El Niño: Forscher sagen für 2020 gefürchtetes Wetter-Phänomen voraus

Vorhersagen auf El-Niño-Ereignisse werden verlässlicher

Das Wetterphänomen El Niño wird nach Einschätzung von Forschern höchstwahrscheinlich Ende 2020 in der Pazifikregion wieder auftreten. Die Prognose beruht laut einer Mitteilung der Universität Gießen auf einem Algorithmus, mit dem die Lufttemperaturen im Pazifikraum analysiert werden. Damit sei eine Vorhersage deutlich früher möglich. Bereits die beiden letzten El-Niño-Ereignisse hätten mit längerem Vorlauf korrekt prognostiziert werden können und auch jetzt sind die Zahlen eindeutig: El Niño kommt demnach mit einer Wahrscheinlichkeit von 80%.

Was aber genau ist El Niño eigentlich?

ACHTUNG: SPERRFRIST  23. März 1200 - ARCHIV - Frauen warten vor ihren teilweise unter Wasser stehenden Häusern am 09.12.2011 in Bogota (Kolumbien) auf Hilfe. In Kolumbien hatte das Wetterphämonen La Nina für Überschwemmungen gesorgt. Die Erderwärmung
Während El Niño in Kolumbien Überschwemmungen bringt, wird es in anderen Teilen der Welt trocken. © dpa, Mauricio Duenas

Zum Teil verheerende Auswirkungen für große Teile der Welt

El Niño heißt nach dem spanischen Wort für „Christkind“, weil das Phänomen oft um Weihnachten herum auftritt. Dabei geht es konkret um eine Erhöhung der Wassertemperaturen (mindestens 0,5 Grad in mindestens drei aufeinander folgenden Monaten) vor der Westküste Südamerikas. Das Phänomen tritt etwa alle drei bis sieben Jahre auf und hat globale Folgen. Bei uns Europa sind diese zwar nicht oder nur sehr wenig wahrnehmbar. Aber in vielen anderen Teilen der Welt sind die Auswirkungen zum Teil verheerend.

Westküste Südamerikas nass - Trockenheit in vielen östlichen Teilen der Erde

Dürre in Myanmar: El Niño hat das sonst wasserreiche Land austrocknen lassen. Foto: Hein Htet/Archiv
Diese Menschen leiden unter El Niño im eigentlich wasserreichen Myanmar unter Dürren. © DPA

Normalerweise zeigt sich die Westküste Südamerikas sehr trocken. Doch das ändert sich in El-Niño-Jahren. Denn das warme Oberflächenwasser sorgt an der südamerikanischen Pazifikküste herauf nach Kalifornien für Tiefdruckeinfluss und aufkommende Starkniederschläge mit Überschwemmungen und Erdrutschen. Überdurchschnittliche Regenmengen drohen in El-Niño-Jahren ebenfalls im Südosten der USA oder in Teilen Ostafrikas.

Gleichzeitig etabliert sich auf der anderen Seite des Pazifiks ein Hoch, das auf vor allem im Bereich Australien und Indonesien für Dürre mit Ernteausfällen und Bränden einhergeht. Doch auch in Indien, Südafrika und auf der atlantischen Seite Südamerikas sind unterdurchschnittliche Niederschlagsereignisse zu beobachten.

Fischmangel und Korallensterben

Die Erwärmung des Wassers vor der Küste Südamerikas hat gravierende Auswirkungen auf den Fischbestand. Das merkten zuerst die Fischer in Peru und Ecuador. Denn in manchen Jahren änderte sich die Zusammensetzung und die Menge der Fischarten in ihren Netzen. Das geschah vornehmlich zur Weihnachtszeit, weshalb das Phänomen den Namen „El Niño“ bekam. Das spanische Wort für „Christkind“. Der Grund für die Änderung ist, dass das warme Wasser den Auftrieb von kaltem und nährstoffreichen Tiefenwasser stoppt und dass die Fische somit vorübergehend abwandern.

Und auch die Korallenwelt wird durch das warme Wasser massiv gestört. Denn die Korallen sind bei ihrer Energieversorgung auf eine bestimmte Algen (Zooxanthellen) angewiesen. Ist das Wasser aber zu warm, dann bilden die Algen giftige Stoffe und dient den Korallen somit nicht mehr als Symbiose-Partner. Die Koralle verblasst und kann aufgrund des Energiemangels sogar absterben, die sogenannte Korallenbleiche.

El Niño bringt weniger Hurrikane, aber mehr Stürme über dem Pazifik

dpatopbilder epa04992250 A handout picture made available on 24 October 2015 by NASA's US astronaut Scott Kelly, commander of the current International Space Station (ISS) Expedition 45 crew, shows Hurricane Patricia along the western coast of Mexico
Hurri´kan Patricia - eine Ausgeburt von El Niño © dpa, Scott Kelly

In El-Niño-Jahren ist die Hurrikan-Aktivität über dem Atlantik eher schwächer ausgeprägt. Das liegt daran, dass die westlichen Höhenwinde über dem Atlantik stärker ausgeprägt sind. In der Folge ist die Scherung erhöht, was wiederum gegen die Bildung von Hurrikanen spricht. Je größer nämlich die Scherung, umso geringer sind die Chancen für die Bildung von Tropenstürmen. Jedoch besteht im Anschluss an El-Niño-Ereignisse oft die Tendenz zu stärkeren Hurrikan-Aktivität über dem Atlantik. 

Über dem Ostpazifik bis in den zentralen Pazifik löst die Erwärmung des Oberflächenwassers hingegen eine erhöhte Tropensturm-Aktivität aus. So entwickelte sich mit „Patricia“ im Oktober 2015 der bisher stärkste pazifische Hurrikan seit Beginn der Aufzeichnungen. Über dem westlichen Pazifik scheint es dagegen keine nennenswerten Auswirkungen zu geben.