Warum Windräder bei Wind manchmal abgeschaltet werden müssen

Stürmisches Wetter mit Wind im Überfluss - und trotzdem stehen Windkraftanlagen still. Nein, nicht trotzdem, sondern weil. Es gibt mehrere Gründe für deren Abschaltung.

„Ab einer bestimmten Windstärke werden Windenergieanlagen bei Sturm abgeschaltet, um Schäden zu vermeiden, etwa durch allzu starke Schwingungen“, erklärt Windradexperte Michael Dahm vom TÜV Nord. „Wenn die Belastung zu groß wird, kann die Stabilität der Anlage gefährdet werden. Eine weitere Gefahr ist, dass die elastischen Rotorblätter an den Turm stoßen können.“ Deswegen messen Sensoren ständig die genauen Windgeschwindigkeiten. Ab einer Windstärke von etwa 90 Stundenkilometern drehen sich die Rotorblätter automatisch aus dem Wind, um wenig Angriffsfläche zu bieten. Sie werden nicht fixiert, drehen sich aber nicht mehr. Die Steuerungssoftware schaltet die Anlage ab. In diesen Fällen ist der Grenzwert zum Abschalten vom Windrad-Hersteller festgelegt.

Warum Windräder bei Wind manchmal abgeschaltet werden müssen
© dpa, Julian Stratenschulte

Ein anderer Grund für die Abschaltung von Windrädern bei Wind ist die Vereisung der Rotoren. Eis kann sich durch das Drehen lösen und in die Umgebung geschleudert werden. Das ist natürlich gefährlich für Menschen auf angrenzenden Verkehrswegen oder Firmengeländen. „Eine Maßnahme kann sein, eine Windkraftanlage mit einem Eiserkennungssysteme auszustatten. Dieses schaltet die Windenergieanlage automatisch ab, damit es nicht zu Eisabwurf kommt, sondern nur noch zu Eisabfall von der stehenden Anlage“, erläutert Dahm.

Die Sicherheit ist aber nicht der einzige Grund dafür, dass Windräder still stehen, obwohl der Wind gehörig bläst. Denn gerade wenn der Wind besonders heftig weht, wird am meisten Strom produziert, womöglich sogar zu viel. Da der Ausbau des Stromnetzes nicht so schnell vorankommt, wie Windräder aus dem Boden schießen, kann das Netz sonst überlastet werden - besonders nachts, wenn die Nachfrage nach Strom gering ist. Gespeichert werden kann die überschüssige Energie nicht.

Unabhängig von der Windstärke werden Windräder aus weiteren Gründen abgestellt, z.B. zum Schutz der Anwohner. Neue Windkrafträder sind mit einer sonnenstands- und wetterabhängigen Schattenwurfregelung ausgerüstet. Sie sorgt dafür, dass die Grenzwerte des Schattenwurfs, der als äußerst unangenehm empfunden wird, nicht überschritten werden. Der Schattenwurf von Windenergieanlagen darf nicht länger als 30 Stunden pro Jahr und 30 Minuten am Tag auf ein Wohnhaus wirken. Bei Überschreitung dieser Dauer müssen die Windenergieanlagen abgeschaltet werden.

Ach ja, und manchmal müssen diese Hightech-Anlagen natürlich auch gewartet und repariert werden. Dann werden die Rotoren fixiert.

Quelle: dpa/wetter.de