Unruhige Zeiten in Europa

Unwettergefahr spitzt sich zu: Starkregen, Sturm und Lawinengefahr

von Paul Heger

Hunderte Liter Regen und zig Zentimeter Schnee sind bereits gefallen. Die Lage spitzt sich weiter zu, denn neue Starkregenfälle provozieren Überflutungen. In den Alpen steigt die Lawinengefahr und ein neues Sturmtief ist ebenfalls unterwegs.
Im Video: So ziehen die Sturmtiefs in den nächsten Tagen über Europa

Unwetter-Schwerpunkt Alpen, Norditalien, Slowenien

Niederschlagssummen südlicher Alpenraum bis einschließlich Mittwoch.
Niederschlagssummen südlicher Alpenraum bis einschließlich Mittwoch.

Knapp 100 Liter und zig Zentimeter Schnee: Das ist die Zwischenbilanz für den Alpenraum. Damit sind die bisherigen Berechnungen recht präzise eingetroffen. Am meisten Regen und Schnee kam bisher in der Schweiz, in den französischen Alpen und in der Lombardei und in Südtirol runter. Der Regen hat hier meist noch keine größeren Probleme verursacht, die Schneemengen und die Schichtung der Schneemassen in den Bergen haben allerdings die Lawinengefahr regional auf Stufe 3 von 4 steigen lassen. Damit gilt eine „große“ Lawinengefahr.

Das Problem: Die Niederschläge halten an. Bis Mittwoch sind regional nochmal um 100 Liter, in Spitzen bis 180 Liter Regen zu erwarten. Der Schwerpunkt verschiebt sich entlang der Alpensüdseite dann mehr in Richtung Osten, also in Richtung Friaul, Venetien und Slowenien. Örtlich kann es zu Überflutungen oder Murenabgängen kommen. In den Bergen gibt es weitere Schneefälle, teils über einen Meter Neuschnee. Die Lawinengefahr wird damit weiter steigen, besonders in Norditalien und in Österreich.

So heftig wüteten die Unwetter bereits in Spanien

Starkregen und Orkanböen am Mittelmeer und auf dem Balkan

Niederschlagsmengen Balkan, Süditalien und Griechenland bis einschließlich Freitag.
Niederschlagsmengen Balkan, Süditalien und Griechenland bis einschließlich Freitag.

Auch auf Korsika gab es kräftige Niederschläge, besonders aber Sturm- bis Orkanböen. Das südliche Ableger-Tief des Orkans Ivo über den britischen Inseln, zieht jetzt weiter über Italien in Richtung Balkan. Dabei wird es in und um Italien herum sehr windig bis stürmisch zur Sache gehen – inklusive Schauer und Gewitter.

Besonders Albanien und angrenzende Regionen dürften punktuell einiges abbekommen – grob 50 bis 100, in manchen Modellen auch um 150 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit. Am Freitag rutschen auch noch ein paar kräftigere Schauer nach Griechenland, das Ganze schwächt sich dann aber merklich ab. Damit lässt der Wind auch deutlich nach. Der Fokus wandert eher wieder weiter nach Westen.

Neues Unwettertief in Spanien, Portugal und Frankreich, Schnee in Afrika

Niederschlagsmengen am westlichen Mittelmeer bis einschließlich Samstag.
Niederschlagsmengen am westlichen Mittelmeer bis einschließlich Samstag.

Frankreich, Spanien, Portugal, Algerien und Marokko – das ist die Zone, in der es windtechnisch rund geht. Am Dienstag erholt man sich hier noch vom letzten Tief, das örtlich noch schwere Sturmböen bringt, gerade im Bergland und an den Mittelmeerküsten. Am Mittwochmorgen kommt vom Atlantik aber das nächste Sturmtief mit einzelnen Orkanböen an. Los geht es in der Bretagne und Galicien, danach arbeitet sich der Sturm in Richtung Portugal und Nordafrika voran.

Die Sturmböen dürften allerdings nicht das größte Problem sein, auch wenn die Wellen an der Atlantikküste beachtlich groß sein dürften. Die Unwettergefahr geht dennoch eher von heftigen Schauern und Gewittern aus. Dabei können bis einschließlich Donnerstag nochmal 50 bis 100 Liter fallen – besonders im Norden Portugals, im Nordwesten Spaniens sowie in den Pyränäen.

Auch in Marokko und im Norden Algeriens kann es kräftige Schauer und Gewitter geben, punktuell auch mal mit der Gefahr von Überflutungen. Gleichzeitig kommt es in Bergland, besonders im Atlas, wieder zu Schneefällen. Da sind durchaus 20 bis 50 Zentimeter Schnee im Nordstau möglich. Schnee gibt es dementsprechend auch im höheren Bergland von Spanien.

Keine Ruhe in Sicht

Symbolbild: Atlantiktief plus Mittelmeerfeuchte plus Kaltluft: Am Mittelmeer und in den Alpen steigt dadurch die Lawinen- und Starkregengefahr.
Atlantiktief plus Mittelmeerfeuchte plus Kaltluft: Am Mittelmeer und in den Alpen steigt dadurch die Lawinen- und Starkregengefahr.

Auf eine Beruhigung der Wetterlage müssen wir wohl noch ein bisschen warten. Dieses Tief über Spanien, Marokko und Algerien könnte langsam an der Mittelmeerküste in Richtung Tunesien und Italien weiterziehen – langsam und beständig und sich dabei nochmal intensivierend. Details sind noch unklar, aber die Mischung aus Mittelmeerfeuchtigkeit, kühler Luft von Nordosten und warmer aus Afrika ist durchaus brisant.

Der weitere Verlauf zeigt ein großes Hoch von Westeuropa über Deutschland bis Osteuropa, an deren Ostflanke kühlere Luft über den Balkan und Italien zum Mittelmeer rutschen könnte. Diese Wetterlage würde neue Tiefs produzieren, die durchaus „wetterintensiv“ ausfallen könnten. Details sind noch offen, aber diese Ansätze haben alle relevanten Wettermodelle.

(phe)