Waldbrände in Portugal und Spanien: Der Schrecken nach dem Flammeninferno

Bei den Waldbränden sind in Portugal und Spanoien mindestens 39 ums Leben gekommen. Brandstiftung und die lange Trockenheit waren die Ursache für die verheerenden Feuer. Jetzt werden die restlichen Waldbrände auf der iberischen Halbinsel zunehmend eingedämmt. 

Portugal ruft nach Waldbränden dreitägige Staatstrauer aus

Extreme Dürre und Brandstiftung waren die explosive Mischung, die auf der iberischen Halbinsel zu einem tödlichen Flammeninferno führten. In Portugal hat daraufhin am Dienstag eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer der Waldbrände begonnen. Der portugiesische Regierungschef António Luís Santos da Costa bekundete den betroffenen Familien seine Anteilnahme, wie die Zeitung 'Diário de Notícias' berichtete. Nach jüngsten offiziellen Angaben starben in Portugal mindestens 36 Menschen, in Spanien vier. Unterstützt von einem Wetterumschwung haben Feuerwehrleute die Flammen auf der iberischen Halbinsel eingedämmt. Wegen des Regens und eines deutlichen Temperaturrückgangs hat sich die Gefahr verringert.

Neben der monatelangen extremen Dürre sind vermutlich Brandstiftungen für viele Flächenbrände verantwortlich. In der nordwestspanischen Provinz Galicien gehen die Behörden von 132 Fällen aus. "Das sind keine 132 Brände, das sind 132 Angriffe", sagte eine Sprecherin der Regionalregierung Galiciens im spanischen Radio. Von den Waldbränden der vergangenen Tage seien 95 Prozent auf menschliche Einwirkung zurückzuführen und die Hälfte sei mit Absicht gelegt worden.

Wegen der großen Schäden gibt es eine Debatte über die Effizienz der Behörden. Die spanische Landwirtschaftsministerin Isabel García Tejerina verteidigte die Einsatzleitungen in Galicien, Asturien und Castilla y León gegen Vorwürfe: "Wir sind darauf vorbereitet, Brände zu löschen - aber wir sind nicht auf Brandstifter vorbereitet." 

"Wir haben das Feuer mit Schlauch und Wasserflaschen bekämpft."

Smoke and flames from a forest fire are seen near Lousa, Portugal,  October 16, 2017.  REUTERS/Pedro Nunes
Erst im Juni waren 63 Menschen in den Flammen gestorben- © REUTERS, PEDRO NUNES, PH/

Das portugiesische Fernsehen zeigte bewegende Szenen. "Das ist die Hölle, das ist die Hölle", rief eine Rentnerin. "Ich weiß nicht, wo meine Schwester ist." Viele Menschen klagten, sie seien von den Behörden ihrem Schicksal überlassen worden. "Hier haben wir keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen", sagte eine Frau namens Elena in der Ortschaft Vila Nova de Poiares unweit der Uni-Stadt Coimbra dem Sender RTP. "Wir haben das Feuer mit Schlauch und Wasserflaschen bekämpft." Die Behörden riefen die Menschen am Montag dazu auf, selbst gegen die Flammen vorzugehen, da nicht überall auf die Feuerwehrleute gewartet werden könne. Ein Sprecher der Zivilschutzbehörde wies Kritik an den Behörden zurück: Grund für die Eskalation sei nicht eine falsche Strategie der Brandbekämpfung, sondern die Heftigkeit der Brände und die besonders große Trockenheit in diesem Jahr. 

Menschen konnten nicht frühzeitig gewarnt werden

Im Juni waren bei Bränden im Bezirk Leira in der Mitte Portugals mindestens 63 Menschen ums Leben gekommen. Das Zentrum lag bei Pedrógão Grande, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon, eine dünn besiedelte Gegend. Im August brachen in der Mitte Portugals erneut mehr als 150 Waldbrände aus. Laut Medienberichten waren viele Opfer auf der Flucht in ihren Autos verbrannt, weil die Hitze die Elektronik ausfallen ließ und die zuvor automatisch verriegelten Türen nicht mehr geöffnet werden konnten. Die Menschen waren gefangen. Auch die Monokultur in vielen Waldgebieten Portugals ist bei Waldbränden gefährlich. Anstatt der Mischwälder wurden Eukalyptusbäume gepflanzt. Die Rinde der Eukalyptusbäume fängt wesentlich schneller Feuer als die anderer Bäume. Wie im Juni und August konnte auch jetzt ein Teil der Einwohner in den betroffenen Dörfern nicht früh genug gewarnt werden, da die Stromversorgung unterbrochen war und der Mobilfunk ausfiel.