Schlechte Luftqualität

Waldbrände in Kalifornien: Rauch bereits in Europa angekommen

09.09.2020, USA, Forest Falls: Ein Feuerwehrmann beobachtet einen Waldbrand in der Nähe des Highway 38. Foto: Will Lester/Orange County Register via ZUMA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
29.000 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Waldbrände in Kalifornien an. © dpa, Will Lester, zeus abl

Halbe Millionen Menschen obdachlos

Es sind nicht mehr nur die Waldbrände, die den Menschen an der US-Westküste zu schaffen machen. Immer mehr Städte alarmieren vor der hohen Luftverschmutzung, die gesundheitsschädlich auf Menschen wirkt. Diese Rauchwolken verteilen sich bereits über einen Großteil der USA und sind sogar bereits über den Atlantik nach Europa gezogen. Die Feuer haben an der Westküste mehr Flächen zerstört als je zuvor. Auch die Zahl der Opfer steigt. Bereits 29 Todesopfer vermeldeten die Behörden und weitere zwölf Menschen werden noch vermisst.

Rauch verteilt sich in der Atmosphäre

Klar zu sehen, ist die Rauchwolke, die sich von der Westküste aus über die USA und den Pazifik ausbreitet.
Klar zu sehen, ist die Rauchwolke, die sich von der Westküste aus über die USA und den Pazifik ausbreitet. © NASA-EOSDIS

Während die Waldbrände an der Westküste der Vereinigten Staaten weiter wüten und hunderttausende Menschen zur Flucht bewegt haben, tut sich ein weiteres Problem auf. Die Luftverschmutzung durch den Rauch ist mittlerweile so hoch, dass Behörden vor Gesundheitsschädigungen warnen. So wurde in San Francisco den sogenannten Spare-The-Air-Alert vermeldet. Der Alarm wird ausgerufen, wenn die Luftverschmutzung ein gesundheitsschädliches Niveau erreicht. Der Smog kann Asthma, Lungen- und Brustschmerzen auslösen sowie Bronchitis verschlimmern und die Lunge dauerhaft schädigen. Erst vor wenigen Tagen war der Rauch in San Francisco so dicht, dass sich der Himmel orange färbte und die Sonne nicht zu sehen war. Zwar sieht der Himmel über der US-Metropole mittlerweile wieder normal aus, trotzdem ist die Luftqualität noch sehr schlecht.

Rauch über Europa angekommen

Auch über Europa ist der Rauch bereits angekommen.
Auch über Europa ist der Rauch bereits angekommen. Besonders Sonnenauf- und -untergänge können farbintensiver sein. © NASA-EOSDIS

Nun breitet sich der Rauch in der Atmosphäre aus und wird vom momentan vorherrschenden Westwind über die USA über den Atlantik bis zu uns getragen. Dort sind die Partikel allerdings bereits so wenig, dass sie uns nicht mehr schädigen können. Welche Auswirkungen wir dadurch spüren können finden sie hier.

RTL-Meteorologe Björn Alexander erklärt: „Der Rauch und die Aschepartikel der Großfeuer im Westen der USA verteilen sich mit der atmosphärischen Zirkulation zuerst in Nordamerika und anschließend über den Atlantik bis zu uns nach Europa. Hier ist die Konzentration natürlich sehr gering, kann aber durchaus Auswirkungen haben. Bei schönem und klaren Wetter wie wir es derzeit haben, führen die feinsten Partikel beispielsweise dazu, dass sich die Sonnenauf- und -untergänge deutlich farbintensiver präsentieren.“

29 Todesopfer bisher

Bei den seit Wochen wütenden Waldbränden an der Westküste der USA sind laut Medienberichten bis Samstag mindestens 29 Menschen gestorben. Der Fernsehsender NBC berichtete von 20 seit Mitte August bestätigten Toten im Bundesstaat Kalifornien, acht Opfern in Oregon und einem in Washington. In den drei Staaten entlang der Küste waren zudem Dutzende Menschen als vermisst gemeldet, lokale Behörden befürchteten weitere Todesopfer.

Zehntausende Menschen mussten auf der Flucht vor den Flammen bereits ihre Wohnungen verlassen, Hunderttausende sind allein in Oregon angewiesen, sich zumindest auf eine Evakuierung vorzubereiten. Laut „New York Times“ war in den vergangenen Wochen eine Fläche von umgerechnet rund 20.200 Quadratkilometern Waldgebiet abgebrannt, in etwa die Fläche von Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt.

Evakuierungswarnstufe gelockert

Zehntausende Feuerwehrleute kämpften am Samstag weiter gegen die Waldbrände. An einigen Orten stabilisierte sich die Lage etwas. Im Bundesstaat Oregon wurden laut der Zeitung „The Oregonian“ die Evakuierungs-Warnstufen in einigen Gebieten gelockert. Dort und in Kalifornien hofften die Behörden auf eine Entspannung durch günstige Winde und möglichen Regen. 

„Mir bricht das Herz um meinen wunderbaren Staat“, schrieb Oregons Senator Jeff Merkley am Samstag auf Twitter zu Bildern von abgebrannten Häusern. „Dies ist die Verwüstung, die ich heute sehe, hinterlassen von diesen nie gesehenen Waldbränden. Straßenzüge von Häusern und Geschäften, Hoffnungen und Träume, Geschichte und Zukunft, alles dezimiert.“

Trockenheit beschleunigte Brände

A commercial aircraft is seen as smoke from wildfires covers an area at the Portland International Airport, in Portland, Oregon, U.S., September 12, 2020. REUTERS/Carlos Barria
Ein Flugzeug ist am Portland International Airport vor dem Start in Rauch der Waldbrände eingehüllt. © REUTERS, CARLOS BARRIA, ANF/

In diesem Jahr waren in Oregon laut „New York Times“ wegen großer Trockenheit besonders die Böden im Nordwesten des Staates ausgedörrt, wodurch die Brände auch in Regionen vordringen, die typischerweise nicht von Feuern betroffen sind. In Oregon kamen die Brände am Samstag auch der Großstadt Portland nahe. Laut der Datenbank IQAir war sie weltweit die Stadt mit der größten Luftverschmutzung. Auch auf CNN hatten Ärzte berichtet, dass die Luftqualität in vielen Städten ein gesundheitsschädliches Niveau erreicht habe. 

Waldbrände lodern in einem Dutzend Staaten im Westen der USA, darunter in Utah, Wyoming, Arizona, Colorado oder Idaho, wie die Bundesbehörde National Interagency Fire Center mitteilte. Rund 29.000 Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte kämpfen laut der Behörde in der gesamten betroffenen Region gegen die Flammen an.

Klimakrise verschärft Wetterextreme

11.09.2020, USA, Talent: Desiree Pierce sitzt weinend in den Trümmern ihres Hauses, das bei den verheerenden Waldbränden in den USA durch das sogenannte Almeda-Feuer zerstört wurde. Im US-Bundesstaat Oregon sollen zuletzt mehr als 40 Brände gelodert
Desiree Pierce sitzt weinend in den Trümmern ihres Hauses, das bei den verheerenden Waldbränden in den USA durch das sogenannte Almeda-Feuer zerstört wurde. Im US-Bundesstaat Oregon sollen zuletzt mehr als 40 Brände gelodert haben. © dpa, John Locher, mka abl

„Wir befinden uns in einer Klimakrise“, hatte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom am Freitag bei einem Ortsbesuch in den ausgebrannten Wäldern nahe der Ortschaft Oroville erklärt. Viele Wissenschaftler hätten diese Entwicklung schon vor Jahren vorausgesagt.

Es gilt unter Wissenschaftlern als sicher, dass die Klimakrise Trockenheit, Hitze und Wetterextreme verschärft, die zu heftigeren Waldbränden beitragen. Schon jetzt zählen sechs der derzeitigen Brände zu den 20 größten in der Geschichte Kaliforniens seit Beginn der Aufzeichnungen um 1930.