Einfach zugreifen
Gesund und lecker am Wegesrand: Wildkräuter sammeln im Vorbeigehen
Wer mit offenen Augen spazieren geht, kann sie nicht übersehen. Wildkräuter, schon lange nicht mehr als lästiges Unkraut verpönt, sind weit verbreitet und leicht zu erkennen. Nehmt das Angebot der Natur doch an - ihr müsst nur zugreifen. Denn sie lassen sich vielseitig in der Küche und als Heilpflanzen einsetzen.
Im Video: Nerviges Grünzeug? Viele Unkräuter sind reinstes Superfood!
Brennnessel, Gänseblümchen und Löwenzahn kennen wohl alle. Aber es gibt so viele wertvolle Pflanzen im Wald, auf Wiesen und an Feldrändern mehr, die hier einmal mit Foto und ihren Vorzügen vorgestellt werden. Viele bieten Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und helfen so dabei, gesund zu bleiben oder zu werden. Als Heilpflanzen waren sie früher populär.
Spitzwegerich

Die Blätter des Spitzwegerichs sind schmal und laufen spitz zu. Auffällig sind die 3 bis 7 deutlich sichtbaren, parallel verlaufenden Längsnerven. Der Spitzwegerich blüht von Mai bis September. Aus seiner Mitte wachsen dann mehrere, bis zu 30 Zentimeter hohe, blattlose Blütenstängel. Am Ende jedes Stängels sitzt eine Ähre wie eine kleine Walze mit unscheinbaren, weißlich bis bräunlichen Blüten.
- Spitzwegerich wirkt wundheilend, antiseptisch und entzündungshemmend. Frische, zerdrückte Blätter können direkt auf kleine Wunden, Schnitte, Insektenstiche oder leichte Verbrennungen gelegt werden, um Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz zu lindern.
- Bei Husten und Halsschmerzen wirkt Spitzwegerich-Tee oder -Sirup schleimlösend und reizlindernd. Gurgeln oder Spülen mit Spitzwegerich-Zubereitungen hilft auch.
- Aufgrund seiner harntreibenden Wirkung kann Spitzwegerich zur Entgiftung und bei leichten Harnwegsinfekten eingesetzt werden.
- Er unterstützt bei der Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden.
Kamille

Weiße Blütenblätter, gelbe gewölbte Mitte, zierlich gefiederte Blätter - das sind die Merkmale der Kamille in Blüte. Dran riechen hilft in jedem Fall auch zur Bestimmung. Denn wer kennt den Duft von Kamille nicht? Besonders beim Zerreiben der Pflanzenteile verströmt sie ihr unverkennbares Aroma.
Kamille wirkt entzündungshemmend, krampflösend, wundheilungsfördernd, antibakteriell, beruhigend und schmerzlindernd. Kamillentee bei Magen-Darm-Beschwerden, Dampfbäder und Inhalationen bei Atemwegsbeschwerden oder unreiner Haut, Umschläge, Spülungen und Bäder bei Haut- und Schleimhautproblemen), in Salben und Cremes zur Behandlung von Wunden – die Verwendungsfelder dieser scheinbaren Allzweckwaffe sind wirklich groß.
Wilder Majoran, Oregano, Dost

Wilder Majoran, auch als Dost oder Oregano bekannt, gilt als vielseitige Heilpflanze mit zahlreichen positiven Wirkungen auf die Gesundheit. Das liegt an seinen wichtigen Inhaltsstoffen:
- Ätherische Öle (z.B. Carvacrol, Thymol)
- Flavonoide (z.B. Hyperosid, Rutin, Quercetin)
- Bitter- und Gerbstoffe
- Vitamin C
Er unterstützt die Verdauung, stärkt das Immunsystem, lindert Atemwegs- und Magen-Darm-Beschwerden, wirkt entspannend auf das Nervensystem und kann sogar äußerlich zur Wundheilung beitragen.
Es gibt übrigens ein bisschen Verwirrung um den Namen. Der Begriff „Wilder Majoran“ ist eine gebräuchliche, aber irreführende Bezeichnung für Oregano (Origanum vulgare), der auch als Echter Dost bekannt ist Es handelt sich dabei nicht um wild wachsenden Majoran (Origanum majorana), sondern um eine eigenständige Pflanzenart innerhalb derselben Gattung. Oregano und Majoran sind also eng verwandt, aber verschiedene Arten: Oregano ist kräftiger und herber im Geschmack, Majoran milder und süßlicher.
Knoblauchsrauke

Die Knoblauchsrauke kann ganz schön hoch wachsen.. Je nach Standort und Wasserangebot kann sie Höhen zwischen 20 und 100 Zentimeter erreichen. Die kleinen weißen Blüten mit je vier Blütenblättern erscheinen von April bis Juli. Nach der Blüte entwickeln sich lange, dünne Schoten. Die oberen Blätter sind gezahnt, dünn, weich, unbehaart und hellgrün. Sie wächst bevorzugt an Waldrändern, in halbschattigen bis schattigen Lagen, auf nährstoffreichen Böden.
Die Blätter, Blüten und jungen Samen der Knoblauchsrauke haben ein mildes Knoblaucharoma und eignen sich besonders gut als frisches Würzkraut in der Küche. Sie werden am besten roh verwendet, da das Aroma beim Erhitzen nachlässt. Besonders beliebt ist sie als würzige Zutat in Salaten, Pestos und Kräuterzubereitungen.
Ein traditionelles Hausmittel bei Atemwegs- und Hautproblemen ist die Knoblauchsrauke aber auch. Sie wirkt nämlich entzündungshemmend, antibakteriell, schleimlösend und leicht harntreibend
Ackerschachtelhalm

Der Ackerschachtelhalm, auch bekannt als Zinnkraut, ist eine Heilpflanze, die bereits seit der Antike verwendet wird und für ihre vielfältigen Wirkungen bekannt ist. Besonders die in ihm enthaltene Kieselsäure und deren Salze sowie andere Mineralstoffe und Spurenelemente haben positive Auswirkungen auf Haut und Schleimhäute. Zudem unterstützen sie das Immunsystem, weshalb man ihn beispielsweise bei der Behandlung von Erkältungen nutzt.
Der Ackerschachtelhalm besitzt hohle, grüne und gerippte Stängel, die in Segmente unterteilt sind. Die Seitentriebe sind kreisförmig um den Hauptstängel angeordnet. Die äußeren Stängelchen sind länger sind die inneren. Sie sehen aus wie kleine, grüne Besen oder Wedel. Die Pflanze erreicht eine Höhe von etwa 10 bis 50 cm
Gundermann

Mit dem Gundermann ist es schon eine besondere Sache. Er ist eine mehrjährige, wintergrüne krautige Pflanze, die als Bodendecker wächst. Die oberirdischen Ausläufer kriechen am Boden und können bis zu 2 Meter lang werden. Die Blütentriebe aber wachsen aufrecht und erreichen eine Höhe von etwa 10 bis 30 Zentimeter. Die kleinen Blüten sind meist blauviolett bis violett, seltener rosa. Die Blütezeit liegt zwischen März und Juni. Seine Blätter sind rundlich bis nieren- oder herzförmig und nur etwa 2 bis 3,5 Zentimeter groß.
Das hübsche Wildkraut findet sowohl in der Küche als auch als Heilpflanze Verwendung. Es ergänzt sowohl herzhafte als auch süße Gerichte und wertet als Deko das Ganze auch noch auf - eine Eigenschaft, die so viele Blüten der Wildkräuter haben. Als altes Hausmittel wird Gundermann bei eitrigen Wunden, Bronchitis, Harnwegserkrankungen und Schnupfen eingesetzt.
Hirtentäschel

Ihren Namen verdankt das Wildkraut der Form ihrer Schoten, die an Taschen früherer Hirten erinnern. Diese Mini-Herzen sitzen am Ende von kurzen Stielen, die vom langen Stängel der unscheinbaren Pflanze abstehen. Genauso fein und grazil sind die weißen Blütenblätter am oberen Ende der Stiele. Nur am Boden fächern sich die Blätter der Pflanze, daher wirkt sie etwas nackt. Das Hirtentäschel blüht im Grunde das ganze Jahr hindurch, zumindest von März bis November.
Alles außer der Wurzel kann in Küche oder Heilkunde verwendet werden. Die Samen und Früchte schmecken recht scharf und können daher als Pfefferersatz beispielsweise in Salaten dienen. verwendet werden. In der Volksmedizin wird Hirtentäschelkraut zur Stillung von Blutungen angewendet. Die enthaltenen Alkaloide sollen Blutdruck und Herzfrequenz senken. Hirtentäschel wirkt harntreibend und hilft bei Entzündungen.
Schafgarbe

Es gibt nicht die eine Schafgarbe, sondern über 100 Arten. Die Schafgarbe, die zu den Leckerbissen von Schafen gehört und daher ihren Namen hat, ist eine Heilpflanze mit langer Tradition. Ihre Inhaltsstoffe wirken als Tee, Tinktur oder Bad positiv auf Leber, Magen, Darm, Galle und Haut. Die Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherischen Öle und Flavonoide sollen nämlich
- krampflösend
- verdauungsfördernd
- blutstillend und
- entzündungshemmend
sein.
Die Schafgarbe ist aus Wiesen und Wegesrändern nicht wegzudenken. Sie ist sehr genügsam und selbst in Höhenlagen über 3000 Meter noch zu finden . Ab März wachsen die einjährigen Stängel aus dem winterharten Wurzelstock hervor, die bis zu 80 Zentimeter hoch werden können. Die spitzen, zwei- bis dreifach gefiederten Blätter sind wie die Stängel behaart. Die Enden der Stängel verzweigen sich und fächern meist mehrere Blütenschirme mit vielen kleinen weiß oder rosafarbenen Blüten auf.
Wichtige Tipps zum Sammeln von Wildkäutern
- Nur Pflanzen sammeln, bei denen Du zu 100 Prozent sicher bist, dass sie das Kraut sind, das du denkst. Es droht Verwechslungsgefahr mit giftigen Doppelgängern.
- Wähle nur gesund und frisch aussehende Pflanzen aus.
- Nimm nur eine solche Menge mit, die Du gerade wirklich benötigst und sei sorgsam beim Abpflücken, damit die übrige Pflanze nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen wird als unbedingt nötig.
- Sammle nur die Menge, die du zeitnah verbrauchen kannst, um Verschwendung zu vermeiden. Lass genügend Pflanzen an Ort und Stelle, damit sich der Bestand regenerieren kann1567.
- Die Erntestelle sollte besser nicht direkt an Straßen, in Industriegebieten, gespritzte Felder oder auf Hundeweisen liegen. Vor der Verwendung sollten die Pflanzen gründlich gewaschen werden.
- Keine geschützten oder gefährdeten Pflanzen sammeln! In Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten oder Naturparks ist das Sammeln meist verboten.



