Blutige Plage am Badesee

Warum Bremsenstiche so höllisch sind

von Amelie von Kruedener

egenbremse (Haematopoda pluvialis) auf menschlicher Haut.
Diese Insekten echte Blutjunkies und haben einen sechsten Sinn für Schweiß, Körperwärme und CO2 – sie finden uns auch im dichtesten Gewusel und stechen sogar durch dünne Kleidung hindurch.

Sie kommen leise, landen zielsicher und beißen erbarmungslos zu. Bremsen sind nicht nur lästige Sommergäste, sie gehören zu den aggressivsten Blutsaugern unter den Insekten. Und das merkt man. Denn anders als Mücken stechen Bremsen nicht – sie beißen. Mit kleinen scharfen Mundwerkzeugen ritzen sie die Haut auf, lecken das Blut auf und hinterlassen dabei brennende, oft tagelang juckende Quaddeln:

Schmerz mit Ansage

Der Bremsenstich fühlt sich nicht ohne Grund so heftig an: Der Speichel der Tiere enthält gerinnungshemmende Substanzen, damit das Blut schön flüssig bleibt. Gleichzeitig reizt er die Haut massiv und kann bei empfindlichen Menschen zu starken allergischen Reaktionen führen – von großflächigen Schwellungen bis hin zu Fieber. Besonders häufig trifft es Spaziergänger, Radfahrer oder Pferdeliebhaber. Denn Bremsen lieben Bewegung – und Schweiß.

Wo lauern sie?

Bremsen halten sich bevorzugt in der Nähe von Feuchtgebieten, Wiesen, Seen oder Waldrändern auf. Auch landwirtschaftliche Gegenden mit Weidetieren sind ein Paradies für sie. Und ja, dunkle Kleidung zieht sie geradezu magisch an – während helle, lockere Stoffe eher abschrecken. Warum das so ist? Das hat gleich mehrere Gründe:

  • Wärme zieht an - Dunkle Kleidung heizt sich schneller auf als helle. Für Bremsen, die Wärmequellen lieben, ist das wie ein blinkendes „Hier gibt’s Blut!“-Schild. Besonders bei Sonne wirken dunkle Stoffe wie ein Magnet.

  • Kontrast zur Umgebung - In der Natur sind die meisten Hintergründe eher hell – Wiesen, Sand, Himmel. Dunkle Kleidung hebt sich davon stark ab, vor allem in Bewegung. Bremsen erkennen so ihre „Zielscheibe“ schneller.

  • Evolutionär gelernt - Bremsen sind nicht dumm. Über Jahrtausende haben sie gelernt: Dunkles Fell = warmes, lebendiges Tier = Blut. Pferde, Rinder, Wildtiere – alle dunkel gefärbt und voller leckerem Lebenssaft. Der Reflex sitzt tief.

  • Schweiß und CO₂ kommen oben drauf - Wer schwitzt oder sich bewegt, verströmt mehr CO₂ und Duftstoffe – und das mögen Bremsen sowieso. Kommt dann noch ein schwarzes Shirt dazu, ist das perfekte Bremsenmenü angerichtet.

Was hilft wirklich?

Einfach wegwedeln? Keine Chance. Bremsen lassen sich durch hektische Bewegungen kaum beeindrucken. Wer nicht gestochen werden will, muss sich richtig schützen:

  • Lange, helle Kleidung tragen
  • Insektenschutzmittel mit DEET oder Icaridin verwenden
  • Möglichst nicht bewegen, wenn eine Bremse schon surrend umkreist
  • Schatten aufsuchen, denn Bremsen halten sich lieber in der Sonne auf
  • Krasse Variante: Mit der flachen Hand erschlagen

Und nach dem Stich? Kühlen, nicht kratzen und bei starker Reaktion am besten eine Antihistamin-Creme auftragen. Wer zu Allergien neigt, sollte ein Notfallset dabei haben.

Kein Sommer ohne Biss?

Leider nein. Bremsen sind hartnäckig und in besonders heißen, feuchten Sommern sogar in Massen unterwegs. Trotzdem: Wer ein paar Regeln beachtet und sich schützt, kann auch die schönste Zeit des Jahres ohne blutige Zwischenfälle genießen. Nur eben nicht in Badeseenähe. Und bitte nicht mit schwarzem T-Shirt im Wald.

(avo)