Wettersysteme mit hohem Schadenspotenzial

Wetterlexikon: High Impact Weather

Unwetter am Mittelmeer - High Impact Weather
Unwetter am Mittelmeer: Warum und wann der Schaden manchmal besonders groß wird, ist noch nicht ergründet. © dpa, A1809 epa ansa

Was ist High Impact Weather?

In den Küstenregionen des westlichen Mittelmeeres blicken vermutlich einige Menschen mit Sorge auf den Wechsel von Sommer auf Herbst. Denn speziell zwischen September und November kommt es im westlichen Mittelmeerraum von der Iberischen Halbinsel bis Italien vermehrt zur Bildung von Tiefdruckgebieten, auch Zyklogenese genannt, mit nachfolgenden Starkniederschlägen.

Wettersysteme mit hohem Schadenspotenzial

Obwohl diese Tiefdruckgebiete meist weder großräumig sind, noch einen niedrigen Kerndruck besitzen, verursachen einige von ihnen trotzdem immer wieder hohe Niederschlagsmengen. Vor allem vom Küstenbogen Spaniens über Südfrankreich bis nach Italien und in den dahinterliegenden Alpenregionen sind dann Tageswerte von bis zu 300 Liter/Quadratmeter nicht gerade selten. Hervorzuheben ist ein Starkregenereignis in Vicomorasso in der Nähe von Genua im November 2011. Dort kam innerhalb von 24 Stunden (4.11. bis 5.11.) eine unglaubliche Regenmenge von 465 l/qm zusammen!

Verbunden mit diesen enormen Niederschlägen sind unweigerlich Überflutungen und Erdrutsche. In der Folge kommt es in diesen Regionen und in diesem Zeitraum immer wieder zu verheerenden Schäden, Verletzten und Toten. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom so genannten "High Impact Weather" (HIW; frei übersetzt: "Wettersysteme mit hohem Schadenspotenzial").

Die Begründung dieser enormen Wassermengen liegt vor allem in einer nur langsamen bis sehr langsamen Zuggeschwindigkeit der Tiefdruckgebiete und somit auch der mit ihnen verbundenen Niederschläge. Ein wichtiger Grund für dieses Phänomen ist zudem die Wasseroberflächentemperatur des Mittelmeers, die sich nur ganz langsam abkühlt und somit in diesem Zeitraum immer noch sehr hoch ist. Selbst im Oktober liegt die mittlere Wassertemperatur dort meist noch über der 20-Grad-Marke. Das warme Oberflächenwasser begünstigt die Verdunstung und Kondensation in den Wolken, so dass die Systeme große Wassermengen mit sich bringen. Natürlich spielt aber auch die Orografie hierbei eine entscheidende Rolle, wie zum Beispiel Staueffekte an den Alpen oder den Apenninen.

Die Beantwortung der Fragen wann, wo und warum manche Tiefdruckgebiete HIW verursachen, während andere dies nicht tun, ist Gegenstand gegenwärtiger Forschungsprojekte. Aufgrund ihrer komplexen dynamischen Struktur und Entwicklung sind HIW-verursachende Tiefs nur sehr schwierig vorherzusagen. Zudem gibt es eine Vielzahl an Faktoren bezüglich ihrer Entstehung, Entwicklung und Vorhersage, die bisher noch nicht ausreichend untersucht und damit verbunden auch nur zu einem geringen Grad verstanden wurden. Ziel der Forschung in diesem Bereich ist es, die Vorhersage von HIW zu verbessern, um vor allem die Anzahl an mit HIW verbundenen Verletzten und Todesfällen so weit wie möglich zu reduzieren.

Quelle: DWD