Die Klimakrise ist im Bewusstsein angekommen

EU-weite Umfrage: Europäer halten Klimawandel für größte Bedrohung ihres Lebensstils

von Oliver Scheel

Wie schnell die Klimakrise schweren Einfluss auf unser Leben nehmen kann, verdeutlicht die aktuelle Hochwasser-Katastrophe in Süddeutschland. Den Europäern ist mittlerweile klar, dass sich ihr Leben mit der Erderwärmung ändert – und das leider nicht zum Guten. Eine EU-weite Umfrage unter fast 12.000 Menschen aus allen EU-Staaten zeigt, dass der Klimawandel als größte, unmittelbare Bedrohung für ihre Lebensweise angesehen wird.
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Die Wahl des Wohnorts wird zunehmend vom Wetter beeinflusst

Die Daten der Studie belegen eindrucksvoll: Den Menschen ist klar, worauf wir zusteuern. Die Klimakrise ist existenziell, auch und gerade bei uns in Europa, denn unser Kontinent erwärmt sich laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) noch schneller als der Rest der Welt. Der Klimawandel ist für die Europäer die größte Bedrohung. Extreme Hitze tritt häufiger auf, während Starkregen und Niederschlagsextreme ebenfalls an Intensität zunehmen. So bewegt der Klimawandel die Menschen mehr als die Themen Pandemien, Migration und künstliche Intelligenz.

Und: Viele sind auch bereit, ihr Verhalten zu ändern, damit wir an unserem Lebensstil einigermaßen festhalten können. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten gab bei der Befragung an, dass extreme Wetterereignisse die Wahl des Wohnorts in den kommenden 20 Jahren beeinflussen werden. In Deutschland fordern sogar 61 Prozent und damit eine deutliche Mehrheit, dass die Regierung ihre politischen Entscheidungen priorisieren sollte, um die zukünftigen Kosten durch den Klimawandel geringer zu halten.

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Wasserversorgung und Wasserknappheit bereitet fast allen Sorgen

03.06.2024, Tschechien, Plzeò: Eine Frau steht in der Ortschaft Tìnovice auf einer Straße, die durch eine Überschwemmung zerstört worden ist. Foto: Chaloupka Miroslav/CTK/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Überschwemmung in Tschechien: Europa wird immer häufiger von Extremwetter getroffen.

Drei von vier Europäer (76 Prozent) sind über die Auswirkungen der extremen Wettereignisse besorgt. Fast ebenso viele (71 Prozent) machen sich Gedanken über die zukünftige Wasserversorgung und eine mögliche Wasserknappheit.

Eine kürzlich durchgeführte Eurobarometer-Umfrage zeigte, dass für 93 Prozent der Europäer der Klimawandel ein ernstes Problem darstellt. Die Politik darf also handeln, sie muss die Bürger nur mitnehmen. Daran hapert es momentan am meisten.

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Klimawandelleugnung bleibt ein Problem

Allerdings sind nicht alle Menschen davon überzeugt, dass es den Klimawandel überhaupt gibt. Immerhin einer von zehn Befragten glaubt, dass der vom Menschen erzeuge Klimawandel nicht stattfindet. 3,5 Prozent glauben, dass der Klimawandel allgemein nicht existiere.

Interessanterweise zeigen jüngere Befragte eher die Tendenz, den Klimawandel zu leugnen. Auch hier ist die Politik gefordert, Überzeugungsarbeit zu leisten.

(osc)