Städte sind erbarmungslose Hitzeinseln

Hitze in der Stadt: Diese Maßnahmen helfen beim Abkühlen unserer Innenstädte

von Oliver Scheel

Hitzewelle in Europa: Touristen suchen nach Schatten und Abkühlung
Hitze in den Städten - es wird immer schlimmer

Summer in the City - hört sich toll an, wird aber in unseren Zeiten schnell brutal gefährlich. Denn nichts heizt sich bei einer Hitzewelle so schnell auf wie unsere betonierten Innenstädte. Aber es gibt viele Maßnahmen, die einen kühlenden Effekt haben. Und viele Städte sind schon sehr engagiert.

Paris als Vorreiter: Kampf gegen die Hitze nach „Sommer des Todes”

Im Hitzesommer 2003 starben in Paris mehr als 1.000 Menschen. Auch deshalb gilt die Stadt als Vorreiter bei den Maßnahmen gegen Hitze, denn so etwas soll sich nicht wiederholen. So kämpft Bürgermeisterin Anne Hidalgo schon lange für eine lebenswerte, kühle Stadt. Klar ist: Die Klimakrise macht auch vor Paris nicht Halt. Dort werden schon bald Temperaturen bis 50 Grad erwartet.

Paris drängt Autos aus der Stadt, überall entstehen schattenspendende grüne Inseln mit Bäumen. Bushaltestellen, Dächer und Straßen werden begrünt, die Stadt ließ 1.300 Wasserspender aufstellen. Jährlich sollen außerdem 5.000 Sozialwohnungen saniert werden, um die Bewohner besser gegen Hitze zu schützen, etwa mit modernen Fenstern und Rollläden sowie schattenspendenden Installationen.

Mit einem Kältenetz gegen die Hitze

Es gibt viele spannende Maßnahmen, die Kommunen gegen die Hitze in der Stadt ergreifen. Bleiben wir nochmal kurz in Paris: Dort wird analog zu einem Fernwärmenetz das städtische Fernkältenetz zur Kühlung großer Gebäude ausgebaut, für das Seine-Wasser genutzt wird und was den Verzicht auf umweltschädliche Klimaanlagen ermöglicht. Bis 2042 sollen weitere 300 öffentliche Gebäude an dieses Kältenetz angeschlossen werden, darunter Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Altenheime.

Eine tolle Maßnahme, vor allem, weil eben Klimaanlagen nicht die Lösung, sondern durch ihren Energieverbrauch Teil des Problems sind. Viele Städte setzen auf Stadtgrün, denn Bäume spenden Schatten und senken die Umgebungstemperatur massiv. Außerdem liefern sie Sauerstoff. Frischluftzufuhr und -Zirkulation spielen ebenfalls eine große Rolle. Durch unkontrollierten Zubau können Frischluftschneisen zerstört werden, wenn die Luft steht, heizt sie sich nur noch schneller auf.

Die grüne Schwammstadt ist die Zukunft

Dach- und Fassadenbegrünung sind eine gute Möglichkeit, den Beton der Sonne zu entziehen. Nicht nur, dass grüne Dächer sich viel weniger aufheizen, sie speichern auch die Feuchtigkeit und geben sie langsam an die Umgebung ab. Das hilft auch bei den im Klimawandel häufiger werdenden Starkregenereignissen.

Schwammstadt - grüner Bunker Hamburg
Der grüne Bunker auf St. Pauli - ein Vorzeigeprojekt für die Schwammstadt.

Die Begrünung gehört auch zur viel diskutierten Schwammstadt. Dabei werden die anfallendem Regen-und Oberflächenwasser besser aufgenommen und gespeichert, anstatt dass das Wasser schnell über die Kanalisation abtransportiert wird und damit für den Kreislauf verloren ist. Durch die verzögerte Abgabe wird auch das Mikroklima in den Städten verbessert.

Entsiegeln und Grün in die Städte

Beton ist ein echter Klimakiller. Schon bei der Produktion von Zement entstehen enorme Mengen an CO2. Und dann heizen sich die zubetonierten Flächen in der Klimakrise auch noch brutal auf. Die Lösung? Weg damit. Entsiegeln ist das Stichwort, das viele Städte mittlerweile für sich entdeckt haben. Entsiegelte Flächen lassen Regenwasser versickern, heizen sich nicht so stark auf und liefern begrünt Sauerstoff und Schatten. Und schöner anzusehen als ein zugepflasterter Platz sind sie allemal.

Wasser spielt eine zentrale Rolle bei der Hitzebekämpfung. Brunnen und Trinkwasser dienen nicht nur der lokalen Kühlung, sondern vor allem auch dem Wasserbedarf der Bürger. Vor allem Obdachlose haben oft keinen Zugang zu Wasser. Und man kann es sanft versprühen. Mit Ventilatoren kann das Wasser ganz fein in den Fußgängerzonen verteilt werden, ein wunderbar kühlender Effekt mit vergleichsweise wenig Wasser.

Alles weiß anmalen

Es hört sich ein wenig skurril an, aber helle Oberflächen reflektieren Sonnenlicht besser als dunkle. So können sie die Erwärmung von Gebäuden und Straßen reduzieren. Man nennt das den Albedo-Effekt.

Weiße Dächer und sogar ganze weiße Dörfer sind auch keine Neuheit, denken wir an die „pueblas blancas”, die weißen Dörfer in Andalusien. Dort erkannten die Menschen schon vor Hunderten von Jahren, dass enge Gassen und weiße Häuser und Dächer die Hitze fernhalten. Auch auf den griechischen Inseln wird diese Strategie schon sei Urzeiten angewendet.

In Kalifornien, so in Los Angeles und San Francisco, gibt es Projekte, die Dächer mit weißen Ziegeln zu belegen. Neue oder renovierte Hausdächer müssen eine helle Oberfläche haben, das schreibt das neue Klimaschutzgesetze in Kalifornien vor. Sogar weiße Straßen werden dort getestet, über den hellen Beschichtungen heizte es sich um bis zu 13 Grad weniger stark auf. Ein spannender Ansatz.

Was machen die deutsche Städte so?

Viele Städte und Kommunen entwickeln sogenannte Hitzeaktionspläne. Dabei geht es oft auch darum, überhaupt erstmal ein Bewusstsein für Hitze zu schaffen und als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. So hat KASSEL mit dem Hitzetelefon „Sonnenschirm” ein auf Ältere ausgerichteten Informationsdienst zur Verfügung gestellt.

Auch KÖLN versucht vor allem die älteren Bürger zu schützen. und hat ein Informationssystem für alleinlebende ältere Menschen eingerichtet. Menschliche Gesundheit steht auch bei der Klimaanpassungsstrategie von OSNABRÜCK im Mittelpunkt.

Mehr grün ist das Ziel von KAISERSLAUTERN. Entsiegelung und Begrünung, Verschattung öffentlicher Räume sowie Dach- und Fassadenbegrünung, das will auch BONN. Karten mit Brunnen und Trinkwasserspendern haben NÜRNBERG, LUDWIGSBURG und ERFURT entworfen.

Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt - immerhin haben das einige Städte schon erkannt. Doch der Weg zu einer kühlen Innenstadt bleibt weit.