CO2-Gipfel trotzdem kein Grund zur Entwarnung

Eine gute Klima-Nachricht: Trendwende bei CO2-Emissionen ist in Sicht

von Christian Häckl & Claudia Träger

Bereits Ende des vergangenen Jahres haben wir darüber spekuliert, dass die globalen CO2-Emissionen im Jahr 2024 ihren Höchststand erreichen könnten, und von nun an ein kontinuierlicher Rückgang einsetzt. Vier renommierte Institute kommen nun genau zu diesem Ergebnis. Christian Häckl erklärt im Klima Update, was sie zu diesen positiven Einschätzungen veranlasst.

CO2-Ausstoß: Wind und Sonne schaffen die Trendwende

Die Grafik zeigt: Der Energiesektor ist der mit Abstand größte CO2-Verursacher.
Die globalen C02 Emissionen dürften in diesem Jahr ihren Höchststand erreichen. Ein kontinuierlicher Rückgang könnte einsetzen.

Neben der internationalen Energieagentur IAE, kommen nun auch unabhängig voneinander drei renommierte Institute – Carbon Brief, Climate Analytics und Bloomberg – zum Ergebnis: Der Gipfel des weltweiten CO2-Ausstoßes ist erreicht.

Diesen Lichtblick im Kampf gegen die Erderwärmung verdanken wir dem schnellen globalen Ausbau von Wind und Sonnenenergie. Nicht zuletzt durch die riesigen chinesischen Produktions-Kapazitäten ist speziell die Solarenergie weltweit rasant im Vormarsch, weil es für alle Verbraucher oft die kostengünstigste Art ist, Energie zu produzieren. So hat auch Deutschland sein Solarausbauziel für das gesamte Jahr 2024 bereits im Mai erreicht.

Da der Energiesektor der mit Abstand größte CO2-Verursacher ist, macht sich das schnelle Anwachsen von grüner Energie auch beim Gesamtausstoß von CO2 sehr deutlich bemerkbar.

Lese-Tipp: Krankenhäuser stoßen mehr Treibhausgase aus, als wir denken

Die Haupt-Klimasünder sind bekannt: Energie und Straßenverkehr

Weltweiter CO2-Ausstoß: Die Emissionen haben ihren Höhepunkt erreicht und sinken jetzt wieder, sagen Studien.
CO2-Emissionen weltweit nach verschiedenen Bereichen.

In der Original-Grafik der Bloomberg-Studie sind die verursachenden Sektoren differenzierter dargestellt. Der größte Anteil der CO2-Emissionen entfällt auf die Energieerzeugung, englisch Power (blauer Bereich). An zweiter Stelle steht der Sektor Road, der den Straßenverkehr von Pkw und Lkw umfasst (türkis). Andere Verkehrsmittel (Flugzeuge, Schiffe, Bahnen) stoßen insgesamt gesehen nicht so viel Kohlendioxid aus. Aber auch im Straßenverkehr hat sich viel getan. Und so geht auch hier die Kurve schneller herunter als in anderen Bereichen.

Zwei Beispiele für Dekabonisierung im Straßenverkehr

Absatz von Elektroautos weltweit nach Ländern 2023
Anzahl der Neuzulassungen von Elektroautos weltweit nach ausgewählten Ländern in den Jahren 2022 und 2023

Erfolgsstory Elektroautos: Im Jahr 2023 wurden rund 14,8 Millionen Elektroautos weltweit neu zugelassen. Über die Hälfte der Neuzulassungen gab es mit rund neun Millionen in China. In Deutschland wurden 2023 etwa 700.000 Elektroautos neu zugelassen.

Erfolgsstory Tesla: Der meistverkaufte Pkw im Jahr 2023, war, mit rund 1,2 Millionen verkauften Fahrzeugen, das Model Y von Tesla. Der US-amerikanische Elektroautobauer erzielte mit einem weltweiten Absatz von rund 1,81 Millionen Elektroautos einen neuen Unternehmensrekord. Das Unternehmen steigerte die Verkaufszahlen seiner Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr um rund eine halbe Millionen. Im Geschäftsjahr 2012 lag der Absatz noch bei etwa 3.100 Fahrzeugen.

Scheitelpunkt heißt keine Entwarnung

In anderen Bereichen neben dem Energie- und dem Verkehrssektor ist es nicht so leicht, CO2 komplett zu vermeiden. So bleiben die Emissionen bei der Stahl-, Zement- und Aluminium-Produktion so wie in der Petrochemie erstmal noch auf einem recht unveränderten Level. Aber auch hier muss der Verzicht auf die Nutzung fossiler Energien kommen. Denn die Wissenschaft hält Netto-Null-Emissionen um 2050 für nötig, um wenigstens unter 2 Grad, möglichst aber unter 1,5 Grad globale Erwärmung zu bleiben.

Ein weiteres großes Problem, bei dem Ziel den Klimawandel aufzuhalten, bleibt: Der Ausstoß an CO2 und anderen Treibhausgasen hält vielleicht nicht unvermindert an, aber die Mengen sind trotzdem enorm. Und das noch gestern ausgestoßene Treibhausgas ist ja noch lange nicht raus aus der Atmosphäre. So ist jedes Gramm CO2 zusätzlich im Prinzip schlimmer als je zuvor.

Stromerzeugung in Deutschland: Über die Hälfte kommt aus Erneuerbaren Energien

Die Grafik zeigt die Stromerzeugung in Deutschland nach Energieträger bis 2023.
Im Jahr 2023 wurden 278 Terawattstunden des gesamten Bruttostroms in Deutschland aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt. Das entspricht rund 54 Prozent der gesamten Strommenge.

Sie geben fossile Energien nicht auf: Wie Konzerne das Klima aufs Spiel setzen

(hha, ctr)