Wetter-Lexikon
Wetter-Lexikon: So entsteht der Böhmische Wind

Wer in der Sächsischen Schweiz mit dem Fahrrad auf dem Elberadweg die schöne Landschaft erkunden möchte, der sollte lieber erst einmal mit dem Zug bis nach Tschechien fahren und von dort aus wieder nach Deutschland mit dem Rad. Nur so bleiben dem geneigten Radfahrer wohl Flüche wegen des steten Gegenwindes erspart, denn der Böhmische Wind weht hier immer wieder.
Beim Böhmischen Wind, der in Bayern auch ‚Böhmwind‘ genannt wird, handelt es sich um ein regionales Windsystem. Eine Vorbedingung für seine Entstehung ist ein nahezu ortsfestes Hochdruckgebiet über dem östlichen Mitteleuropa, in dem die Luft großräumig absinkt. Im Böhmischen Becken herrscht dann höherer Luftdruck als westlich davon. Zudem bildet sich im Winterhalbjahr im Einflussbereich des Hochs oft eine über mehrere Tage anhaltende Inversion (stabile Schichtung der Atmosphäre, bei der die Temperatur mit der Höhe zunimmt), sodass sich das Böhmische Becken mit einer etwa 800 bis 1000 Meter mächtigen Kaltluftschicht anfüllen kann.
Die Gebirge, die Böhmen umgeben, sind die Ursache für die besonderen Windverhältnisse
Aufgrund der Tatsache, dass kalte Luft schwerer ist als warme, sinkt diese Kaltluftschicht zu Boden. Daher bildet sich dort ein kleinräumiges Kältehoch. Die nun vor Ort lagernde Kaltluft neigt wegen des fehlenden Austauschs mit darüber liegenden Luftschichten außerdem noch zu Nebel- und Hochnebelbildung. Ins angrenzende Sachsen und Bayern kann sie sich aufgrund der Orografie nicht ausbreiten. Nicht nur, aber auch dadurch, herrscht in Sachsen und Bayern aber relativ gesehen niedrigerer Luftdruck. Nun ist die Natur bestrebt, diese Unterschiede auszugleichen, was durch Wind geschieht, welcher bekanntlich vom hohen zum tiefen Luftdruck weht. Jedoch behindern die Randgebirge, durch die Böhmen von drei Seiten umgeben ist, diesen Ausgleich. Dieser ist nur auf zwei verschiedenen Wegen möglich:
Einerseits kann die Inversionsobergrenze etwas höher liegen als die Kammlagen des Osterzgebirges. Dann schwappt die Kaltluft über die Kammlagen, wo sie für eine ziemlich dicke "Nebelsuppe" sorgt. Die Kaltluft, die über den Kamm streicht, weht als Fallwind in die Täler. Weiter westlich ist das Erzgebirge höher, weshalb dort die Kamm- und Gipfellagen wolkenfrei und wärmer sind.
Andererseits kann die Kaltluft auch bei niedrigerer Inversionsobergrenze direkt in die Durchbruchtäler als kalter Fallwind abfließen. Der Wind wird in den Durchbruchstälern durch Kanalisationseffekte noch verstärkt. Aufgrund des Gefälles fließt die Kaltluft im Tal selbst immer schneller, sodass Sturmböen, teilweise sogar schadensträchtige Orkanböen, auftreten können. Im Winter können sich daher bei vorhandener Schneedecke innerhalb kurzer Zeit hohe Schneeverwehungen bilden. Außerdem liegen die Temperaturen im Elbtal aufgrund der einfließenden Kaltluft deutlich niedriger als im Umland, im Winter herrscht oft Dauerfrost.
Besonders betroffen vom Böhmischen Wind sind in Ostbayern die Täler mit einer Ost-West-Ausrichtung, in Sachsen die mit einer Ausrichtung Südost-Nordwest, wie an der Elb, bzw. Süd-Nord an der Spree oder Neiße. Die Ausgleichströmung hält so lange an, wie über dem Böhmischen Becken höherer Luftdruck herrscht, was im Winter mitunter ein bis drei Wochen dauern kann. Oft haben heranziehende Warmfronten nicht die nötige Kraft, die lagernde Kaltluft auszuräumen. Erst eine Durchmischung, wie sie beispielsweise durch eine kräftige Kaltfront verursacht wird, bringt den Böhmischen Wind zum Erliegen.
Quelle: dwd