

Neben Griechenland und dem Balkan sind auch Teile der Türkei von Starkregen betroffen, wenn sich bis zum Wochenende lokal um 150 Liter pro Quadratmeter ansammeln. Weiter nördlich, etwa in Slowenien, Ungarn, Kroatien und Bosnien, fällt häufig Schnee, dazu bleibt es vielerorts frostig bei Temperaturen zwischen minus 6 und plus 2 Grad. In Rumänien und Bulgarien hält sich oft zäher Nebel, lokal ist mit Regen oder gefrierendem Regen zu rechnen, im Westen Rumäniens auch mit Schnee. In den Alpen bleibt es meist trocken, dort steht jedoch die Kälte im Vordergrund.

Europäische Wetterdynamik bleibt hoch

Wie aktiv die Großwetterlage derzeit insgesamt ist, zeigt auch ein Blick nach Nordwesteuropa. In Schottland liegen bereits verbreitet 10 bis 35 Zentimeter Schnee, bis Sonntagabend kommen in vielen Regionen weitere Mengen hinzu, in den Highlands teils deutlich mehr. Gleichzeitig drohen am südwestlichen Ärmelkanal von Cornwall über die Bretagne bis in die Normandie Orkanböen, lokal mit Geschwindigkeiten von mehr als 150 Kilometern pro Stunde. Diese Gegensätze unterstreichen die derzeit sehr dynamische Tiefdruckaktivität über Europa.

Verwendete Quellen: wetter.de