Europas Wetter im Ausnahmezustand

Neue Warnungen für Italien, Österreich, Balkan: Gewitter, Starkregen, Hitze und Brände –

von Amelie von Kruedener

Unwetter mit Riesenhagel, Überschwemmungen, Murenabgängen – dazu Berichte von Waldbränden und extremer hitze – die Urlaubsländer wie Italien, Österreich, Griechenland und der ganze Balkan sind betroffen – und die Warnungen vor kommenden Unwettern sind wieder akut!
Im Video: So entwickeln sich die Temperaturen in Deutschland in den kommenden zwei Wochen.

Griechenland: Hitze und Brandgefahr

Hitzewelle Griechenland
Griechenland, Athen: Die Marmorstatuen der antiken Göttin Athene und des Gottes Apollo stehen vor der Athener Akademie, während Touristen sich mit Schirmen vor der Sonne schützen.

Griechenland erlebt derzeit eine extreme Hitzewelle mit Temperaturen von mehr als 40 Grad. In Athen wurden 38 Grad gemessen, und Experten erwarten eine Verschärfung der Situation. Der Zivilschutz rät älteren und kranken Menschen, im Haus zu bleiben. Auch die Infrastruktur leidet; in Patras haben sich beispielsweise die Gleise der Vorstadtbahn verformt. Die Brandgefahr ist hoch, da Trockenheit, Hitze und starke Winde ideale Bedingungen für Feuer bieten. Seit Anfang Juni sind Temperaturen von bis zu 40 Grad fast überall im Land gemessen worden.

Balkan: Viel zu heiß und Feuer, die noch nicht kontrollierbar sind

Die extreme Hitze betrifft auch die Nachbarländer auf dem Balkan. In Albanien kämpfen Feuerwehrleute und Soldaten gegen Waldbrände an der Grenze zu Griechenland. Mehrere Brände konnten unter Kontrolle gebracht werden, doch Hitze und Wind erschweren die Löscharbeiten weiterhin. In Serbien warnt der Wetterdienst vor Tagestemperaturen von bis zu 40 Grad sowie tropischen Nächten. Auch im Kosovo wird die Bevölkerung aufgefordert, direkte Sonneneinstrahlung zu meiden. In Nordmazedonien hat die Regierung angesichts mehrerer Waldbrände eine Krisensituation erklärt. Bulgarien bekämpft derzeit mehrere Wald- und Flächenbrände, insbesondere im Südosten des Landes um Swilengrad, wo bereits mehr als 7.300 Hektar Wald und Agrarflächen zerstört wurden. Diese Brände drohen auch, auf die Türkei überzugreifen.

Italien: Unwetterwarnungen, verwüstete Straßen und Hitze ohne Ende

Trevi Italien
Touristen am Trevi Brunnen in Rom - eine Erleichterung von der Hitze in Italien gibt es hier trotz des verlockenden Wassers nicht.

Italien steht vor einer außergewöhnlich heißen Woche, insbesondere in Mittel- und Süditalien. Selbst im Norden werden Temperaturen um die 35 Grad erwartet, während im Süden das Thermometer auf bis zu 42 Grad klettern kann. In der Nacht bleibt es mit bis zu 25 Grad in Ballungsgebieten fast unerträglich warm. Besonders betroffen sind touristische Gebiete wie die Toskana. Zudem kam es in Südtirol und Tirol zu heftigen Unwettern, die Straßen und Häuser verwüsteten. Besonders hart betroffen war das Wipptal, durch das die Brennerautobahn führt. Bäche verwandelten sich in reißende Flüsse, die alles mitrissen.

Slowakei: Unwetter mit Stürmen und Gewittern

In der Slowakei richteten Stürme und Gewitter schwere Schäden an. Ein Open-Air-Festival in Trencin wurde vorzeitig beendet, nachdem ein Unwetter das Gelände verwüstet und mehrere Besucher verletzt hatte. 15 Teilnehmer wurden verletzt, 14 davon mussten in umliegenden Krankenhäusern behandelt werden. Im Westen des Landes waren zeitweise 135.000 Haushalte ohne Strom, weil Leitungen durch Blitze und umstürzende Bäume beschädigt wurden. Im Süden des Landes waren vor allem Eisenbahnverbindungen betroffen, und Eurocity-Züge nach Budapest und Prag mussten umgeleitet werden.

Österreich

Österreich erlebte erneut Starkregen und Hagelstürme, die in vielen Regionen Schäden anrichteten. In Vorarlberg waren die Niederschläge so heftig, dass Bäume knickten, Dächer abgedeckt wurden und viele Straßen unter Wasser standen. Die Österreichische Hagelversicherung schätzt den Gesamtschaden in Vorarlberg auf etwa 1,2 Millionen Euro. Ernteflächen von mehr als 5.000 Hektar wurden verwüstet. Im südlichen Kärnten mussten Einsatzkräfte in mehreren Seen Schwimmer, Standup-Paddler und Surfer retten, die aufgrund des starken Wellengangs nicht mehr ans Ufer gelangen konnten. Am Flughafen Wien mussten etwa 40 Flüge abgesagt werden. Und die aktuellen Warnungen versprechen neue Schäden.

Meteorologe Martin Pscherer schätzt die Lage ein

„Teils kräftige Schauer und Gewitter mit Unwetterpotenzial gibt es von heute bis morgen vor allem in Norditalien, Österreich, Polen, der Slowakei und Ungarn. Starkregen, Hagel und Sturmböen sind möglich. Zum Donnerstag verlagert sich der Schwerpunkt der möglichen Unwetter weiter in Richtung Osten. Ansonsten bleibt es ruhiger. Rund um das Mittelmeer ist es bis auf lokale Schauer oder Gewitter meist trocken, aber heiß. In Spanien, Italien, dem Balkan, Griechenland und der Türkei liegen die Temperaturen aktuell zwischen 35 und 40 Grad, teils auch darüber. Nachts kühlt es oft nicht unter 25 Grad ab, teilweise bleibt es sogar über 30 Grad.“

(avo)