Bäume umgeknickt, Bahn lahmgelegt

Orkantief Thomas fegte über Deutschland

Die Jecken in Köln haben sich von Sturm Thomas nicht bange machen lassen: Sie tanzten Thomas einfach weg. Doch dem Karnevals-Rivalen Düsseldorf hatte es schon die Stimmung verhagelt - nachdem ein Gerüst einstürzte, wurden dort alle Open-Air-Veranstaltungen am Donnerstag nach 16 Uhr aus Sicherheitsgründen abgesagt. Die höchsten Windgeschwindigkeiten gab es auf dem Brocken mit 157 km/h. Auf dem Fichtelberg wurden mehr als 140 km/h gemessen.

Die bisherigen Orkanböen-Spitzenreiter

Auch in dicht bewohnten Gebieten gab es heftige Böen, die Dachziegeln runterwirbelten oder Bäume umknickten: In Stadthagen in Niedersachsen wurden 117 km/h registriert. Dann folgen einige Stationen mit jeweils 111 km/h: Neuss, Borkum oder Neuharlingersiel in Ostfriesland.

Generell wirbelte Thomas einiges durcheinander: Flusspegel stiegen, Bäume wurden entwurzelt und Bahnstrecken lahmgelegt. In Dornhan in Baden-Württemberg verletzten sich mehrere Menschen leicht beim Einsturz eines Baugerüsts, wie die Polizei mitteilte. Vier Verletzte gab es bei einer Fastnachtsveranstaltung in Baden-Württemberg, bei der ein Podium umgeweht wurde. Ein siebenjähriges Mädchen und zwei 46 und 58 Jahre alten Frauen erlitten leichte Verletzungen, eine 56-Jährige kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Orkantief Thomas führt zu Flugausfällen.
Sturmtief Thomas: Flüge wurden sicherheitshalber abgesagt. © dpa, Danny Lawson, tba

Probleme gab es am Wuppertaler Hauptbahnhof, wie eine Bahnsprecherin sagte. Dort würden Züge zurückgehalten, weil ein Baum ins Gleisbett gestürzt sei. Ein ICE musste geräumt werden. Bei Aachen stürzte ein Baum auf einen Thalys-Zug. Auch am Dortmunder Bahnhof und auf mehreren Strecken in Nordrhein-Westfalen konnten zwischenzeitlich keine Züge fahren. Sperrungen gab es auch nahe Frankfurt am Main, in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein.  

In Köln, wo die Rettungskräfte ohnehin wegen der Karnevalsfeiern im Großeinsatz waren, zählte die Feuerwehr am Abend bereits mehr als 150 Einsätze. Meistens ging es um umgestürzte Bäume oder heruntergewehte Dachziegel. In Bonn wurde wegen der Sturmwarnung eine Karnevalsparty auf dem zentralen Münsterplatz abgesagt. In Düsseldorf beendeten die Karnevalisten wegen des schlechten Wetters ihr Bühnenprogramm zu Altweiber vorzeitig. In Berlin sollen die Anlagen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten an diesem Freitag vorsorglich geschlossen bleiben.

Video: Erste Schäden durch Sturmtief 'Thomas'

Thomas nicht so stark wie Kyrill und Lothar

Das Sturmtief Thomas wird allerdings im langjährigen Vergleich voraussichtlich kein herausgehobener Spitzensturm. Nach den Daten der Georisiko-Spezialisten beim Münchner Rückversicherungskonzern MunichRe seien die für Deutschland erwarteten Böen von bis zu 110 Kilometer pro Stunde bei weitem nicht so stark wie Lothar 1999 und Kyrill 2007, die schwersten Winterstürme der jüngeren Vergangenheit.