Christian Häckl erklärt dieses seltsame Phänomen

Klimawandel: Darum erwärmen sich Nächte stärker als Tage

Die bodennahe Schicht erwärmt sich in der Nacht schneller als am Tage.
Die bodennahe Schicht erwärmt sich in der Nacht schneller als am Tage.

Unsere Nächte werden schneller warm als die Tage

Der Klimawandel trifft uns alle  – die Erde heizt sich messbar auf. Forscher haben aber ein interessantes Phänomen festgestellt: Offenbar heizen sich die Nächte schneller auf als die Tage. Der Anteil der Erwärmung liegt nachts bei etwa zwei Drittel, tagsüber bei einem Drittel. Das belegen Messungen der letzten 50 Jahre.

Woran mag das liegen? Jetzt, da die Nächte immer länger werden und wir schon um 17.30 Uhr aus dem Fenster ins Dunkle starren, ist es an der Zeit, dieses Phänomen einmal zu erklären. Es ist nicht ganz einfach.

Die bodennahe Luftschicht ist nachts kleiner und erwärmt sich daher schneller

Wir haben immer mehr Treibhausgase in unserer Atmosphäre. Die absorbieren die Rückstrahlung von der Erde, sie nehmen diese also auf, halten sie sozusagen fest. Dieser Prozess ist Tag und Nacht gleich stark. So gesehen müssten sich also Tag und Nacht gleich stark erwärmen. 

Aber, so erklärt es unser Chef-Meteorologe Christian Häckl, diese zusätzliche Energie, die durch weniger Abstrahlung in der Atmosphäre bleibt, verteilt sich nachts auf ein kleineres Volumen als tagsüber, wenn die bodennahe Luftschicht dicker ist.

Was heißt das? „Die sogenannte Grenzschicht, also die bodennahe Luftschicht ist tagsüber und im Sommer deutlich größer, reicht also weiter in die Höhe als nachts und im Winter“, so der Experte. Wenn sie sich nun auf ein kleineres Volumen verteilt, heizt sie sich schneller auf. So wie ein kleiner Kochtopf mit wenig Wasser auch schneller heiß wird als ein großer mit viel Wasser.

Auch der Wasserdampf fehlende Schneedecken bremsen die Auskühlung der Nacht

Nächte erwärmen sich schneller als Tage. Was Nachtschwärmer freut, beschäftigt Wissenschaftler.
Nächte erwärmen sich schneller als Tage. Was Nachtschwärmer freut, beschäftigt Wissenschaftler. © dpa, Owen Humphreys, cul

Dazu kommen natürlich noch weitere Effekte, wie die immer geringer und seltener werdenden Schneedecken, die die Luft kühlen. Außerdem ist insgesamt mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, also mehr Wolken und diese bremsen die Auskühlung in der Nacht ab. 

Das alles führte zu messbar wärmer werdenden Nächten. In Deutschland wurde die wärmste Nacht am 13. August 2003 in Weinbiet bei Neustadt an der Weinstraße gemessen. In dieser Nacht wurde es nicht kälter als 27,6 Grad. In Griechenland liegt die Rekordtemperatur bei unglaublichen 35.8 Grad in Paleochora auf Kreta, gemessen am 27. Juni 2007.

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