Klima paradox
Schwacher Polarwirbel bringt mehr Winterkälte für Kontinente

Trotz der globalen Erderwärmung waren einige der letzten Winter im Nordosten der USA, in Europa und besonders in Asien ungewöhnlich kalt. Im krassen Gegensatz dazu hat sich die Arktis rapide erwärmt. Paradoxerweise stehen die beiden Phänomene wahrscheinlich im Zusammenhang miteinander.
Warme Arktis, kalte Kontinente
Wenn das Meereis nördlich von Skandinavien und Russland schmilzt, gibt der freigelegte Ozean mehr Wärme in die Luft ab. Das wiederum beeinflusst die Atmosphäre bis zu 30 Kilometer hoch in der Stratosphäre und bringt dadurch die Polarwinde durcheinander. Eine Abschwächung dieser Höhenwinde, die die Arktis umkreisen, begünstigt aber Kältewellen in den mittleren Breiten. "Im Winter ist die eiskalte arktische Luft normalerweise von starken, den Nordpol umkreisenden Winden mehrere zehntausend Meter hoch in der Atmosphäre eingeschlossen“, sagt Marlene Kretschmer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), leitende Autorin der Studie, die im Bulletin of the American Meteorological Society veröffentlicht wurde. Sind die Winde nur schwach ausgeprägt, kann die Kälte in die Umgebung ausbrechen.
Klimawandel kann auch mehr Kältewellen bedeuten

"Unsere neusten Ergebnisse bestätigen nicht nur den Zusammenhang zwischen schwachen Polarwinden und rauem Winterwetter, sondern auch wie sehr die beobachteten Kälteeinbrüche in Regionen wie Russland und Skandinavien von der Schwächung der Höhenwinde abhängen – nämlich sehr stark“, sagt Co-Autor Judah Cohen vom Atmospheric and Environmental Research/Massachusetts Institute of Technology (USA). "Verschiedenste Wetterextreme nehmen mit dem Klimawandel zu, und diese Studie bietet weitere Belege, dass dies auch Kältewellen einschließen kann.“ Die Auswirkungen sind in Asien und Europa stärker als in den USA. In einigen Regionen wie etwa Westsibirien wurde sogar insgesamt ein Abwärtstrend der Wintertemperaturen beobachtet.