Erin wirbelt Europa durcheinander

Schauer, Hitze und Hagel – Unwetter rollen übers Mittelmeer

von Karim Belbachir

Ex-Hurrikan Erin hat Europa erreicht – und sorgt für eine explosive Mischung aus heißer Mittelmeerluft und kühler Nordwestströmung. Die Folge: Schauer, Gewitter und teils unwetterartige Wetterlagen von Spanien bis Italien.

Ex-Hurrikan Erin bestimmt das Wetter

Die Überreste von Hurrikan Erin liegen inzwischen nordwestlich der Britischen Inseln. Von dort schaufelt das Tief heiße Luft aus Nordafrika nach Mitteleuropa, während aus Norden kalte Luft dagegen strömt. Genau an dieser Grenze entstehen nun heftige Schauer und Gewitter – und das quer über Europa. Die Wetterkarten zeigen eine regelrechte Konfrontation von Sommerhitze und herbstlicher Kühle, die besonders im Mittelmeerraum für Brisanz sorgt.

Ex-Hurrikan Erin zeigt zwei Seiten: Erst Spätsommer, dann Unwetter mit Absturz

Schon am Dienstag, 26. August 2025, brodelt es rund um das Mittelmeer. In Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland bilden sich Schauer und Gewitter, die lokal kräftig ausfallen können. Auf den Britischen Inseln frischt der Südwestwind auf, während in Südeuropa drückende Hitze herrscht: In Südspanien und auf den Balearen klettert das Thermometer auf 30 bis 36 Grad, in Italien auf 25 bis 29 Grad. Auch auf dem Balkan sind Werte um 28 Grad möglich, bevor sich am Schwarzen Meer deutlich frischere 23 bis 24 Grad einstellen.

Gefahr von Unwettern am Mittelmeer steigt

Am Mittwoch verlagert sich die brisante Wetterlage nach Nordostspanien, Südfrankreich und Nordwestitalien. Dort können kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen auftreten. Meteorologen sprechen teils von „unwetterartigen Schauerlagen“, da die Gewitter nicht nur heftig ausfallen, sondern sich auch in kurzer Zeit große Regenmengen entladen können. Besonders betroffen sind die Pyrenäen, das französische Massif Central und Teile Norditaliens – dort drohen Überschwemmungen in engen Tälern oder überlasteten Abwassersystemen.

Auch die Schweiz und das nördliche Alpenvorland geraten ins Visier. Hier rechnen die Wettermodelle ab Mittwochabend mit vermehrten Schauern und Gewittern, die sich durch die Topografie besonders verstärken können. In der Schweiz und in Österreich bleibt es vergleichsweise kühl – inneralpin oft nur 18 bis 22 Grad, in Wien und Graz dagegen 25 bis 26 Grad. Der Gegensatz zwischen kühlem Bergwetter und sommerlicher Wärme im Osten macht die Lage zusätzlich spannend und sorgt für eine spürbare Wetterdynamik.

Dabei sehen die Wettermodelle einen Schwerpunkt für heftigen Regen im Bereich Norditalien und Schweiz. Hier sind - je nach Modell - Spitzensummen von 200 bis 400 Liter pro Quadratmeter drin!

Gefahr plötzlicher Fallwinde und Tornados

In Spanien drohen neben Hagel auch gefährliche Fallwinde. Dabei rauschen kalte Luftmassen plötzlich nach unten und schlagen am Boden als heftige Windböen auf. Solche Böen treten wie aus dem Nichts auf, können Bäume entwurzeln oder Zelte und Sonnenschirme umwerfen. Besonders brisant: In Teilen Spaniens wüten ohnehin Waldbrände – und starker Wind könnte die Flammen weiter anfachen und unkontrollierbarer machen.

An der italienischen Ostküste und über dem warmen Wasser der Adria sind zudem kleinräumige Tornados oder Wasserhosen möglich. Diese entstehen auch nachts, wenn feuchtwarme Luft über dem Meer auf kältere Strömungen vom Land trifft. Zwar sind sie meist schwach, können aber trotzdem Schäden anrichten, etwa an Booten, Strandpromenaden oder in Küstenorten. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering bleibt, ist die Gefahr für kurze Überraschungsereignisse nicht von der Hand zu weisen.

Von sommerlicher Wärme zu herbstlichem Wetter

Auch der Balkan und Griechenland bekommen wiederholt Schauer und Gewitter ab, am Schwarzen Meer liegen die Höchstwerte dagegen nur bei 23 bis 24 Grad. In Nordeuropa setzt sich polarer Einfluss durch, dort bleibt es kühl mit zahlreichen Schauern, jedoch ohne größere Unwettergefahr. Für viele Regionen bedeutet das einen abrupten Übergang von sommerlicher Wärme zu fast herbstlichem Wetter, was auch in der Landwirtschaft und im Alltag spürbar wird.