Sie liegt sogar in Deutschland
35 Meter pro Jahr: Das ist die schnellste Insel der Welt

Die Erde hat Zeit. Hier gehen Veränderungen sehr gemächlich vonstatten. Die Kontinente bewegen sich nur mit wenigen Zentimetern pro Jahr. Eine Insel aber hat es tierisch eilig, sie schafft 35 Meter im Jahr. Und sie liegt sogar in Deutschland. Was hat es mit diesem Supersprinter auf sich?
Trischen ist der Usain Bolt der Inseln
Wenige Kilometer vor der Mündung der Elbe, mitten im Wattenmeer, liegt dieses kleine unbewohnte Eiland mit dem leicht sperrigen Namen Trischen. Naja, ganz unbewohnt ist die Insel nicht. Die Ornithologin Mareike Espenschied ist neben etlichen Seevögeln die einzige Bewohnerin der Insel. Sie hat vor kurzem ihre Arbeit als Naturschutzwartin aufgenommen, denn Trischen wird von rund 5.700 Brutpaaren von etwa 30 verschiedenen Vogelarten bewohnt. Auf der Insel gab es mal einen Hof, der aber vor dem Meer nicht mehr geschützt werden konnte. 1947 verließ ein Schäfer die Insel, die seither sich selbst überlassen ist.
Trischen liegt wenige Kilometer vor Friedrichskoog an der Elbmündung. Die Insel ist noch sehr jung, sie entstand vor etwa 400 Jahren durch aufgespülte Sände. Und das sichelförmige Eiland hat es eilig. Es rennt quasi wie verrückt auf die Küste zu. Man könnte auch sagen, die Insel begeht Selbstmord.
Strömungsverhältnisse bauen die Insel permanent um
Das macht die Insel natürlich nicht freiwillig. Sie unterliegt Strömungsverhältnissen, die den Sand im Westen abtragen, während sich an der Ostseite neues Land bildet. So entsteht der Eindruck, die Insel wandere. Sie schafft tatsächlich satte 30 bis 35 Meter pro Jahr.
Dabei wird die Insel immer kleiner. Sie hat drei Viertel ihrer Größe schon ans Meer verloren, misst nur noch 1,8 Quadratkilometer. Wenn sie weiter so schnell wandert, trifft sie in etwa 400 Jahren auf Büsum an der Küste von Schleswig-Holstein. Wenn sie überhaupt bis dahin noch existiert. Denn Trischen wird regelmäßig bei Sturmfluten überschwemmt, die an Häufigkeit und Höhe zunehmen und an der Insel nagen.
Striktes Betretungsverbot der Insel
Wer nun denkt, das schaue ich mir mal aus der Nähe an, den müssen wir enttäuschen: Um die Seevögel nicht zu stören, gilt für Trischen ein strenges Betretungsverbot. Einzig für die Naturschutzwartin ist dieses Verbot durch eine Ausnahmegenehmigung aufgehoben. Einmal in der Woche wird sie per Schiff mit frischen Lebensmitteln, Post und Trinkwasser versorgt. Ein WLAN gibt es natürlich auch nicht.
Da Trischen eine wandernde Insel ist, wird Espenschied neben ihren ornithologischen Tätigkeiten die Dynamik der Wanderung dokumentieren, teilte der Nabu mit. Bis die Insel dann mit der Küste verschmilzt.
(osc)