Kältewellen durch Klimawandel

Schwacher Polarwirbel: Klimaforscher rechnen mit häufigeren Kältewellen

Der schwache Polarwirbel hält die Kälte nicht in der Polregion

-45 Grad in der Millionenmetropole Chicago: Die Menschen sollten ihre Häuser nicht verlassen, da die Haut innerhalb von Minuten gefährlich auskühlt und es sehr schnell zu Erfrierungen kommt - vor allem bei Wind. Mindestens 21 Menschen kostete die Kältewelle rund um die großen See im Norden der USA das Leben. Und offenbar müssen sich die US-Bürger dort an solche Phänomene gewöhnen: Klimaforscher rechnen in den kommenden Jahren mit häufigeren Kälteausbrüchen als Folge der Schwäche des Polarwirbels. 

Klimaforscher stellen Häufung der Kältewellen fest

(190201) -- CHICAGO, Feb. 1, 2019 (Xinhua) -- The Trump Hotel is seen alongside the frozen Chicago River in Chicago, the United States, Jan. 31, 2019. Chicago, the biggest city in the U.S. Midwest, was struck by the polar vortex with the minimum temp
Am Trump-Hotel ist der Chicago River zugefroren. © imago/Xinhua, imago stock&people

"Von Zeit zu Zeit kann die arktische Luft, die normalerweise wie eingezäunt auf dem Pol festsitzt, dort ausbrechen und auf die angrenzenden Kontinente wandern", sagte der Leiter des Bereichs Erdsystemanalyse beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Prof. Stefan Rahmstorf. Das passiere vor allem, wenn der sogenannte Polarwirbel schwach sei, zusammenbreche, sich umdrehe oder - wie jetzt - in zwei Teile zerbreche.

Eine Kältewelle hat derzeit weite Teile der USA im Griff, mehrere Menschen starben. Solche Kälteausbrüche bezeichnete der Forscher als ungewöhnlich, dies sei nach einer Datenauswertung des PIK aber in den vergangenen Jahrzehnten um ein Mehrfaches häufiger geworden. "Mehrere Studien gehen davon aus, dass das mit der schwindenden Meereisdecke auf dem arktischen Ozean zu tun hat, insbesondere auf der Barents-Kara-See", sagte Rahmstorf.

"Die schrumpfende Meereisdecke ist eine Folge der globalen Erwärmung und unserem Treibhausgasausstoß. Die Tatsache, dass der Polarwirbel häufiger und länger instabil wird, ist daher wahrscheinlich auch eine Folge der globalen Erwärmung", so der Professor.

Kälterekorde werden dennoch immer unwahrscheinlicher

Europa und Asien sind nach Angaben des Wissenschaftlers noch stärker und häufiger von Kaltluftausbrüchen aus der Arktis betroffen. "Hier sieht man sogar seit der Jahrtausendwende eine Serie besonders kalter Winter - allerdings nicht bei uns in Deutschland, aber weiter östlich mit Zentrum Sibirien", sagte Rahmstorf. "Es ist ein Phänomen, das wahrscheinlich durch die globale Erwärmung häufiger auftritt." 

Nach Einschätzung von Rahmstorf folgt daraus nicht unbedingt, dass eine so extreme Kälte häufiger wird, denn das Ganze passiere im Zusammenhang mit globaler Erwärmung: "Die absoluten Kälterekorde können heute nicht mehr so leicht gebrochen werden, sie brauchen dazu immer stärkere Anomalien der atmosphärischen Zirkulation, je wärmer das Klima wird."