Marine Hitzewellen

Hier ist das Meer jetzt schon besonders heiß

von Oliver Hantke

Mediterranean Fried Egg Jellyfish - Cotylorhiza tuberculata
Hitzewellen gibt es auch im Meer - hier auf dem Bild seht ihr eine Cotylorhiza tuberculata. Das ist eine Art von Quallen aus dem Stamm der Cnidaria, auch bekannt als die Mittelmeerqualle, Mittelmeerjelly oder Spiegeleiqualle. Und genau so sieht es auch fast aus :)

In diesen Tagen erleben wir die erste Hitzewelle des Jahres 2025 in Deutschland. Die Nord- und Ostsee haben im gesamten Frühjahr eine marine Hitzewelle erlebt. Und auch derzeit ist das Meerwasser im Mittelmeer und teilweise auf dem Nordatlantik sehr warm bis heiß.

Nord- und Ostsee so warm wie lange nicht im Frühling

Wasser im Frühling viel zu warm
Abweichung des Frühjahrsmittels der Oberflächentemperaturen in 2025 zum langjährigen Frühjahrsmittel von 1997 bis 2021 für die Nordsee (links) und für die Ostsee (rechts)

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) verzeichnete im März, April und Mai 2025 außergewöhnlich hohe Wassertemperaturen in Nordsee und Ostsee – ein weiteres Zeichen des fortschreitenden Klimawandels. Die gesamte Nordsee hat das wärmste Frühjahr seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1997 erlebt. Auch in der deutschen Ostsee wurden Rekordtemperaturen gemessen. In Kiel dauerte eine marine Hitzewelle so lange wie nie zuvor.

Am Leuchtturm Kiel registrierte die BSH-Messstation vom 28. März bis 21. Mai 2025 in einer Wassertiefe von einem halben Meter eine marine Hitzewelle. „Die marine Hitzewelle hielt 55 Tage an – die längste, die wir je an unserer Station in Kiel gemessen haben, wo wir seit 1989 kontinuierlich Daten erfassen. Die Temperaturen lagen während der marinen Hitzewelle durchschnittlich 2,6 Grad über dem Mittelwert von 1991 bis 2020, mit einem Höchstwert von 4,3 Grad über dem Durchschnitt“, berichtet Dr. Claudia Hinrichs, Klimawissenschaftlerin beim BSH.

Westliches Mittelmeer im Juni schon extrem warm

Temperaturabweichung im Juni im Wasser
Die größte positive Abweichung liegt im westlichen Mittelmeer. Gelb, orange und rot bedeuten positive, grün und blau negative Abweichungen

Und auch die Wassertemperaturen im Mittelmeer sind schon extrem warm. Vor allem im westlichen Mittelmeer liegen sie im Juni häufig schon 2 Grad über dem Mittel. Durch den Mistral ist das Wasser an der Südküste Frankreichs besonders aufgeheizt. Hier gibt es ein Gebiet bis rüber nach Korsika, das derzeit sogar 3 Grad über dem Durchschnitt liegt. Das östliche Mittelmeer zeigt sich temperaturtechnisch fast normal. Nur teilweise liegt es etwas über dem Mittel.

Video: Bleibt die Hitze rund ums Mittelmeer?

Nordatlantik knapp unter Rekordjahr von 2024

Temperaturvergleich Nordatlantik letzten 20 Jahre
Die Temperatur des Nordatlantiks liegt 2025 zur Zeit unter den Werten von 2024.

Auch auf dem Nordatlantik sehen wir eine breite lang gezogenen Zone von Nordamerika bis rüber nach Europa mit erhöhten Wassertemperaturen. An der westlichen Küste Frankreichs, im Golf von Biscaja, bis hinauf zur irischen Küste zeigt sich eine regelrechte Hitzeblase im Meer.

Der Nordatlantik ist im Jahr 2025 nicht ganz so warm unterwegs wie im Jahr 2024. Dennoch gehört der Verlauf noch zu den drei wärmsten überhaupt. Im Januar lagen die beiden Jahre noch gleichauf.

Diese Folgen haben Hitzewellen im Meer

Während bei den menschlichen Auswirkungen auf das Wetter viele Fragezeichen im Raum stehen, gibt es bei den Auswirkungen auf die Tierwelt ein großes, rotes Ausrufezeichen. Durch die marinen Hitzewellen kann es für bestimmte Fischarten einfach viel zu warm werden. Ein Massensterben droht.

Auch Seegraswiesen können absterben und ganze Nahrungsketten können zusammenbrechen. Wieder sind Fischpopulationen betroffen. Ähnlich wie Seegraswiesen sind außerhalb der Tropen Tangwälder vom Absterben bedroht. In den letzten Jahrzehnten wurde häufig von der Korallenbleiche berichtet. Auch dieses Erkranken bis Sterben der Korallen liegt zum Teil an zu hohen Wassertemperaturen.

„Die Erwärmung der Ozeane verschlimmert auch extreme Wetter- und Meeresereignisse. Dazu gehört die Intensivierung von Taifunen, Hurrikans und marinen Hitzewellen”, schreibt das Team um Lijing Cheng vom Institut für Atmosphärenphysik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in einer Studie und ergänzt: „Die zusätzliche Wärme und Feuchtigkeit, die in die Atmosphäre gelangen, führen zu heftigeren Stürmen mit kräftigerem Regen, stärkeren Winden und größeren Überschwemmungen.”

(oha)