Unter minus 50 Grad - kalt, kälter, Sibirien

Dass es in Sibirien einen langen und harten Winter gibt, das ist ganz normal. So erleben die Menschen hier gerne mal über 9 Monate eine geschlossene Schneedecke. Für Frühling, Sommer und Herbst bleiben somit oft nur noch 3 Monate. Doch in diesem Jahr hat die Eiseskälte schon ungewöhnlich früh die Krallen ausgefahren. Direkt mehrfach ging es in dieser Woche runter auf unter minus 50 Grad. Werchojansk vermeldete beispielsweise um die minus 52 bis minus 54 Grad.

Minus 54 Grad - Kann man da überhaupt noch raus?

Werchojansk ist nicht groß. Hier leben nur knapp 1300 Menschen. Doch auch diese Menschen müssen von Zeit zu Zeit sicherlich raus ins Freie. Unvorstellbar - könnte man zumindest denken. Jedoch kann einer unserer RTL-Meteorologen aus eigener Erfahrung sprechen. Carlo Pfaff, der selber schon für 14 Monate auf der Georg-von-Neumayr-Station in der Antarktis gelebt hat: „Wir haben in dieser Zeit Tiefstwerte von minus 46 Grad erlebt. Und solange es windstill ist, kann man es dick eingepackt sogar halbwegs aushalten. Das ändert sich aber, wenn auch nur das kleinste Lüftchen weht, dann drohen rasch Erfrierungen an ungeschützter Haut. Und dann wird es eben auch in kürzester Zeit lebensbedrohlich.

Kann die Sibirien-Kälte bis zu uns kommen?

Dass diese extreme Eisluft aus Zentral- oder Ost-Sibirien direkt zu uns kommt, ist glücklicherweise ziemlich ausgeschlossen. Aber natürlich gibt es in strengen Wintern auch bei uns die trocken-kalten Luftmassen aus Osten mit eisigen Temperaturen. Nachts mit zweistelligen Minusgraden und tagsüber mit Dauerfrost. 

Oftmals gehen solche Wetterlagen mit einer Schwächung des Polarwirbels einher und kündigen sich glücklicherweise schon über längere Zeiträume an. Zumal die Luft aus Sibirien lange braucht, bis sie bei uns ist. Beispielsweise liegt die westsibirische Millionen-Stadt Novosibirsk rund 5000 Kilometer östlich von Berlin. 

14.12.2010, Feature, im Bild eine Frau die sich zum Schutz vor der Kälte und den frostigen Temperaturen mit Haube, Schal und Handschuhen eingemummt hat, EXPA Pictures © 2012, PhotoCredit: EXPA/ Erwin Scheriau |
Sibirische Kälte in Deutschland - auch das kommt vor. Dann aber meistens deutlich abgeschwächt. © picture alliance / EXPA/ Erwin S, EXPA/ Erwin Scheriau

Unter minus 35 Grad - auch Deutschland kann eisig sein

Im Winter 1929 muss die sibirische Kälte definitiv auch in Deutschland gewesen sein. Denn im Februar 1929 wurde der offizielle deutsche Kälterekord aufgestellt. Und zwar in Hüll/Wolnzach in Oberbayern. Inoffiziell gibt es sogar eine noch kältere Wetterstation. Nämlich am Funtensee im Süden Bayerns. Ein im Winter unzugängliches Hochtal, in dem sich die Kaltluft über längere Zeit ansammeln kann und es so im Dezember 2001 auf einen Tiefstwert von minus 45,9 Grad brachte. Auch das ist sagenhaft kalt, findet aber abseits der Zivilisation eben unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ganz im Gegensatz zu den sibirischen Regionen. Das Land ist zwar dünn besiedelt, aber die Wetterstationen sind häufig im Bereich von Städten und Ortschaften.

Keine minus 54, sondern nur noch minus 48 Grad

Derzeit ist es weniger eisig als zuletzt. Das sind allerdings in den kältesten Regionen weiterhin Werte von unter minus 45 Grad. Und auch die Temperaturprognose von Novosibirsk ist gemäßigter als in den letzten Tagen als es auf unter minus 20 Grad ging. Das Wochenende bringt dort nämlich „nur“ minus 14 Grad nachts und tagsüber um die minus 10 Grad. Erst ab Mitte der nächsten Woche wird es weniger eiskalt. Aus dem Dauerfrost geht es aber nicht mehr raus und außerdem fällt mit der weniger kalten Luft immer wieder Schnee.