Sturmtief 'Zeljko' zieht heran: Ein Toter in den Niederlanden

Mann erschlagen - Festivals abgesagt - Kirmes geschlossen

Ein schwerer Sturm mit Böen in Orkanstärke und Gewittern zieht aus dem Westen über Deutschland heran und hat erste Schäden angerichtet. Sturmtief 'Zeljko' fegte am Samstag über die Niederlande: Ein umstürzender Baum erschlug einen Autofahrer. Orkanartige Böen behinderten den Verkehr in weiten Teilen des Landes. Auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen kam es zu Störungen im Bahnverkehr. Schon am Freitag hatte es in Deutschland flächendeckend Regenfälle gegeben, zum Teil auch sehr ergiebig und mit Sturmböen.

Sturmtief Zeljko
Der Samstag stand im Zeichen des Windes: Viele Veranstaltungen wurden abgesagt. © dpa, Martin Gerten

Mehrere Großveranstaltungen wurden vorsorglich abgesagt. So wurde das Karlsruher Musik-Open-Air 'Fest' wegen eines Unwetters vorzeitig beendet. Die letzte Band schaffte nur noch den Anfang des Auftritts. Dann zogen dunkle Wolken heran, und das Festival wurde zum hörbaren Unmut des Publikums beendet. Gestartet war das Open-Air noch bei bestem Wetter. Wie die Veranstalter mitteilten, gab es keine Verletzten. Das THW pumpte bis tief in die Nacht Wasser ab. Das Wetter vermasselte auch Besuchern der Bregenzer Festspiele den Kulturgenuss: Auf der Bühne im Bodensee wurde eine laufende Aufführung der Puccini-Oper 'Turandot' abgebrochen.

In Dortmund wurde das 'Juicy Beats Festival' im Westfalenpark abgesagt. Es sei am Samstag mit orkanartigen Böen zu rechnen, sagte eine Sprecherin. Dazu könne es heftige Schauer geben. Vorsorglich wurde auch die größte Kirmes am Rhein in Düsseldorf wegen der Warnung vor schweren Stürmen gestoppt. Aus Sicherheitsgründen hätten sich die Veranstalter entschieden, Fahrgeschäfte und Bahnen vorübergehend zu schließen, um Besucher vor Gefahren zu schützen. In Köln wurde die Sportveranstaltung 'Women's Run' abgesagt. Die Verantwortlichen des traditionsreichen Libori-Festes in Paderborn verschoben den Beginn der mehrtägigen Kirmes. In Niedersachsen fiel das Musikfestival 'Wesermove' in Nordenham aus. Wegen heftiger Sturmböen haben die Fans von Roger Cicero auf den Auftritt des Jazzsängers beim Gießener Kultursommer verzichten müssen. Das für den Samstagabend geplante Konzert wurde wegen der Sturmböen abgesagt.

Die Bahn berichtete von Verzögerungen und Teilausfällen wegen umgestürzter Bäume und Astwerk auf den Gleisen. So waren Strecken im Münsterland und am Niederrhein vorübergehend gesperrt, Züge zwischen Rheine und Münster sowie Rees und Emmerich fielen aus. Vereinzelt werde ein Ersatzverkehr eingerichtet, sagte ein Sprecher. In Mülheim wurde ein Arbeiter verletzt, als offensichtlich durch den starken Wind eine an einem Kran hängende Last ins Schwingen kam. Sie krachte gegen die Fahrerkabine eines Radladers. Der darin sitzende Fahrer wurde schwer verletzt in eine Klinik geflogen.

In Hamburg-Francop geriet ein Reetdach durch Blitzeinschlag in Flammen. Die Feuerwehr rückte zunächst mit einem Zug aus, um insgesamt drei Menschen aus dem brennenden Haus zu retten, wie ein Polizeisprecher am Samstagmorgen sagte. Blitzeinschläge wurden auch aus Bayern und Baden-Württemberg gemeldet.

Es hat schon schwere Böen gegeben

Es ist das Tief Zeljko, das sich am Freitag vor der Bretagne gebildet hat und inzwischen als Sturmtief über Holland angekommen ist. Heftiger Wind fegte bereits über Sachsen-Anhalt. Auf dem Brocken im Harz wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 113 Kilometer pro Stunde gemessen, wie der DWD in Leipzig mitteilte. "An der niedersächsischen Nordseeküste könnte es zu Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometern kommen", warnte DWD-Meteorologin Jutta Perkuhn in Hamburg.

Es hat schon schwere Böen gegeben:

Oerlinghausen (NRW) 94 km/h

Siegen (NRW) 91 km/h

Stadthagen (NISA) 89 km/h

Unna (NRW) 89 km/h

Auf den Bergen:

Brocken/Harz 113 km/h

Feldberg/Schwarzwald 104 km/h

Weinbiet (RP) 98 km/h

Kahler Asten (NRW) 91 km/h

Gefahren:

Etwa ab Samstagnachmittag zog zwischen Münsterland und dem Schwarzwald das Hauptsturmfeld auf, in Schauern und Gewittern auch orkanartige Böen (bis etwa Tempo 115), zum Abend liegt der Schwerpunkt des Sturms dann über Niedersachsen und Schleswig-Holstein, nachts verlagert es sich Richtung Mecklenburg-Vorpommern und zur Ostsee. Auch hier sind verbreitet Sturmböen, in kräftigen Schauern speziell an der Küste auch orkanartige Böen dabei.

Auf den Gipfeln der westlichen und zentralen Mittelgebirgen sind sogar Orkanböen wahrscheinlich. Da die Vegetation um diese Zeit nicht auf Sturmtiefs vorbereitet ist, muss man davon ausgehen, dass einzelne Bäume umstürzen, da sie voll belaubt sind, und der Winddruck (anders als bei Gewitterböen) über längere Zeit andauert.

Hinweis: Auch für alle Openairs in diesem Gebiet, Gartenpartys etc. stellt der Sturm eine echte Gefahr dar!!

Am Sonntag nur noch an den Küsten (speziell Ostsee) 'normal' stürmisch, sonst überall ruhiger und gutes Grill-, Gartenparty-, openair-Wetter! Abends ziehen im Westen und Südwesten dichtere Wolken auf und bringen zeitweise leichten Regen.