Vertrauen wächst – aber nicht blind
Zustimmung für Klimaforschung steigt, doch Bedenken auch
Immer mehr Deutsche vertrauen der Klimaforschung – doch gleichzeitig mehren sich die Bedenken, dass wirtschaftliche oder politische Interessen Einfluss auf wissenschaftliche Arbeit nehmen könnten. Eine neue Umfrage zeigt, wie ambivalent das Verhältnis zur Forschung geworden ist.
Wissenschaft genießt hohes Vertrauen
Laut dem aktuellen Wissenschaftsbarometer der Organisation Wissenschaft im Dialog vertrauen 82 Prozent der Deutschen der Wissenschaft „voll und ganz“ oder zumindest „eher“. Besonders stark ausgeprägt ist das Vertrauen bei Themen wie Klimawandel und erneuerbare Energien – mit deutlichen Zuwächsen in den vergangenen Jahren. Beim Klimawandel stieg der Anteil derjenigen, die wissenschaftlichen Aussagen Vertrauen schenken, von 39 Prozent im Jahr 2014 auf 59 Prozent im Jahr 2024.

Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit
Gleichzeitig wird deutlich: Die große Mehrheit hält die Wissenschaft in Deutschland für grundsätzlich frei, doch ein relevanter Teil der Bevölkerung sieht diese Freiheit als bedroht. Etwa ein Drittel befürchtet, dass politische oder wirtschaftliche Interessen Einfluss nehmen – besonders im Bereich der Klimaforschung. Diese Wahrnehmung wirft Fragen auf: Wie transparent ist wissenschaftliches Arbeiten tatsächlich? Und wie kann das Vertrauen dauerhaft gesichert werden, wenn zugleich Zweifel an der Unabhängigkeit bestehen?
Interessant ist auch, wie stark der Wunsch nach Mitbestimmung ausgeprägt ist: Zwei Drittel der Befragten finden, dass Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden sollten, woran geforscht wird. Doch selbst aktiv mitwirken möchten viele offenbar nicht: Nur 43 Prozent können sich vorstellen, an einem wissenschaftlichen Projekt teilzunehmen – etwa im Rahmen von Citizen-Science-Initiativen.
Woher kommt das Wissen über Wissenschaft?
Trotz Digitalisierung bleiben klassische Medien die wichtigste Informationsquelle. Fernsehen und Tageszeitungen führen die Liste an, während soziale Netzwerke oder YouTube-Kanäle weit abgeschlagen folgen. Das zeigt: Die Vermittlung von Wissenschaft ist weiterhin stark an etablierte journalistische Formate gebunden – auch im digitalen Zeitalter.

Das Vertrauen in die Wissenschaft ist in den vergangenen Jahren gewachsen – insbesondere in die Klimaforschung. Doch das Bild bleibt ambivalent: Viele Menschen erkennen zwar die Bedeutung unabhängiger Forschung an, gleichzeitig nehmen sie Risiken wahr – etwa durch Fehlentwicklungen, Abhängigkeiten oder Interessenkonflikte. Eine klare, transparente Kommunikation und echte Bürgerbeteiligung könnten helfen, diese Spannung zu lösen.
Wissenschaftsbarometer 2024 – Die wichtigsten Ergebnisse:
· 82 Prozent der Deutschen vertrauen Wissenschaft und Forschung „voll und ganz“ oder „eher“
· 59 Prozent vertrauen wissenschaftlichen Aussagen zum Klimawandel (2014: 39 %)
· 65 Prozent vertrauen Aussagen zu erneuerbaren Energien (2016: 53 %)
· 33 Prozent befürchten, dass wirtschaftliche oder politische Interessen Einfluss auf die Wissenschaft nehmen
· 66 Prozent wünschen sich mehr Bürgerbeteiligung bei der Entscheidung über Forschungsthemen
· 43 Prozent können sich vorstellen, selbst an Forschungsprojekten teilzunehmen
· Wichtigste Informationsquellen: Fernsehen und Zeitungen vor Social Media



