Wetter-Prognose für den Sommer 2020: Kommt die große Hitze noch?

Eine spannende Geschichte rund um die Fakten für den Sommer 2020

Ist der Sommer 2020 tatsächlich dabei, ein ganz normaler Sommer zu werden? Ein Sommer wie er früher einmal war. Das wäre in Zeiten des Klimawandels und der Hitze- und Dürresommer definitiv außergewöhnlich und somit auch kein Vergleich zu den Sommern 2018 und 2019, als uns ja zum Teil geschichtsträchtige Hitzewellen erfasst haben. Auf der anderen Seite ist der Sommer 2020 natürlich noch lange nicht vorbei und gerade die experimentellen Langfristprognosen des amerikanischen Wetterdienstes NOAA haben zuletzt für den Juli eine massive Trockenheit berechnet. Außerdem gibt es natürlich noch weitere Langfrist-Wettervorhersagen, die uns zeigen, was der Sommer 2020 noch auf Lager hat und bringen kann. Und schließlich kommt ja mit den Hundstagen noch die eigentlich heißeste Zeit des Jahres. Alle Daten und Fakten gibt es in unserem Sommercheck 2020 im Gespräch mit unserem RTL-Meteorologen Björn Alexander.


Im Video oben sehen Sie, wie sich die Temperaturen in den kommenden 14 Tagen entwickeln können.

Da stehen wir: der Sommer 2020 bisher

Wie ist der Sommer 2020 denn bisher einzustufen? Björn Alexander: „Verglichen mit den langjährigen Mittelwerten war der Sommer 2020 im Juni deutschlandweit betrachtet in Sachen Regen und Sonne eher durchschnittlich. Dabei war es insgesamt etwas zu warm.“ 

Wie viel zu warm? „Verglichen mit dem aktuell gültigen Klimazeitraum von 1961 bis 1990  rund 1,5 Grad. Vergleicht man es mit den letzten drei Jahrzehnten, dann ist die Abweichung rund ein Grad geringer. Also ein halbes Grad überm Mittelwert und definitiv kein Vergleich zum Juni 2019. Der war - je nach Zuzugszeitraum - nämlich 3,5 beziehungsweise 4,5 Grad zu warm. Da liegen meteorologisch gesehen Welten dazwischen.“

Die Sommerhitze hielt sich bislang oft zurück.  Der bisher heißeste Tag des Jahres war bis jetzt Samstag, 13.06.2020 mit bis zu 35 Grad in Guben (Brandenburg).
Die Sommerhitze hielt sich bislang oft zurück. Der bisher heißeste Tag des Jahres war bis jetzt Samstag, 13.06.2020 mit bis zu 35 Grad in Guben (Brandenburg). © dpa, Frank Rumpenhorst, fru

Wie kann das sein: Kaum Hitze im Juni, aber immer wieder Probleme mit der Dürre?

Darauf unser RTL-Meteorologe: „Das Grundproblem, das uns seit Jahren beschäftigt, ist die Trockenheit im Frühjahr. Kein Monat hat im Klimawandel seinen Charakter so stark geändert wie der April. Und in diesem Jahr war es besonders krass. Gerade mal ein Viertel des ansonsten üblichen Regens ist gefallen. Der Mai brachte nur die Hälfte. Und das in einer Phase, in der die Natur extrem viel Durst hat. Außerdem haben sich die tiefer gelegenen Wasservorräte immer noch nicht vom Dürrejahr 2018 erholt. Das macht sich auch nach wie vor beispielsweise in unseren Wäldern bemerkbar.“

Im Sommer ist das trockene Wetter gar nicht schlimm. Doch die Trockenheit im Frühjahr macht uns die enormen Probleme.
Im Sommer ist das trockene Wetter gar nicht schlimm. Doch die Trockenheit im Frühjahr macht uns die enormen Probleme. © imago images/Kirchner-Media, Inderlied/Kirchner-Media via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Was sagen uns die Vorhersagen für den Regen?

Meteorologisch gesehen dauert der Sommer noch bis Ende August. Verschärft sich die Trockenheit oder müssen wir uns auf einen verregneten Rest-Sommer einstellen, Herr Alexander? „Die Regenmengen, die beispielsweise unser 42-Tage-Trend berechnet, deuten vielerorts auf einen oft trockenen Sommerverlauf mit kurzen wechselhaften Abschnitten hin. Größere Regenmengen und längere nasse Phasen wären demnach allenfalls im Süden drin. Ähnlich wird das unterm Strich auch vom amerikanischen Wetterdienst NOAA in seinen experimentellen Langfristprognosen gesehen. Unterm Strich sieht es derzeit so aus, dass es - nach der aktuell eher wechselhaften Phase - ab der Monatsmitte für die meisten von uns erst mal nur sehr selten Regen geben dürfte und dass sich unser Sommer 2020 somit pünktlich zu den Hundstagen stabilisiert.“

Pünktlich zu den Hundstagen scheint unser Wetter beständiger werden zu wollen. Auch heißere Phasen deuten sich an.
Pünktlich zu den Hundstagen scheint unser Wetter beständiger werden zu wollen. Auch heißere Phasen deuten sich an. © dpa, Friso Gentsch, frg wst

Wird es denn mit den Hundstagen auch heiß?

„Die momentane Großwetterlage ist dominiert durch zum Teil sehr stramme westliche Winde. Eine Lage, die auch noch ein paar Tage anhält und sich dann aber irgendwann auch mal abschwächen dürfte. Das ist eine spannende Entwicklung, denn solche Situationen können durchaus auch mal in großen Überraschungen enden.“

Kommen die Hitze- und Hochsommerfreunde etwa doch noch auf ihre Kosten? „Da lassen die aktuellen Berechnungen noch auf die Euphorie-Bremse treten. Denn momentan bleiben die Wettercomputer noch beim Schaukelsommer.“

Was bedeutet „Schaukelsommer“ konkret?

„Dass wir ein ordentliches Auf und Ab der Temperaturen erleben dürften. Nimmt man zum Beispiel die aktuelle Vorhersage für München, dann sehen wir Abschnitte mit über 30, teils bis an die 35 Grad. Aber auch Tageshöchstwerte von unter 20 Grad. Ganz spannend ist dabei ebenfalls, dass die Berechnungen deutschlandweit so gut wie keine tropischen Nächte dabei haben. Auch das spricht gegen lange hochsommerliche Phasen. Denn die längere Aufheizung mit einer Verstärkung der Hitze über Tage ist quasi nicht mit in den Berechnungen. Das wird im Übrigen auch von den NOAA-Prognosen für den Juli und den August gedeckt. Demnach verläuft der Sommer 2020 oft normal bis minimal überdurchschnittlich temperiert.“

42 Tage-Vorhersage für München
Trotz heißer Phasen: Tropische Nächte sind nicht dabei. 42 Tage-Vorhersage für München. Die rote Linie zeigt die Höchstwerte, die blaue Linie die Tiefstwerte und die blauen Balken unten zeigen die Niederschlagsmengen. © wetter-ressort

Wie ist das Fazit für den Sommer 2020?

„Unterm Strich sieht derzeit alles nach einem ziemlich durchschnittlichen Sommerverlauf aus, wie wir ihn tatsächlich schon seit Jahren nicht mehr erlebt haben. Überraschungen jeglicher Art sind dabei aber definitiv nicht auszuschließen.“

Wie könnten die sich darstellen? „Wir können ja anhand der Wettercomputer zunächst einmal die wahrscheinlichsten Optionen absehen. Doch kann so eine Westlage auch in einem Hitze-Szenario oder in einem Dauertief über Deutschland mit häufigen Gewittern in schwül-warmer Luft enden. Letztere Varianten sind dann eher das meteorologische Bauchgefühl und die Erfahrungen, während die Prognose ja tatsächlich auf den aktuellen Computerberechnungen basiert.“

: Die rote Linie zeigt die Höchstwerte
Im Norden geht es in Sachen Hitze noch gemächlicher. : Die rote Linie zeigt die Höchstwerte, die blaue Linie die Tiefstwerte, und die blauen Balken unten zeigen die Niederschlagsmengen. © wetter-ressort

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