Hurrikan „Dorian“ kommt nach Europa - und macht vielleicht die Tür auf für ein kleines Sommer-Comeback

Ex-Hurrikan Dorian kommt nach Europa
Ex-Hurrikan Dorian kommt nach Europa Lange Reise über den Ozean 01:49

Bei uns ist Ex-Hurrikan „Dorian“ nicht mehr gefährlich

„Dorian“ trifft Europa. Das klingt unglaubwürdig, findet aber tatsächlich statt. Nur: wenn der Hurrikan sich bei uns einfindet, dann hat er seine tropischen Eigenschaften und seine zerstörerische Kraft längst verloren. Wir bezeichnen ihn deshalb als Ex-Hurrikan.

Wir brauchen keine Angst vor „Dorian“ zu haben. Im Gegenteil: Für uns bedeutet der Besuch des Ex-Hurrikans einen kleinen Wärmeschub. Das könnte sich als Auftakt zu einem schönen Altweibersommer entpuppen.

HANDOUT - 02.09.2019, Bahamas, Nassau: Dieses von der «National Oceanic and Atmospheric Administration» (NOAA) zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt am 02.09.2019 um 16:40 Uhr UTC zeigt den Hurrikan «Dorian» (l) über den Bahamas. Foto: GOES-16
Wenn Hurrikan „Dorian“ bei uns ankommt, ist er nur noch ein recht gewöhnliches Tief mit der Bezeichnung Ex-Hurrikan. © dpa, GOES-16-Satellit, nic

Der zerstörerische Stillstand

Egal wie groß und mächtig ein Hurrikan ist: er ist von den Winden in der höheren Atmosphäre abhängig. Denn dort werden die Strippen für das Wetter gezogen. Diese Höhenwinde steuern unser Wetter wie die Marionettenspieler ihre Puppen.

Was passiert wenn die Höhenwinde nicht oder nur wenig vorhanden sind, das haben die Menschen auf den Bahamas leidvoll erfahren müssen. Da lag „Dorian“ nämlich genau zwischen den Hochs und Tiefs drumherum, die wie ein Schachbrett angeordnet waren. Einen solchen Punkt nennt man in der Meteorologie auch „Sattelpunkt“. Hier haben wir den tiefsten Druck zwischen zwei Hochs und gleichzeitig den höchsten Druck zwischen zwei Tiefs. Klingt kompliziert, ist jedoch im Ergebnis ganz einfach: es bewegt sich nichts, weshalb er auch eine gefühlte Ewigkeit über Teilen der Bahamas stand.

Nach vielen Stunden des Stillstands ging es dann glücklicherweise weiter für „Dorian“. Erst in Schrittgeschwindigkeit, danach mit einer Zuggeschwindkeit von um die 10 km/h in Richtung Nordnordwest. Gesteuert von den Winden in einigen Kilometern Höhe.

Je weiter der Sturm nordwärts zieht, um so schneller bewegt er sich nun vorwärts. Hier kommt nämlich ein weltumspannendes Förderband immer näher. Der Jetstream, unsere wettersteuernde Strömung, die maßgeblich an der Entstehung von unseren ganz normalen Tiefdruckgebieten beteiligt ist und die diese gleichzeitig über den Atlantik von West nach Ost verfrachtet.

Huckepack nach Europa

Und dieses Trittbrett nutzt „Dorian“ ebenfalls. Er verliert - nachdem er die tropisch-warmen Gewässer verlassen hat -  seine Tropensturm- Eigenschaften. Kurzum: er wird allmählich schwächer. Das dauert allerdings seine Zeit, so dass es vor der US-amerikanischen Ostküste bis herauf nach Neufundland in den kommenden Tagen zum Teil sehr stürmisch ist.

Anschließend geht es südlich an Island vorbei Richtung Europa, wo er in der nächsten Woche als „ex-Dorian“ auf unseren Wetterkarten auftauchen wird.

Die Anzahl der Computermodelle, die bis in die nächste Woche hinein unser Wetter vorhersagt, ist natürlich übersichtlich. Maßgeblich sind hierbei vor allem das europäische ECMWF-Modell und das amerikanische GFS-Modell. Häufig gehen bei solchen Prognosen in die weitere Zukunft die Aussagen der  Berechnungen auseinander. Das sieht - nach dem jetzigen Stand - diesmal allerdings anders aus. Derzeit sehen beide Modelle die Reste von „ex-Dorian“ über Skandinavien ankommen. Höchstwahrscheinlich wird das zur Mitte der nächsten Woche soweit sein.

Tür auf fürs Azorenhoch

An dieser Stelle sind wir nun bei der spannenden Frage angekommen, welche direkten Auswirkungen „Dorian“ auf unser Wetter am Ende hat. Sollte es tatsächlich so kommen, wie es die meteorologischen Großrechner momentan berechnen, dann steht für den Norden unseres Landes eine längere wechselhafte, kühle und teils windige bis stürmische Phase an. Anders sieht es im Süden aus.

Während sich „ex-Dorian“ über Skandinavien einnistet, öffnet sich dahinter nämlich die Tür für das Azorenhoch. Das dehnt sich zu uns aus und sorgt im Süden Deutschlands für mehr Sonne und ansteigende Temperaturen. Insofern deutet sich eine Zweiteilung zwischen herbstlicher Stimmung im Norden und Altweibersommer im Süden an.