Tsunami als Worst-Case-Szenario

Beben auf Santorini und den Kanarischen Inseln – Vorhersagen unmöglich?

von Carlo Pfaff & Björn Alexander

Das Gesicht der Erde ist in stetigem Wandel – mal in Zeitlupe und nicht wahrnehmbar, mal in wilden Kaskaden, die mit Beben und Vulkanausbrüchen einhergehen. Letztere Phänomene beschäftigen uns derzeit auf Santorini und Kanaren.
Im Video: Tausende fliehen von der Ferieninsel Santorini

Santorini von heftiger Erdbebenserie heimgesucht

Seit Ende Januar wird Santorini von einer intensiven Erdbebenserie heimgesucht – mit über 2.300 registrierten Beben, darunter 45 mit einer Stärke über 4. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 5,29.
Etwa zwei Drittel der 16.000 Einwohner haben bis jetzt die Insel verlassen. Schulen sowie Geschäfte sind geschlossen. Experten warnen vor einem möglichen Hauptbeben mit einer Stärke von bis zu 7. Zudem besteht die Gefahr einer Reaktivierung des Unterwasservulkans Kolumbos. Die Behörden raten, Küstengebiete zu meiden.

Verlauf und Ende der Beben - Vorhersage nicht möglich

Die Beben auf Santorini konzentrieren sich hauptsächlich etwa 20 Kilometer nordöstlich der Insel. Wahrscheinlich sind tektonische Verschiebungen die Ursache für diese Beben, nicht Bewegungen von Magma, wie Experten erläutern. Dementsprechend wäre demnach ein starkes Hauptbeben wahrscheinlicher als einen Vulkanausbruch.
Ähnliche Erdbebenserien gab es übrigens in den Jahren 2011 und 2012. Diese klangen allerdings ohne ein starkes Beben ab.
Das Worst-Case-Szenario, also das schlimmstmögliche Ende der Serie zeigt uns indes der Rückblick auf das Jahr 1956 als ein Tsunami mit rund 20 Metern Höhe in der Ägäis entstand.

Fakt ist aber für den weiteren Verlauf: Eine Vorhersage ist unmöglich.

Kanaren ebenfalls im Fokus

Die seismologische Aktivität auf den Kanarischen Inseln, insbesondere auf Teneriffa und in den umliegenden Gewässern, zeigt derzeit ebenfalls erhöhte Werte:

  • Binnen 30 Tagen wurden insgesamt 55 Beben registriert, darunter 21 am Unterwasservulkan Enmedio zwischen Gran Canaria und Teneriffa.
  • Am 6. Februar 2025 wurde ein Beben der Stärke 3,3 in 47 Kilometern Tiefe nördlich der Inseln verzeichnet, während ein weiteres Beben der Stärke 2,4 westlich von Fuerteventura auftrat.
  • Auf Teneriffa konzentriert sich die seismische Aktivität besonders um den Vulkan Pico del Teide, wo binnen einer Woche über 30 Beben detektiert wurden. Das stärkste mit einer Magnitude von 2,1 zwischen Teneriffa und Gran Canaria.
  • In der Region Vilaflor auf Teneriffa registrierte das IGN am 23. Januar 2025 innerhalb von 24 Stunden 14 Erdbeben mit Stärken zwischen 0,6 und 1,5.

Auffällig, aber noch nicht besorgniserregend

Wissenschaftler beobachteten zudem eine Bodenhebung von 10 Millimetern im letzten Jahr sowie einen erhöhten Kohlendioxidausstoß am Pico del Teide. Obwohl die aktuelle Situation damit sehr auffällig ist, betonen Experten, dass sie nicht unmittelbar besorgniserregend sei. Sie weisen jedoch darauf hin, dass ein zukünftiger Ausbruch des Teide als wahrscheinlich gilt, wobei der genaue Zeitpunkt nicht vorhergesagt werden kann.

(mit dpa)