Zerstörung in Südostasien
Schweres Beben verwüstet Myanmar und Thailand

Ein Erdbeben der Stärke 7,7 hat Myanmar und Teile Thailands erschüttert. Besonders betroffen ist die Millionenstadt Mandalay, wo zahlreiche Gebäude einstürzten. Auch in Bangkok kam es zu schweren Schäden – mit tödlichen Folgen.
Zwei Beben binnen Minuten
Das Hauptbeben ereignete sich am Freitag um 14.20 Uhr Ortszeit (07.20 Uhr MEZ) rund 16 Kilometer nordwestlich der Stadt Sagaing in Myanmar. Es erreichte eine Stärke von 7,7 und hatte eine geringe Tiefe – ein Faktor, der die zerstörerische Wirkung noch verstärkte. Nur wenige Minuten später folgte ein weiteres schweres Beben, das zunächst mit Stärke 6,4 angegeben, später aber auf 6,7 heraufgesetzt wurde. Die Erschütterungen waren in weiten Teilen Südostasiens spürbar – unter anderem in China, Thailand, Kambodscha, Bangladesch und Indien.
In Myanmar richteten die Beben enorme Schäden an. Besonders betroffen war die zweitgrößte Stadt des Landes, Mandalay, die mit 1,7 Millionen Einwohnern unweit des Epizentrums liegt. Dort stürzten laut Berichten der Nachrichtenagentur AFP zahlreiche Häuser ein, Straßen wurden aufgerissen, Brücken zerstört. Auch in der Hauptstadt Naypyidaw kam es zu schweren Zerstörungen – unter anderem stürzte der Eingangsbereich der Notaufnahme eines zentralen Krankenhauses ein. Verletzte mussten unter freiem Himmel versorgt werden. In den sechs am stärksten betroffenen Regionen wurde der Notstand ausgerufen.
Zahl der Toten unklar – Gesundheitsversorgung überlastet
Wie viele Menschen ums Leben kamen, ist noch unklar. Doch angesichts der dramatischen Lage rechnen die Behörden mit deutlich steigenden Opferzahlen. Myanmar befindet sich seit vier Jahren im Bürgerkrieg, die Infrastruktur ist vielerorts zusammengebrochen, das Gesundheitssystem kaum noch funktionsfähig. Es könnte Tage dauern, bis das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar wird.
In einem bemerkenswerten Schritt bat Myanmars Militärchef Min Aung Hlaing um internationale Unterstützung. „Jedes Land, jede Organisation” solle helfen, sagte er. Eine solche Bitte ist ungewöhnlich: In der Vergangenheit lehnten Militärregierungen selbst bei großen Naturkatastrophen externe Hilfe regelmäßig ab.
30-stöckiges Hochhaus in Bangkok eingestürzt
Auch Thailand wurde schwer getroffen. In der Hauptstadt Bangkok, rund 1000 Kilometer vom Epizentrum entfernt, stürzte nahe dem bekannten Chatuchak-Markt ein im Bau befindliches Hochhaus ein. In den Trümmern werden Dutzende Arbeiter vermisst. Der Gouverneur der Stadt, Chadchart Sittipunt, bestätigte bislang rund zehn Todesopfer, die meisten davon im eingestürzten Gebäude. Rettungskräfte suchten auch in der Nacht unter Beton- und Stahltrümmern nach Überlebenden.
Thailands Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra rief für Bangkok den Notstand aus und leitete eine Krisensitzung ein. Weltweit zeigten sich Staaten solidarisch: US-Präsident Donald Trump erklärte, die USA würden helfen. Deutschland kündigte über das Auswärtige Amt Unterstützung für UN-Hilfsprogramme an. Auch die EU und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagten Hilfe zu. Ein erstes Flugzeug aus Indien mit einem Rettungsteam und medizinischer Versorgung traf am Samstag in Myanmar ein. Weitere Hilfslieferungen sollen folgen. (mit dpa)