Olis Klimablog: RWE argumentiert sehr seltsam in der Braunkohlefrage

Bergheim, DEU, 25.09.2018 Greenpeace - Projektion RWE luegt auf einen Kuehlturm des Kraftwerks Niederaussem. Das Braunkohlekraftwerk Niederaussem, ein von der RWE Power AG mit Braunkohle betriebenes Grundlastkraftwerk in Bergheim-Niederaußem (Rhein-E
Eine Projektion von Greenpeace, die RWE der Lüge bezichtigt. © imago/CoverSpot, Bernd Lauter, imago stock&people

Blog vom 25. September 2018: Die Scheinargumente von RWE - Ein Gastbeitrag von Christoph Scheel

Wenn man der Argumentation der RWE Glauben schenkt, sorgt sie sich vor allem um die Energieversorgung im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Und genau deshalb müsse auch unbedingt weiter Braunkohle abgebaut und der Hambacher Forst gänzlich gerodet werden. Immerhin könnten sonst 15% des Energiebedarfs in NRW nicht gedeckt werden. Sollten wir uns also nicht bei der RWE bedanken für den selbstlosen Einsatz für die Gemeinschaft?

Wer sich gerne verschaukeln lässt, sollte dies tun. Alle anderen sollten den Widerstand gegen die Rodung des Hambacher Forstes stattdessen intensivieren. Denn die Argumente der RWE sind falsch. 2015 hatte NRW einen Energieverbrauch von insgesamt 119 Terawattstunden (TWh). Die RWE allein produziert aktuell eine Gesamtleistung von 202 TWh. Davon 74 TWh aus Braunkohle. Würde sie die Braunkohleverstromung sofort einstellen, könnte sie noch immer allein den gesamten Bedarf von NRW abdecken - ohne Braunkohle. Und es bliebe noch ein Puffer für den Fall, dass der Gesamtbedarf in den letzten Jahren gestiegen sein sollte. Und sollte sich tatsächlich eine Bedarfslücke auftun, dürfte diese recht einfach zu schließen sein. Immerhin exportiert Deutschland aktuell 55 TWh mehr als importiert werden. Ein zunehmender Anteil davon ist übrigens Strom aus regenerativen Quellen.

Warum also ist die RWE so erpicht auf den Braunkohleabbau? Da dürfte es wohl in erster Linie um Profit gehen. Wie sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz letzte Woche bei Maybrit Illner: "Da liegen noch für viele Milliarden Braunkohle." Der Stromhandel läuft außerdem zunehmend über die Europäische Energiebörse (eex) in Leipzig. Hier decken sich vor allem Unternehmen mit großem Energiebedarf ein. Und hier läuft das Massengeschäft. Der Preis resultiert ganz klassisch aus dem Verhältnis Angebot zu Nachfrage. Da es in Deutschland aber nur vier Erzeuger gibt, die nennenswerte Mengen einspeisen, können diese Erzeuger den Preis allein dadurch stark beeinflussen, dass Sie Mengen reduzieren oder erhöhen. RWE gehört zu diesen vier Erzeugern, neben E-on, Vattenfall und EnBW. Dabei dürfte sich RWE nicht nur dumm, sondern dumm und dämlich verdienen. Darüber wie hoch die Gewinnmarge aus der Braunkohleverstromung ist, kann man nur spekulieren. Auf jeden Fall so hoch, dass RWE diese Zahlen lieber nicht veröffentlicht. Und die RWE muss auf die Erzeugung setzen. Denn der künftig lukrativste Teil der Stromversorgung, die Netze, verkauft RWE gerade an seinen Konkurrenten E-on. Wie dumm kann man sein?

Bleiben noch die Arbeitsplätze. 9.000 sind angeblich gefährdet, wenn keine Braunkohle mehr verstromt wird. Das ist natürlich tragisch und es muss nach vernünftigen Lösungen für die betroffenen Menschen gesucht werden. Aber RWE muss sich auch fragen lassen, was sie mit den Subventionen gemacht hat, die seit Jahrzehnten dafür gezahlt werden, dass man Arbeitsplätze aus dem Kohlebergbau in andere Bereiche überführt. Offensichtlich ist dies nicht in ausreichendem Maße erfolgt. Die Verantwortung dafür tragen RWE und die Politiker, die nicht kontrolliert haben, was mit den Subventionen passiert. Dieses Argument jetzt ins Feld zu führen, um zusätzlich die Umwelt der Menschen unnötig zerstören zu können, ist schäbig. Der Weg muss lauten, den Menschen zu helfen ohne den Hambacher Forst zu roden.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zur Politik. Die NRW-Landesregierung hat dafür gesorgt, dass die RWE das Recht zur Abholzung des Hambacher Forstes hat. Jetzt stehen dieselben Leute da und bedauern, dass man rechtlich keine Handhabe gegen RWE habe und deren Rechte mit Polizeigewalt durchsetzen müsse. Für dieses Verhalten ist schäbig ein viel zu harmloses Wort. Verlassen wir uns also nicht auf die Politik.

Gastbeitrag: Christoph Scheel hat mehrere Jahre in der Energiebranche gearbeitet, darunter fünf Jahre bei der EnbW. 

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Blog vom 18. September 2018: Die Art und Weise, wie die Politik mit der Räumung des Hambacher Waldes vorgeht, wirft viele Fragen auf

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Oliver Scheel ist Freier Journalist und arbeitet für Wetter.de. Er setzt sich deshalb für den Klimaschutz ein, weil er keine Lust darauf hat, dass alles vor die Hunde geht.

Im Hambacher Wald wird weiter geräumt. RWE scheint wild entschlossen, die Rodungssaison 2018 nicht wieder verstreichen zu lassen, sondern die kümmerlichen Reste des einst stolzen Hambacher Waldes zu roden. Bis zum 1. Oktober könnten alle Baumhäuser im Wald Geschichte sein und dann kommen die Sägen. Die Art und Weise, mit welcher Vehemenz dieser Einsatz durchgeführt wird, wirft aber viele Fragen auf.

Warum verbrennen wir im Hochtechnologieland Deutschland im 21. Jahrhundert immer noch schmutzige Braunkohle? Warum holzen wir, obwohl wir um den enormen Wert unserer Wälder wissen, weiter ab? Warum lässt man RWE gewähren, obwohl die Kohle-Kommission derzeit tagt? Was ist von einer Kommission überhaupt zu erwarten, die aus dem Wirtschaftsministerium geführt wird? Wieso sind in der Leitung der Kommission mit Matthias Platzeck und Stanislaw Tillich zwei bekennende Kohlebefürworter? Wo sind eigentlich die Politiker, die aus ihrem Elfenbeinturm in der Düsseldorfer Staatskanzlei die Demonstranten verteufeln? Wo ist NRW-Innenminister Herbert Reul, der die Aktivisten in die Nähe der G20-Randalierer aus Hamburg rückte? Was ist Ina Scharrenbach eigentlich für eine NRW-Heimatministerin, wenn sie die Heimat wegbaggern lässt? Wie viele Windräder hätte man für die Kosten des Polizeieinsatzes schon bauen können?

Würden sich die Reuls und Scharrenbachs mal auf den Weg nach Buir machen, würden sie sehen, dass aus allen gesellschaftlichen Schichten Menschen gegen diesen Irrsinn eintreten. Aus wirklich allen. Dörflich, urban, jung, alt, aus Initiativen, Parteien, Verbänden und Familien. Die Politik verspielt gerade sehr viel Kredit. Entweder sind die Damen und Herren wirklich der Welt entrückt oder sie kneifen einfach die Augen zu und hoffen, dass der Spuk bald vorbei ist. Doch der wird nicht vorbei gehen. Das Thema Klimaschutz ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und es werden täglich mehr Bürger, die sich die Unverantwortlichkeiten der Politik nicht länger bieten lassen wollen. Nur hat das die Politik scheinbar immer noch nicht begriffen.        

Mittlerweile weiß man: Die Verstromung von Braunkohle verursacht enorme Kosten, die nicht im Strompreis enthalten sind, sondern die stattdessen von der Gesellschaft getragen werden müssen. Besonders genannt werden muss an dieser Stelle der Gesundheitsbereich, denn außer dem CO2 werden Feinstaub, Quecksilber und andere Schadstoffe in die Atmosphäre geblasen, die Menschen noch in 1.000 Kilometer Entfernung nachweislich krank machen. Zudem muss die öffentliche Hand Teile der Umsiedlung der Menschen bezahlen und es gibt nichtquantifizerbare Kosten wie psychosoziale Kosten der Umsiedlung und den Verlust von Bodenvielfalt und Bio-Diversität.

Dass die Demonstranten am Hambacher Tagebau so kriminalisiert werden, ist ein ganz trauriges Zeichen. Schließlich kämpfen sie auch für die Gesundheit und die Atemluft von Politikern, RWE-Managern und deren Kinder.  

Blog vom 11. September 2018: Die Politik muss den Klimawandel als Gesellschaftsproblem endlich erkennen

Olis Klimablog: RWE argumentiert sehr seltsam in der Braunkohlefrage
Landwirtschaft auf kargen Böden in Afrika. Der Klimawandel macht Ackerbau wegen andauernder Trockenheit und verheerenden, aber kurzen Regenfällen zunehmend schwieriger. © dpa, epa Hrusa

In Deutschland diskutieren wir seit Monaten nur über ein Thema: Migration. Innenminister Horst Seehofer glaubt sogar, dieses Problem sei "die Mutter aller Probleme". Leider wird in dieser Debatte nur allzugern ausgeblendet, warum die Menschen fliehen. Niemand verlässt freiwillig seine Heimat. Krieg, Hunger, Perspektivlosigkeit, das Leben in korrupten Regimen und in Diktaturen, die keine freie Meinung dulden, das alles sind Fluchtgründe. Doch ein Fluchtgrund entwickelt sich gerade erst und wird in diesem Jahrhundert zu einem bestimmenden Thema: Es ist der Klimawandel.

Meist ist es eine Summe verschiedener Faktoren, die die Menschen schlussendlich in die Flucht treibt. Doch der Klimawandel nimmt dabei immer mehr eine tragende Rolle ein. Selbst beim Ausbruch des Syrien-Kriegs 2011 trug eine jahrelange Dürre im Vorfeld der "Arabellion" zur Verschärfung der Lebenssituation der Menschen bei. Die Häufigkeit von schweren Dürren nimmt weltweit zu. Schlechtes Boden-Management, die Verdrängung von Kleinbauern, die Errichtung von Monokulturen, das alles sind Faktoren, die zusätzlich zum Klimawandel die Ernten vermiesen. Wenn dann noch eine Regenzeit ausbleibt oder die Regenschauer seltener, aber dafür viel intensiver fallen, dann stehen Tausende Familien, die ohnehin schon von der Hand in den Mund leben, schnell vor dem Nichts.

Und dann? Dann werden Menschen zur Flucht genötigt. Die meisten bleiben bei ihrer Flucht Binnenmigranten, das heißt, sie verlassen ihr Land nicht, sondern ziehen in die Städte oder zu Verwandten. Deshalb liegen einige der größten Städte der Welt wie Lagos in Nigerias mittlerweile in Entwicklungsländern. Nur ein Bruchteil der Menschen macht sich tatsächlich auf nach Europa. Wenn Innenminister Seehofer aber nun die Grenzen schließen will, um die aufgebrachten Gemüter hierzulande zu besänftigen, dann ändert das nichts am Problem. Denn die Grenzen zu schließen ist ein Herumdoktern an Symptomen, bekämpft aber nicht die Fluchtursache.

Daher ist es im Interesse aller Menschen, wenn die Politik den Klimawandel als großes Problem unserer Zeit endlich erkennt und ernst nimmt. Aus dem Klimawandel resultieren viele weitere Probleme. Wir müssen endlich verstehen, dass die Ressourcenausbeutung so nicht weitergehen darf, dass die Konsumspirale beendet werden muss, dass unendliches Wachstum auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen schlichtweg nicht möglich ist. Naturvölker haben das schon lange begriffen. Wann schaffen wir das? Viel Zeit haben wir nicht mehr. 

Blog vom 1. September 2018: Das Festhalten an der Braunkohle ist Unsinn - und der Hambacher Wald muss trotzdem sterben

Olis Klimablog: RWE argumentiert sehr seltsam in der Braunkohlefrage
Obwohl die Kohle-Kommission noch tagt bereitet sich RWE auf die Rodung des Hambacher Walds vor. Politik der vollendeten Tatsachen.

Im Mittelalter gab es tausende Müller, Köhler und Schmiede. Das erkennt man schon allein an der Masse der Müllers, Köhlers und Schmieds, die noch heute mit diesem Namen leben. Doch den Beruf des Köhlers üben die wenigsten noch aus. Wir haben andere Methoden gefunden. So ist es auch mit der Braunkohle. Wir haben andere Möglichkeiten entwickelt, Energie zu produzieren. Wir müssen nicht mehr Braunkohle verfeuern und damit unser Klima erwärmen. Wir bauen heute auch keine Dampfeisenbahnen mehr und ziehen nicht mit Pferden in den Krieg. Warum verfeuern wir weiter Braunkohle?

Braunkohle schneidet bei den Emissionen besonders schlecht ab. Von den fossilen Enegieträgern ist es der ineffizienteste. Für eine Kilowattstunde Strom werden 1.150 Gramm CO2 in die Luft geblasen. Bei Erdgas sind es nur 370 Gramm, so das Bundesumweltamt. Außerdem sind Braunkohlekraftwerke sehr unflexibel. Man kann sie nicht einfach an- oder abstellen, wenn genügend Energie aus anderen Quellen vorhanden ist. Gaskraftwerke sind da wesentlich flexibler.

Und daher ist es wirklich erschreckend, dass auch die Reste des uralten Hambacher Walds den Braunkohlebaggern zum Opfer fallen sollen. Viele Wissenschaftler sind sicher, wir können die Braunkohle im Boden lassen. Die Energieversorgung sei auch so gesichert, sagt zum Beispiel der Wissenschatfler Norman Gerhardt vom Fraunhofer-Institut. Und hätte man den Ausbau der Erneuerbaren vonseiten der Politik nicht so eingebremst, wären wir in dieser Frage auch schon wesentlich weiter. Wir könnten ohne die Braunkohle sogar die von der Politik längst aufgegebenen Klimaziele 2020 erreichen.

Wir erleben hier ein Vorzeigestück von Lobbyarbeit. Wenn dann auch noch Andrea Nahles von den Braunkohlefreunden der SPD die Entscheidung über eine Rodung des Hambacher Walds dem Energiekonzern RWE überlässt, dann ist wohl endgültig klar, dass wir von der Regierung in dieser Frage nichts zu erwarten haben. Das Schlimme ist, dass die Kreissägen möglicherweise schon ab 1. Oktober kreischen und den Restwald zerhäckseln während die Kohlekommission noch tagt. Das ist eine Politik der vollendeten Tatsachen. RWE darf das einfach machen und die Politik hält still. Geld vs. Klima 1:0.       

Blog vom 23. August 2018: Eine neue Landwirtschaft brauchen wir - keine Zahlungen an Bauern

Der Sommer 2018 war so heiß und trocken, dass es in vielen Landstrichen Deutschlands, zum Beispiel in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordhessen, zu krassen Missernten kommt. Landwirtschaftliche Betriebe stehen vor dem Ruin und schreien nach Staatshilfen. Das ist ein natürlicher Reflex. Und: Die Landwirtschaft ist wichtig für uns alle, das ist ja klar.

Aber wussten Sie, dass die Bauern den Klimawandel selbst befeuern? Und zwar nicht zu knapp. Rund 13 Prozent der in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase kommen aus der Landwirtschaft. Vor allem das Methan, das die Rinder bei der Verdauung massenhaft ausdünsten, ist für unser Klima ein echter Killer. Es wirkt 23 Mal so stark auf die Atmosphäre wie CO2.

Darüberhinaus produzieren die Bauern Unmengen an Lachgas (N2O), das bei der Stickstoffdüngung freigesetzt wird. Eine Tonne Lachgas entspricht 300 Tonnen CO2-Äquivalenten! So sind die Bauern Teil des Klimawandels. 

Deshalb ist die Forderung von Grünen-Chef Robert Habeck, die Hilfen an Bedingungen zu knüpfen, abolut gerechtfertigt. Man kann nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt und wenn man dann heruntergefallen ist, einen neuen Baum verlangen. Die Landwirtschaft muss sich verändern. Weniger Tiere produzieren weniger Dünger und damit weniger Teibhausgase. Dann können auch mehr Flächen brach bleiben, weniger Wälder müssten gerodet werden und es entstünden mehr Freiflächen für Insekten und Feldblumen.

Wenn wir das schaffen wollen, müssen aber wir als Verbraucher den Bauern helfen. Denn es ist die Jagd nach dem Billigprodukt, die die Landwirte so massiv unter Druck setzt. Auch die Rückkehr zum Sonntagsbraten würde hier helfen. Einmal Fleisch in der Woche reicht völlig aus, das müssen wir endlich mal einsehen.

Dass ein Kurswechsel hin zu ökologischer und klimaorientierter Landwirtschaft her muss, haben nach diesem Sommer hoffentlich alle begriffen. Denn die Bauern für die Missernte zu entschädigen, behebt nicht die Ursache des Problems: Den vom Menschen gemachten Klimawandel. 

Bund greift hitzegeplagten Bauern unter die Arme
Bund greift hitzegeplagten Bauern unter die Arme Ernteausfälle durch Trockenheit 01:45

Blog vom 24. Juli 2018: Unwetter und Katastrophen überall - und wir machen einfach weiter wie immer

75 Tote in Griechenland, 41 Grad und damit eine Temperatur wie sie in Japan noch nie gemessen wurde, außer Kontrolle geratene Waldbrände in Schweden und Lettland, also im eigentlich kühlen hohen Norden Europas, hohe Plusgrade am Nordkap, die krasse Trockenheit in unseren Breiten. Dazu ein Tornado in den USA, ach, über den reden wir schon gar nicht mehr. Genausowenig wie über die 21 Toten durch die Taifune in Vietnam. In Bangladesch steht die nächste Katastrophe bevor, warnen die SOS-Kinderdörfer. Mehr als 100.000 Kinder befänden sich wegen des Monsuns in Lebensgefahr. Na, und?

Das hat es doch schon immer gegeben, sagen die, die die Augen vor der enormen Dynamik des Klimawandels verschließen. Ja, singulär hat es das ein oder andere Ereignis sicher schon einmal gegeben. Aber die Wucht und die Intensität der Krisen ist neu, genau wie das Ausmaß. Der Klimawandel ist da, er ist real und er greift mit beängstigender Kraft nach uns und unseren Leben.

Aber die Politik kennt derzeit nur das Thema "Flüchtlinge und Integration". Dabei verkennen unsere Staatenlenker sogar, dass der Klimawandel eine der Fluchtursachen ist. Und zwar eine, die in den kommenden Jahren enorm zunehmen wird.

Das Zeitfenster, den Klimawandel auf zwei Grad zu begrenzen, wird bald geschlossen sein. Vielleicht ist es schon geschlossen. Wenn sich unser Klima aber so drastisch verändert, wie es sich momentan andeutet, wird das für unser aller Leben einen heftigen Einschlag bedeuten. Wir steuern in Deutschland auf spanische oder wenigstens norditalienische Verhältnisse zu. Das heißt: wir brauchen mehr Stauseen, weil Flüsse trocken fallen werden, wir müssen vielleicht ganz andere Pflanzen anbauen. Das wird alles verheerende Kosten für unsere Wirtschaft erzeugen. Genau jene Wirtschaft, die derzeit in gemeinsamem Schaffen mit den europäischen Regierungen den Klimawandel schön auf die lange Bank schiebt. Einbußen im Tourismus, Einbußen in der Landwirtschaft, enorme Gesundheitskosten und horrende Ausgaben für die zu errichtende Infrastruktur für unsere Grundversorgung mit Wasser. 

Aber wir machen einfach so weiter als gäbe es kein Morgen. Und wir hinterlassen mit dieser Arroganz und Ignoranz unseren Kindern einen kaputten Planeten. Einfach, weil wir nicht einsehen wollen, wie schnell sich alles wandelt. Augen zu und ab in die Kimakatastrophe.

Blog vom 05. Juli 2018: Wie soll unser Klima so viele Flugzeuge vertragen?

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Eine Aufnahme von flightradar24.com an einem beliebigen Morgen in Europa. Ist dieses Aufkommen von Flugzeugen noch normal?

Haben Sie das Teaser-Bild erkannt? Das sind die in der Luft befindlichen Flugzeuge an irgendeinem Morgen über Mitteleuropa. Nehmen wir mal ein X-beliebiges Beispiel für einen innerdeutschen Kurzstreckenflug: Frankfurt - Leipzig. Es gibt mindestens sechs Direktverbindungen am Tag pro Richtung, dazu unzählige mit Umstieg. Teilweise mit so absurden Umstiegsorten wie Zürich. Frankfurt - Leipzig sind 370 km, mit dem Zug ist das in weniger als drei Stunden zu schaffen. Wieso fliegen Menschen - offenbar nicht wenige angesichts der Vielzahl an Verbindungen pro Tag - von Frankfurt nach Leipzig? Das ist nur EIN Beispiel. Ich könnte das mit 50 weiteren Städten machen und immer werden mir unsinnige Flugangebote angezeigt. Zum Beispiel sollte ich von Düsseldorf nach Leipzig über Mallorca fliegen.   

Nun, diese Angebote werden wahrgenommen, auch wenn ich mit dem Zug wesentlich schneller bin. Man muss ja auch bedenken, der Zug bringt mich direkt in die Innenstadt, das Flugzeug an irgendeinen Acker vor der Stadt. Aber wenn wir Bürger nicht sofort aufhören, solche Angebote anzunehmen, dann werden wir unsere Klimaziele niemals erreichen können. 

Es besteht massiver Handlungsbedarf: Laut einer Studie für das EU-Parlament wird der Anteil des Luftverkehrs am CO2-Ausstoß weltweit im Jahr 2050 etwa 22 Prozent betragen. Deshalb gehören Kurzstreckenflüge generell auf den Prüfstand. Die Airlines könnten mit der Bahn kooperieren anstatt zu konkurrieren. Ganz klar ist auch, dass Subventionen auf Flugbenzin abgeschafft werden müssen. Dann erledigen sich solche Kurztrips vielleicht ohnehin schon über den Preis.

Allein der innerchinesische Flugverkehr wird in den nächsten Jahren um die Menge zunehmen, die derzeit über Europa am Himmel ist! Dieser Wahnsinn muss aufhören. Und wenn die Politik schon nichts regelt, dann denken bitte Sie zweimal nach, wenn Sie Ihren nächsten Trip nach Hamburg oder Berlin planen. Der Zug tut's auch! Tut auch gar nicht weh. 

Blog vom 11. Juni 2018: Ja, sind wir denn eigentlich noch zu retten?

FILE - A picture made available 25 August 2014 shows the remains of a village destroyed by high tides on Sagar Island, about 100 kms south of Calcutta, eastern India, 19 August 2014. Reports state that the small island is disappearing due to erosion
Nur auf einem gesunden Planeten ist unser aller Überleben möglich. © dpa, Piyal Adhikary

Immer schneller dreht sich die Konsumspirale, wir brauchen Wachstum, mehr und stärker, damit es uns allen gut geht. Und tatsächlich geht es uns ja heute auch so gut wie nie zuvor. Die Lebenserwartung der Menschen steigt, trotz steigender Weltbevölkerung haben so viele Menschen wie nie Zugang zu sauberem Wasser und Toiletten. Nur: zu welchem Preis? Denn nachhaltig ist das Wachstum sicher nicht. Wird die Menschheit ihr selbst produziertes Wachstum überleben oder wird sie diesem Wachstum zum Opfer fallen? Eine ziemlich entscheidende Frage für unsere Spezies und Millionen anderer Tier- und Pflanzenarten.

Blicken wir auf ein paar ganz nüchterne Fakten: Die Menschheit wird weiter wachsen, bis 2050 auf etwa 10 Milliarden. Vielleicht pendelt sie sich bis zum Jahr 2100 auf 11 Milliarden ein. Wenn die Wirtschaftsleistung um jährlich 3 Prozent steigt, bedeutet das nicht mehr und nicht weniger als eine Verdreifachung der jetzigen Weltwirtschaft bis 2050! Welcher Planet soll dafür die Rohstoffe liefern? Welche Atmosphäre soll das CO2 aufnehmen? Dieses ganz einfache Rechenexempel zeigt, vor welch gigantischer Aufgabe die Menschheit steht.

Ganz abgesehen davon, dass die Mittelschicht weltweit gesehen wächst. Chinesen, Inder, Brasilianer - die Mittelschicht in vielen Schwellenländern wird künftig mehr Energie verbrauchen als heute. Nur welche Energie wird das sein? Wo kommt sie her, wo geht sie hin?

Schauen wir aufs Wasser: Von 1950 bis 2010 hat sich der Süßwasserverbrauch verdreifacht. Schon jetzt gibt es Konflikte um Wasser. Der Krieg im Südsudan ist nicht nur ein Krieg um Öl, es geht auch um das Wasser des Nils. Auch der Syrien-Konflikt hat sich in einem Jahr entzündet, als es Wasserknappheit gab. Der "Weltagrarbericht" berechnete, dass 40 Prozent des Agrarlandes von Erosion bedroht sind. Wie sollen wir zehn Milliarden Menschen angesichts dieser Faktenlage ernähren?

Ein "Weiter so" kann und darf es nicht geben. Der Wachstumsgedanke und die Ausbeutung der Ressourcen führen die Menschheit ins Verderben. JETZT ist die Zeit zum Umsteuern. Denn nur auf einem gesunden Planeten ist unser aller Überleben möglich.   

Blog vom 30. Mai 2018: "Auf einem toten Planeten gibt es keine Arbeitsplätze."

Olis Klimablog: RWE argumentiert sehr seltsam in der Braunkohlefrage

Wann bekommen wir endlich den Wachstumsgedanken aus den Köpfen der Menschen? Die Börsen brechen ein, wenn das Wachstum nicht die erhofften Prozente erreicht, alles ist immer auf Wachstum ausgelegt. Es kann aber nicht alles ewig so weiter wachsen. Das muss doch eigentlich allen klar sein. Schon Ende März hatten wir in Deutschland die Summe an CO2 rausgeblasen, die wir im gesamten Jahr ausstoßen dürfen, wollen wir die Pariser Klimaziele erreichen. Wollen wir aber nicht. Wachstum ist wichtiger, die Wirtschaft muss brummen. Dann haben wir alle Arbeit und alle sind zufrieden. So geht die Rechnung in unserem System.

Deutschland hatte seine Ressourcen für 2018 aber bereits am 1. Mai verbraucht. Das heißt, wir leben die restlichen acht Monate des Jahres auf Kosten der zukünftigen Generationen. Wir entnehmen der Erde Ressourcen, die wir ihr nicht entnehmen dürfen, wenn wir unser Leben nachhaltig gestalten wollen - wir beuten aus. Wir tun also so, als hätten wir drei Erden zur Verfügung. Damit es mit dem Wachstum und den Arbeitsplätzen klappt. Was für ein Unsinn!

Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes, sagte einmal den schönen und zutreffenden Satz: "Auf einem toten Planeten gibt es keine Arbeitsplätze." Leuchtet ein, oder? Aber scheinbar will der Mensch lieber reich auf einem verdreckten Planten sterben als weniger reich ein sinnvolles Leben zu führen. 

Zufriedenheit hängt auch gar nicht von Besitz ab, das müssen wir endlich mal verstehen. Vielleicht hilft uns dabei ein Bonmot des bekannten Wachstumskritikers Tim Jackson: "Ich werde dazu gedrängt von Geld, das ich nicht habe, Dinge zu kaufen, die ich nicht brauche, um Menschen zu imponieren, die mir egal sind."  

Versuchen wir es doch einfach mal, mit weniger zufrieden zu sein. Das ist auch gar kein so neuer Gedanke. Schon der griechische Philosoph Epikur wusste ungefähr 300 Jahre vor Christus: "Reich ist man nicht durch Besitz, sondern durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß." 

Blog vom 09.05.2018: Den Klimawandel bekämpft man nicht mit Geld

Australien ist nicht gerade ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Das Land setzt immer noch voll auf die Verbrennung der klimaschädlichen Kohle. Bei deren Verstromung werden Unmengen CO2 freigesetzt, was wiederum den Klimawandel befeuert. Aber Australien präsentiert sich gern als Land mit großem touristischen Potenzial. Der vielleicht größte Schatz der 'Aussies' ist das Great Barrier Reef. Aber das ist akut bedroht. Die Korallenbleiche hat weite Teile des größten Korallenriffs der Erde absterben lassen. Weil das Wasser zu warm ist für die Korallen, weil die Ozeane übersäuern wegen des hohen CO2-Gehalts in der Atmosphäre. 

Der Tod der Korallen steht also eindeutig in direktem Zusammenhang mit der Kohle-Verstromung. Das ist nicht so schwierig zu erkennen. Nun haben die Australier erkannt, dass es nicht gut ist, wenn ihre größte Tourismus-Perle stirbt. Von der Attraktion hängen nämlich 64.000 Jobs ab, sagte Umweltminister Josh Frydenberg. Da müsse also was getan werden. Aber was machen sie? Als gute Kapitalisten beenden sie nämlich nicht das Kohlezeitalter, sondern sie glauben, man könne das Riff mit Geld retten. 

Rund 500 Millionen australische Dollar (312 Mio. Euro) sollen für die Regenerierung und den Schutz des Ökosystems aufgeboten werden. Damit wolle man die geschädigten Korallenriffe wieder herstellen, die Wasserqualität verbessern sowie  - Achtung - die aggressiven Seesterne bekämpfen. Die Seesterne sind also schuld. 

Im gleichen Atemzug plant unweit des 2.300 Kilometer langen Riffs der indische Konzern Adani für 10,6 Milliarden (!) Euro eines der größten Kohlebergwerke der Welt. So werden die Korallen weiter sterben, weil die Meere sich weiter erwärmen und weil der CO2-Gehalt der Atmosphäre steigt. Mit 300 Millionen Euro hält man den Klimawandel nicht auf, liebe Australier. Wie töricht ist der Mensch, dass er das glaubt? Geld ist und bleibt scheinbar sein Allheilmittel. Den Klimawandel hält man aber mit Geld nicht auf, sondern nur mit einer krassen Abkehr unseres derzeitigen Lebensmodells. 

Der wahre Wert des Great Barrier Reefs ist etwas ganz anderes als 64.000 Jobs. Nämlich eine sagenhafte Vielfalt, eine einzigartige Natur. Das werden die Australier erst bemerken, wenn es tot ist.

Australien will Great Barrier Reef retten
Australien will Great Barrier Reef retten 312 Millionen Euro für den Umweltschutz 01:37

Blog vom 22. April 2018: Wieso "droht" eigentlich ein Fahrverbot?

Es ist schon interessant, die aufgeladene Diksussion zu verfolgen. Immer "droht" ein Fahrverbot in den Städten. Das müsse unbedingt vermieden werden. Aber wieso droht das überhaupt? Das Fahrverbot droht doch nicht, das Fahrverbot hilft uns. Es hilft, die schlechte Luft in den Städten zu bekämpfen. Die schlechte Luft, die Menschen tötet. 

Wenn man also fragt, was unserer Regierung wichtiger ist, gesunde Menschen oder gesunde Automobilkonzerne, dann lässt das nur einen Schluss zu: Der Regierung ist es wichtiger, dass es den Konzernen gut geht. Dass wir von Stickoxiden krank werden, spielt eine untergeordnete Rolle. Das hat die Regierung im Verbund mit Autoindustrie, Lobbyisten und Medien gut hingekriegt. Die Menschen, die sich für saubere Luft einsetzen, kriegen den Schwarzen Peter zugeschoben.

Würde man die Verkehrskonzepte mal konsequent durchdenken und nicht nur der Industrie nach dem Maul plappern, könnte man aus Städten richtige Oasen machen. Große Plätze wären zur Erholung da, nicht zum Parken. Baumbestand würde die Betonwüsten aufhübschen, es wäre Platz für breite Radwege. Dazu aber müsste der Personennahverkehr ausgebaut werden, Steueranreize für Fahrgemeinschaften geschaffen werden, die Krankenkassen Boni ausschütten für Menschen, die große Distanzen mit Rad oder Pedelec fahren. Es gibt all diese Ideen, was aber tut die Regierung? Sie legt ein neues Konjunkturprogramm für die Autoindustrie auf. Jetzt kaufen wir alle fleißig Benziner und verschrotten die Diesel-Fahrzeuge, die eigentlich noch in Top-Zustand sind. Die Natur ächzt unter dieser Ressourcenvergeudung und VW und Mercedes heimsen Rekordergebnisse ein, anstatt alternative Antriebe zu entwickeln.

Und wissen Sie, was schon passiert ist? Nach jahrelangem Rückgang sind die CO2-Emissionen bei Neuwagen im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Weil mehr Benziner verkauft werden und die höhere CO2-Emissionen als Diesel haben. Für das Klima ein Bärendienst. Und noch schlimmer: die nicht verschrotteten Diesel werden nach Osteuropa verscherbelt und stinken jetzt da fröhlich weiter. 2017 hat allein Bulgarien mehr als 100.000 Gebrauchtwagen importiert, darunter 35.000 Diesel. Prima hingekriegt haben wir das wieder.    

Blog vom 10. April 2018: Wir müssen die Konsumspirale stoppen

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Das wusste schon der große Dichter Hermann Hesse. Und es ist sicher keine Schande, wenn man sich diesen Schriftsteller zum Vorbild nimmt. Auch was unser Klima angeht. Denn so wie wir im Moment leben, können wir einfach nicht weitermachen. Deutschland hat sein Jahresbudget an CO2, das zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens nötig wäre, schon Ende März rausgehauen. Was für eine Breitseite!

Unser Lebensstil geht weit über das für die Erde verträgliche Maß hinaus. Kurz gesagt: Wir machen alles kaputt. Was wir für Luxus halten, ist für die Erde nichts anderes als ein Stich ins Herz. 

Wir können es uns nicht länger erlauben, jeden Morgen alleine in einer Blechkiste zu sitzen und von A nach B zu fahren. In Zeiten der Digitalisierung sind die meisten Business-Flüge innerhalb von Deutschland komplett unnötig. Es gibt Videokonferenzen, Telefonkonferenzen, Homeoffice, etc. Abgesehen davon bringt es keinen Zeitgewinn, wenn man von Köln nach Berlin fliegt. In der Summe ist der Zug genauso schnell.

Was wir tun müssen, ist aufzuhören mit diesem rasanten Leben. Shopping hier, Wochenend-Trip da, wir müssen einfach reflektierter leben. Was brauche ich wirklich? Das ist die zentrale Frage. Und wo kann ich mit wenig Zutun viel erreichen? Fahrgemeinschaften bilden zum Beispiel. Ist auch gut gegen den allmorgendlichen Stau.

Es ist immer leicht, gegen die Politik zu wettern, die leider nur im Dienste der Industrie agiert. Aber jeder von uns kann etwas tun. Und das ist mindestens gut fürs eigene Gewissen, aber auch für unseren Planeten. Es kann sogar Spaß machen, auf Dinge zu verzichten und wieder ein bisschen bewusster zu leben. Das entschleunigt nebenbei. Und wenn ich schon mit einem Spruch in das Blog starte, möchte ich auch mit einem enden: "Alles, was wir tun, hat Auswirkungen auf die ganze Welt". Das sagte der Dalai Lama und er hat verdammt recht damit...  

Blog vom 29. März 2018: Schon im März ist das CO2-Budget für 2018 aufgebraucht

Nach 87 Tagen hat Deutschland die Menge an CO2 ausgestoßen, die wir 2018 in die Luft blasen dürfen, wenn wir das Pariser Klimaabkommen tasächlich umsetzen wollten. Ganz offensichtlich wollen wir das nicht. "Klimakanzlerin" Angela Merkel hat das Wahlvolk mit den Klimazielen 2020 belogen, Wirtschaftsminister Peter Altmaier reiste ins Braunkohleland NRW und erzählte da, dass man keine Eile habe, aus der Kohle auszusteigen. 

Keine Eile, Herr Altmaier? Wir steuern auf die maximale Katastrophe unserer Zeit zu, nämlich die Unbewohnbarkeit des Planeten für unsere Spezies (und Millionen anderer Arten). Und täglich befeuern wir die am Horizont heraufziehende Katastrophe, indem wir ungebremst immer weiter fossile Brennstoffe in die Luft blasen. Herr Altmaier aber mahnt zur Besonnenheit. Die paar Euro kann die Wirtschaft doch noch mitnehmen, bevor wir der Kohle adieu sagen. Herr Altmaier wird die Katastrophe nicht mehr erleben und er hat ja auch keine Kinder. Gut für ihn. Unsere Kinder aber werden täglich mit der Klimakatastrophe konfrontiert werden. 

Millionen Menschen werden ihre Lebensgrundlage und ihren Lebensraum verlieren, Tausende werden im Mittelmeer auf ihrer Flucht in die vermeintliche Sicherheit sterben. Und in den Industrieländern werden Menschen in ihren Häusern ertrinken, ihr Hab und Gut verlieren oder im Sturm erschlagen werden. Das alles nimmt unsere Politik in Kauf.

Was ist das bitte für ein Signal, dass wir unser CO2-Budget sogar noch eine Woche früher als 2017 verblasen haben? Im März! Wir werden also dieses Jahr die vierfache Menge des Erlaubten in die Atmosphäre treiben. Wenn wir nur die Braunkohle-Kraftwerke abstellen würden, hätten wir noch die Chance auf Erreichung der Klimaziele. Und mir kann niemand erzählen, dass es der Regierung Merkel wirklich um die 20.000 Arbeitsplätze geht, die noch an der Kohle hängen. Es geht einfach nur ums Geld. Dafür werden Klimaaktivisten kriminalisiert und uralte Wälder abgeholzt. Das ist so unfassbar traurig. 

Blog vom 13. März 2018: 25 Prozent mehr Gehalt für all die Skandale

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, spricht am 24.02.2017 während einer Pressekonferenz im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung im Volkswagen-Werk in Wolfsburg (Niedersachsen). Foto: Swen Pförtner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Darf sich über 10 Millionen Euro 'Belohnung' für den Diesel-Skandal freuen: VW-Manager Matthias Müller. © dpa, Swen Pförtner, spf nic

Also wenn das geplant war, ist es wirklich genial. Man verstrickt das Unternehmen in einen Skandal nach dem anderen (Schummel-Software im Dieselskandal, Tests an Affen und Menschen, Verhinderung von Aufklärung) und am Ende des Jahres bekommt man ein paar Millionen mehr als im Jahr zuvor. Eine satte Gehaltserhöhung für all die Skandale. So geschehen im Fall VW in Person von Vorstandschef Matthias Müller. Der kassierte für seine "Leistung" mehr als 10,1 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es nur 7,25 Millionen Euro. Cool, so eine 25-prozentige Gehaltserhöhung für all das, was er den Bürgern einbrockte.

Aus Unternehmenssicht hat er natürlich einiges richtig gemacht. Mit unterm Strich 11,4 Milliarden Euro fiel der auf die Aktionäre entfallende Gewinn 2017 mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Und dank der hervorragenden Lobbyarbeit im Parlament sieht es ja auch sehr gut für die Autoindustrie aus, da sie die Kosten für die Umrüstungen im Diesel-Betrug nichtmal selbst zahlen muss. Da jubelt doch das Aktionärsherz. 

Wenn der neue Verkehrsminister Andreas Scheuer (aus dem BMW- und Audiland Bayern) die Pläne der Autoindustrie durchwinkt und die Kosten für den Diesel-Betrug auf die Bürger abwälzt, macht er sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit zum Kasper der Autobauer. Und er sendet ein verheerendes Signal: Die Autoindustrie darf weiterhin alles, weil sie ja so viele Arbeitsplätze bereithält. 

Die Bundesregierung weiß, dass jedes Jahr etwa 8.000 Menschen an verunreinigter Luft sterben. Sie hätte die Autobauer längst zum Umrüsten zwingen können. Und angesichts der satten Gewinne ist das Geld ja da. Es liegt allein am Gesetzgeber, hier hart reinzugrätschen. Die Bevölkerung hätte die Regierung sogar auf ihrer Seite. Aber was interessiert die Bundesregierung schon, was die Bevölkerung will? 

Blog vom 2. März 2018: Wer verzichtet, lebt nicht schlechter

ILLUSTRATION - ARCHIV - Ein Flugzeug startet am 09.03.2013 vom Flughafen Frankfurt (Hessen) in den Sonnenuntergang.    Foto: Daniel Reinhardt/dpa   (zu dpa "Trotz Pilotenstreiks: Mehr Passagiere starten von deutschen Flughäfen" vom 27.05.2015) +++(c)
Man muss nicht übers Wochenende wegfliegen, um sich wohler zu fühlen. Verzicht schadet niemandem. © dpa, Daniel Reinhardt

Meine Oma hat ihr gesamtes Leben kein Flugzeug bestiegen. Sie hat ihr Leben in der Rhön verbracht. Vielleicht war sie mal in Frankfurt. Aber aus Hessen raus hat sie es nie geschafft. Hat ihr deswegen etwas gefehlt? Ich glaube nicht. Natürlich ist es toll, im tristen November an einen traumhaften thailändischen Strand zu fliehen oder in Costa Rica Brüllaffen zu suchen.

Aber wofür machen wir das? Um auf Facebook damit vor Freunden zu prahlen, um unvergessliche Eindrücke zu gewinnen, um "sich einfach mal was zu leisten"? Weil "ich's kann"?

Die Möglichkeiten, solche Ausflüge aus dem normalen Leben heraus zu machen, bestehen und sie sind erstaunlich günstig. Zu günstig. Aber das ist ein anderes Thema. Worauf ich hinaus will, das ist die Frage, was man wirklich braucht, um glücklich zu sein. Natürlich hat jeder eine andere Definition von Glück, für den einen ist es vielleicht ein sehr guter Rotwein, für eine andere Ruhe, für einen Dritten etwas Zeit mit Freunden. Aber den Trip auf einen fernen Kontinent oder das Wochenende in Barcelona, das braucht man nicht. Man lebt nicht schlechter, wenn man das nicht macht.

Und darum geht es. Es geht darum, mit weniger zufrieden zu sein. Das ist nicht so schwer. Es geht auch darum, dass wir viele Dinge nicht mehr machen können, wenn wir das Leben aller, das Überleben unserer Art und zig Millionen anderer Arten sicherstellen wollen. Und das fällt natürlich leichter, wenn man sich verinnerlicht, dass es nicht schlimm ist, gewisse Sachen einfach nicht mehr zu machen.

Der private Verzicht ist ein Weg zu einem nachhaltigeren Leben auf unserem Planeten. Auf diesem einen Planeten, den wir zum Leben haben.

Leider ist Verzicht in unserem Wirtschaftssystem nicht vorgesehen. Im Gegenteil. Wer verzichtet, der schadet diesem System. Aber dieses System schadet etwas ganz anderem: Allen. Und deswegen bin ich für Verzicht. Und ich würde mich freuen, wenn ich nicht der Einzige wäre. Dann ginge es nämlich allen ein bisschen besser.   

Ältere Blogs: Was die Autoindustrie macht, stinkt mehr als Diesel-Abgase

Ich muss schon sagen, es stinkt langsam gewaltig. Auch ohne Diesel in der Luft. Was darf die Autoindustrie denn noch alles einfach mal so machen? Affenversuche, Menschenversuche, gesteuerte Fehlinformation. Da wird Geld in die Hand genommen, um eine dreckige Technologie reinzuwaschen. Und was tut die Politik? Die lässt über den unvermeidlichen Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten, die Kanzlerin sei "empört". Und die Autoindustrie müsse sich nun "kritische Fragen" anhören. Ooohh, kritische Fragen, da ziehen sie bei VW und Daimler aber mal schnell die Vorhänge zu. 

Es passiert doch eh wieder nichts. Thomas Steg, der Cheflobbyist (allein dieses Wort) hat seinen Rücktritt angeboten. Wie nobel. Er wurde beurlaubt und damit wurde das Thema wieder schön begraben. Und zwei Tage später jubeln die Aktionäre über die Daimler-Bilanz an der Börse und nehmen die schönen Gewinne gerne mit. Hurra. Unsere Arbeitsplätze sind gesichert, danke, Frau Merkel.

Anstatt, dass die Autokonzerne ihre Macht dafür einsetzen, nach alternativen Antrieben zu suchen, liegt ihr Hauptaugenmerk darauf, ihre schmutzigen Produkte als sauber zu verkaufen. Laut der Europäischen Umweltagentur EEA sterben in Europa jährlich rund 400.000 Menschen vorzeitig, davon mehr als 60.000 in Deutschland, an den Folgen des Feinstaubs. Stickoxide sind schädlich - vor allem für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma und Bronchitis. Aus Stickoxiden entstehen Feinstaub und Ozon. Das tötet. Wir regen uns über jeden Verkehrstoten auf, aber diesen schleichenden Tod nehmen wir einfach so hin? Fahrverbote sollen unbedingt vermieden werden. Warum eigentlich? Weil sie schlecht fürs Geschäft sind? Diese miese Doppelmoral, die unsere Politiker erfasst hat, ist unerträglich.

Und deshalb sage ich in Anlehnung an den vielbeachteten Essay des Widerstandskämpfers Stephane Hessel: "Empört euch". Denn es reicht nicht, wenn die Kanzlerin empört ist, das habe ich mittlerweile gelernt. Nur wenn wir Bürger uns empören, dann kann aus dieser Empörung Stärke und Engagement werden. Und dann müssen die Daimlers, VWs und BMWs vielleicht mal raus aus ihrer Komfortzone.       

Große Koalition legt Klimaschutz auf das verbliebene Eis

Es ist wirklich nicht zu fassen. Zehn Jahre lang redete Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Klimaschutz und ließ sich für ihre Ankündigung feiern, bis 2020 40 Prozent weniger CO2-Emissionen in die Welt zu blasen. Und jetzt? Jetzt will sie davon von heute auf morgen nichts wissen. Weil es um die Große Koalition geht, weil es um ihre nächste Kanzlerschaft geht. Der Klimaschutz kann doch wohl noch vier Jahre warten, bis Merkel vom Wähler endgültig in die Rente geschickt wird. 

Nein, kann er nicht. JETZT müssen wir handeln! Und wie fatal ist dieses Signal, dass da von den Sondierungen der SPD und der CDU/CSU ausgeht? Merkel ist am Ende auch nicht besser als Trump, der streng genommen ehrlicher ist als unsere Kanzlerin. Im Wahlkampf ist Klimaschutz bei ihr noch ganz wichtig und nun muss sie mit der SPD regieren und dann ist das plötzlich alles nicht mehr so wichtig. Die SPD, unsere älteste Partei und seit Jahren im Sinkflug, benimmt sich leider auch wie der letzte Dinosaurier der Politik. Die Sozis halten wegen ihrer alten Wählerklientel immer noch an der Braunkohle fest, die erwiesenermaßen die schlechteste Energieform für die Umwelt ist. Dass die Roten selbst für die meisten Menschen im Revier schon lange nicht mehr wählbar sind, zeigte eindrücklich die Landtagswahl in NRW im Jahr 2017. Aber dass die SPD beratungsresistent ist, zeigt sie ja auch mehr oder weniger jeden Tag.

Greenpeace schreibt, eine Kurzanalyse des Beratungsinstituts 'Energy Brainpool' zeige, dass rund ein Drittel der deutschen Kohlekraftwerke mit insgesamt 17 Gigawatt Kapazität in den kommenden drei Jahren vom Netz genommen werden könnte, ohne die Versorgungssicherheit zu beeinträchtigen. Der CO2-Ausstoß bis 2020 würde um 88 Millionen Tonnen sinken, das Klimaschutzziel wäre erreicht.

Was sind das bitte für Verhandlungen, in denen so etwas elementar Wichtiges wie der Klimaschutzplan von heute auf morgen gekippt wird? Wir schaffen das nicht, naja, dann schaffen wir das halt nicht. Geht ja nur um unseren Planeten und ein lebenswertes Leben für uns Bürger. Das Land, in dem wir laut CDU-Wahlslogan "gut und gerne leben" ist aber das Land, in dem jährlich mehr als 62.000 Menschen durch Umweltbelastung sterben. Jeder 15. Deutsche stirbt schon jetzt diesen Tod - Tendenz steigend. Zum Vergleich: 2016 gab es 3.206 Verkehrstote. Noch Fragen, Merkel?

Das Schlusswort möchte ich hier der Kandidatin für den Vorsitz der Grünen, Anja Piel, geben: "Das ist nicht nur fürs Klima, für Deutschland, eine völlig absurde Entscheidung, sondern schafft auch eine Innovationsbremse, die Arbeitsplätze kosten wird und Deutschland nicht zukunftsfähig macht." Aber von Zukunft sind sowohl Frau Merkel als auch die SPD ohnehin Lichtjahre entfernt. Gute Nacht. 

2017 - in vielerlei Hinsicht kein gutes Jahr

Das Jahr 2017 war ja in vielerlei Hinsicht nicht so positiv. Unsere Politiker können sich nicht auf eine Regierung einigen, Arm und Reich driften immer weiter auseinander, der deutsche Staat schlägt erbarmungslos gegen linke Demonstranten zu und Terrorattentate hören genauso wenig auf wie Angriffe auf Asylbewerberheime.

Aber auch für unser Klima war 2017 kein gutes Jahr. Denn seit Paris 2015 reden wir immer davon, dass wir beschlossen haben, die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad zu begrenzen. Das ist natürlich toll gesagt, aber der CO2-Ausstoß steigt einfach immer weiter. 2017 soll er nochmal um etwa 2 Prozent zulegen. Die Presse berichtet, vor allem China sei daran schuld. Das ist natürlich immer leicht gesagt. Aber China ist unsere Werkbank, es sind unsere Produkte, die dort gefertigt werden und es sind unsere Schiffe, die die Waren nach Europa bringen.

Nichtsdestotrotz ist das Signal verheerend. China will Nummer eins in Erneuerbaren Energien werden, bläst aber rekordmäßig viel CO2 aus. Ein anderes verheerendes Signal kam 2017 aus den USA. Dort trat Donald Trump sein Amt als Präsident an. Ein Neoliberaler, wie er im Buche steht, ein Mann der Wirtschaft, dem die Natur egal ist. Hauptsache, der Rubel rollt. Den Klimawandel hält er für eine Erfindung grüner Spinner. Zwei Naturschutzgebiete im Bundestaat Utah hat er schon um bis zu 85 Prozent verkleinern lassen. Es wird vermutet, dass dort Erdöl gefrackt werden soll oder nach Bodenschätzen gesucht werden darf.

Auch wir Deutschen sind auf einem schlechten Weg. Wir verfehlen unsere Klimaziele krachend. Und im Gespräch mit vielen Menschen merke ich immer wieder, dass wir selbst auch gar nicht wirklich bereit sind, unseren Teil zu einer Senkung beizutragen. Der Flug übers Wochenende nach Berlin, die Kurzstrecke doch schnell mit dem Auto erledigt, den Pappbecher für den Kaffee to go. Alles Kleinigkeiten. Aber wenn 80 Millionen Menschen diese Kleinigkeiten lassen, dann ist schon ein bisschen geholfen. Und sei es es für unser Gewissen. Vielleicht ist das ein Vorsatz für 2018: Einfach mal darüber nachdenken, was man warum tut. Und es gibt auch eine tolle Motivationshilfe dafür: Der Kampf gegen den Klimawandel ist nämlich auch ziemlich egoistisch, er erhält die Welt, die man selbst zum Leben braucht.

Kommen Sie gut ins neue Jahr. Apropos: Ich weiß, ich bin schwierig, aber vielleicht auch mal aufs Feuerwerk verzichten, denn wir blasen an Silvester mit den Böllern und Raketen 17% des Feinstaubs in die Luft, den der Straßenverkehr im ganzen Jahr verursacht.  

Auch 2017 viel zu warm - wo bleibt der Aufschrei?

Olis Klimablog: RWE argumentiert sehr seltsam in der Braunkohlefrage

2017 wird also das drittheißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung. 2016 war das weltweit heißeste Jahr, seit wir vor rund 140 Jahren damit begonnen haben, Messungen vorzunehmen. Zudem brachte es auch den höchsten Meeresspiegel und den schnellsten Zuwachs an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre. 2017 steht dem nur wenig nach. Die Erde hat Fieber.

Aber so richtig stört es keinen. Wenn eine Airline pleite geht, sorgen sich ja alle nur um ihren schon gebuchten Winterurlaub. Nicht um Emissionen und verschwindendes Meereis und Klimaflüchtlinge. Nur mal so am Rande: Der Flugverkehr nimmt immer noch jedes Jahr rasant zu. Im Jahr 2016 kamen glatt 700 neue Flugrouten hinzu! Allein der innerchinesische Flugverkehr wird bald den europäischen übertreffen. Das geht so einfach nicht weiter.

Fast schon stoisch nehmen wir diese Horrormeldungen zur Kenntnis, dass ein heißes Jahr das nächste jagt. Wir können so aber nicht einfach weitermachen. In erster Linie sollten wir mit zwei Dingen aufhören - eine Sache betrifft uns selbst, die zweite die Politik. 

Zunächst mal müssen wir diese Gedankenlosigkeit beenden. Ein Wochenende nach Barcelona. Muss das wirklich sein? Muss ich die paar Kilometer jetzt wirklich mit dem Auto fahren oder komme ich auch so zum Supermarkt? Bestelle ich mir jetzt schon wieder was von Amazon? Brauche ich dieses Produkt wirklich? Muss echt wieder ein Schiff mit meinem Produkt aus China losfahren und sein Schweröl über dem offenen Meer verbrennen? Wenn wir uns nur immer wieder diese Frage stellen: "Brauch ich das wirklich?", dann werden wir unseren CO2-Fußabdruck verkleinern. Tun wir's für unsere Kinder. 

Und der zweite Punkt geht ganz klar an die Politik: Unsere Regierungen rennen unaufhörlich der Wirtschaft hinterher. Das geht nicht! Schluss mit Subventionen von diversen Antriebsmitteln wie Flugbenzin. Wenn wir für das Kerosin endlich einen marktüblichen Preis beim Flugticket zahlen würden, wären unsere Flüge eben teurer. Und dann überlegt man vielleicht mal, ob der Trip nach Mallorca sein muss oder ob ich von München nach Berlin nicht vielleicht auch einfach mal mit der Bahn fahre. Und dass wir die Diesel-Betrüger aus der Automobilindustrie immer noch mit Samthandschuhen anfassen, ist ein Skandal sondergleichen. Weg mit den Rußschleudern aus unserem Straßenverkehr. Ist Gesundheit nicht wichtiger als eine brummende Wirtschaft? Dass die riesigen Containerschiffe immer noch ohne Ruß- und Abgasfilter über die Weltmeere schippern, ist eine ganz andere Geschichte.

Zum 3. Advent habe ich eine Bitte: Einfach mal überlegen, gerade jetzt in der Weihnachtszeit, was brauch ich wirklich? Die Erde dankt es Ihnen. 

Liebe Kämpfer für Wirtschaft und Industrie - ihr habt doch auch Kinder

Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich kopfschüttelnd vor einer Nachrichtenseite, einer Zeitung oder dem Fernseher sitze, wenn Industrielle, Lobbyisten und Politiker ihr immer gleiches Mantra daherbeten. Freiheit für die Märkte, freie Fahrt für unsere Wirtschaft, wir brauchen Deregulierung, denn das sichert unseren Wohlstand und unsere Jobs. 

Abgesehen davon, dass Privatisierung eben nicht Wohlstand für alle bringt, sondern nur extremen Wohlstand für einige wenige, treibt mich dann immer der Gedanke um: Wie können diese Menschen so unverantwortlich sein? Wie kann Geld und Arbeit wichtiger sein als gesunde Luft?Wie können diese Menschen persönlichen Reichtum und beruflichen Erfolg über das große Ganze stellen? Nämlich über eine funktionierende Natur und ein anständiges Leben für alle in einer lebenswerten Umwelt?

Liebe Industrielle, ihr habt doch auch Kinder. Welche Welt wollt ihr denen denn hinterlassen? Oder lebt ihr tatsächlich in so einer Blase, dass ihr glaubt, in eurer Welt wäre die Luft eine andere? Wie können unsere Global Player immer weiter auf Kohle, Diesel und Öl setzen? Ich kann es nicht verstehen. Es ist ein Drama, dass die Mächtigen dieser Welt ihre Macht nicht dafür einsetzen, den Klimawandel zu stoppen und den Planeten in einem einigermaßen lebenswerten Zustand zu belassen. Ihre Existenzberechtigung scheint sich vielmehr daraus zu speisen, maximale persönliche Bereichung zu erzielen.

Es geht ja gar nicht darum, dass die Reichen nicht reich sein sollen, das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich will aber einfach nicht verstehen, wieso sie immer weiter auf die alten Rezepte setzen, wo die Folgen doch längst bekannt sind. Man kann mit Umweltschutz doch auch Geld verdienen. Ihr dürft ja ruhig an den großen Rädern drehen, aber dreht bitte an den richtigen. Eure Kinder werden es euch danken.    

Klimapolitik ist auch immer Flüchtlingspolitik - das sollte der CSU klar sein

Der Weltklimagipfel in Bonn, der COP23, ist Geschichte. Was ist das Ergebnis? Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, dass es bei der Klimaveränderung um eine Schicksalsfrage der Menschheit gehe. Klingt toll. Leider kann sie sich da gerade so gar nicht drum kümmern, denn zuhause gibt es Sondierungsgespräche um eine mögliche Regierungsbildung. Und das ist jetzt wirklich eine ganz schlechte Zeit, um die Menschheit zu retten. Denn bis auf die Grünen wollen eigentlich alle Sondierer von CDU, CSU und FDP, dass wir der Wirtschaft freien Lauf lassen und die Kohle weiter verfeuern, weil wir ja alle davon leben. Alles andere wäre ja industrieller Selbstmord, wie es FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff formulierte. 

Die Frage ist nur: Wie lange leben wir da wirklich noch gut mit? Die Extremwetter nehmen zu, die Versicherungsschäden steigen. Und die Zahl der Klimaflüchtlinge ist jetzt noch sehr gering. Doch das wird sich ändern. Möglicherweise schon bald. Wenn die CSU jetzt schon für eine Obergrenze ist und den Familiennachzug begrenzen will, dann sollte sie ein großes Interesse daran haben, die Erwärmung unseres Klimas zu begrenzen. Denn wenn die Menschen ihr Land und damit ihre Lebensgrundlage verlieren, werden sie nicht zögern, sich auf den beschwerlichen Weg nach Europa zu machen. So ist Klimapolitik auch immer Flüchtlingspolitik. Das sollte den Dobrindts und Seehofers klar sein.  

Immerhin haben sich in Bonn 19 Staaten gefunden, die der Kohle abschwören wollen. Dazu zählen aber auch Frankreich und Kanada. Die einen setzen voll auf Atomstrom und die anderen zerstören ihr Land durch den Abbau von Öl-Sanden. Es ist auch dies eine ziemlich unheilige Allianz. Im nächsten Jahr findet COP24 dann in der nächsten Höhle der Löwen statt. Im oberschlesischen Industriegebiet in Kattowitz im Kohleland Polen. Polen ist eines der wenigen Länder, das noch abhängiger von der Kohle ist als Deutschland. Wenn die Verhandlungspartner da wirklich etwas zur Klimarettung auf den Weg bringen, dann ist das ein echt starkes Zeichen. Aber wer glaubt daran? Momentan ist zu konstatieren, dass in Bonn nur heiße Luft produziert wurde. Und es drängt sich die Frage auf: Wie hoch war eigentlich die CO2-Belastung durch die 30.000 Beobachter, die sich auf den Weg nach Deutschland gemacht haben?    

Nur noch 20.000 Menschen arbeiten im Kohlesektor

Es ist einer der größten Zankäpfel bei den Verhandlungen um eine mögliche zukünftige Jamaika-Koalition: Der Kohleausstieg. Die Grünen wollen ihn so schnell wie möglich, die CDU hält ihn für "jetzt nicht sinnvoll" (Kanzlerin Angela Merkel) und will ihn "nicht gleich" (NRW-Ministerpräsident Armin Laschet) und die FDP sorgt sich lediglich darum, dass man damit in den freien Markt eingreife. Für Ökonomen wie Ökologen ist das nicht zu verstehen. Denn die Braunkohle verursacht 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Stromsektor, liefert aber nur 40 Prozent des Stroms und bietet nur noch 20.000 Menschen in Deutschland einen Arbeitsplatz. 1990 waren es noch achtmal mehr.

Worum geht es also? Es geht tatsächlich um die Kohle. Für die Energieversorger ist die Kohleverstromung immer noch gutes Geld. Das hat vor allem mit dem nicht funktionierenden Emissionshandel zu tun, der die Braunkohle unschlagbar billig macht. 

So aber geht es einfach nicht weiter. Denn Kohleverbrennung ist wirklich eine Technik aus dem letzten Jahrtausend. Weil rauf und runterfahren der Kraftwerke viel zu lange dauert, produzieren sie auch Strom, wenn es ausreichend Wind und Sonne gibt. Sie schaden dem Klima, auch wenn sie gar nicht benötigt werden. Außerdem stehen weitere Dörfer und jahrhundertealte Wälder auf der Abrissliste der Stromversorger.  

Deutschland ist der größte CO2-Emittent in Europa und die beiden Kohleregionen Rheinland und Niederlausitz sind die Hotspots der CO2-Emission. Wir müssen endlich umdenken: Denn die Kohle sichert keine Arbeitsplätze, sie verhindert die Entstehung neuer Arbeitsplätze. "Der Klimaschutz sichert den Wohlstand und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit", sagte Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Wann verstehen das eigentlich unsere lobbygesteuerten Politiker?   

Jamaika wird die deutsche Klimabilanz verheerend zurückwerfen

Die Grünen knicken ein - mal wieder. Um die Jamaika-Koalition doch noch zu ermöglichen, weichen sie von ihrer harten Linie ab. Von einer Linie, die nicht nur die grüne Stammwählerschaft fordert, sondern die die ganze Welt dringend benötigt. Raus aus der Kohle, Schluss mit den Verbrennungsmotoren. Ein Enddatum für Benziner und Diesel hätte der Industrie sogar geholfen, denn sie hätte dann endlich den Druck gehabt, sich verändern zu müssen. So wird schön weitergewurschtelt und wahrscheinlich auch weiter betrogen mit den CO2-Werten unserer lieben SUVs, die wir benutzen, um im Ökomarkt Bio-Fleisch zu kaufen. Die Grünen verbiegen sich also wieder einmal, nur um eine Regierungskoalition zu ermöglichen, die die deutsche Klimabilanz um Jahre zurückwerfen wird.

Damit verprellt die selbst ernannte Ökopartei einmal mehr ihren Kern und macht ihrem Namen als Öko-FDP alle Ehre. Unser sich dramatisch wandelndes Klima hat aber keine Zeit mehr für halbschale Kompromisse. Deutschland wird seine Klimaziele 2020 krachend verfehlen, das ist ein verheerendes Signal an alle Länder dieser Welt. Das reiche, hochtechnologische Deutschland schafft es nicht - oder will es nicht schaffen? - den CO2-Ausstoß zu reduzieren, wie es versprochen war. Wie soll es denn dann Uganda schaffen? Und vor allem: Wieso sollte es Uganda überhaupt schaffen wollen? Schließlich stößt dieses Land nur einen Bruchteil des CO2 aus, dass wir Deutschen in die Luft blasen.

Dass die Grünen ihre Klimaziele genau in den Tagen aufgeben, in denen Bonn Gastgeber der 23. Weltklimakonferenz ist, ist eigentlich fast schon eine sarkastische Randnotiz. Lächerlich ist das alles. Lächerlich. Es ist nicht die Natur oder die Erde, die keine Zeit mehr für Klima-Kompromisse hat. Es sind wir Menschen. Wir machen den Planeten nicht kaputt, aber für uns selbst unbewohnbar. Das ist der eigentliche Gipfel, der derzeit stattfindet. Der Gipfel der Dummheit.   

Diese Häufung von Extremwetter kann einfach kein Zufall sein

Das Hurrikan-Center in Miami hat herausgefunden, dass es in 150 Jahren Wetterbeobachtung noch kein Hurrikan so nah an das europäische Festland geschafft hat wie 'Ophelia' vor wenigen Tagen. Zufall? Vielleicht. Die Waldbrände in Kalifornien, die 40 Menschen das Leben kosteten, ereignen sich ungefähr zeitgleich. Zufall? Vielleicht. Und die heftigsten Regenfälle, die es in Texas seit Beginn der Wetteraufzeichnung gegeben hat, sind auch erst ein paar Wochen her. Zufall? Vielleicht.   

Machen wir uns nichts vor: Der Klimawandel ist JETZT. Wir leben im Klimawandel, wir befeuern ihn, vielleicht produzieren wir ihn sogar komplett. Es ist an der Zeit, das wir das ewige Gerätsel aufhören, ob das nun der Klimawandel ist oder ein singuläres Extremwetter. Wie viele Belege und Indizien wollen wir denn noch sammeln? Das Great Barrier Reef stirbt, weil das Wasser zu warm ist, der Permafrostboden in Sibirien taut auf, die Gletscher verschwinden weltweit, Orte in den Alpen sind akut von Bergstürzen bedroht. Das alles ist Klimawandel.

Wir müssen den Kampf gegen den Klimawandel endlich ernst nehmen. Die Bedrohung ist real. Und wenn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagt, dass die weltweite politische und wirtschaftliche Dynamik für den Klimaschutz so stark sei, dass auch die Trump-Regierung diesen Trend nicht aufhalten könne, dann sage ich: Tut jetzt etwas. Denn sonst ist bald der Klimawandel so stark, dass wir ihn nicht mehr aufhalten können. 

Mit dem Klub der deutschen Diesel-Freunde wollen die Vorreiter der E-Szene nichts zu tun haben

Bei der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt saß die Kanzlerin neben Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), neben Dieter Zetsche (Vorstandsvorsitzender der Daimler AG) und neben Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Böse gesagt: Sie saß neben den Ewiggestrigen, die allesamt einfach immer weiter machen, als habe es weder den Diesel-Skandal gegeben, noch sei jemals jemand darauf gekommen, man könne ein Auto auch mit etwas anderem als Benzin oder Diesel antreiben.

Die IAA ist schon lange nur noch ein Magnet für die Hersteller von unnötigen Spritfressern, die mehr CO2 in die Luft blasen, als wir uns leisten können. Und die Kanzlerin, man nannte sie mal "Klimakanzlerin", hält ihre schützende Raute über die Automobilindustrie, weil da ja so viele Jobs dran hängen.

Nur: Wenn sich die deutsche Automobilindustrie nicht schleunigst wandelt, wird es mit all den schönen Jobs eh bald nichts mehr sein. Dann produzieren eben andere die Technologie der Zukunft. Und auch die Chinesen - ein enorm wichtiger Absatzmarkt für deutsche Autos - werden die Benzinfresser 'Made in Germany' nicht mehr kaufen.

Es ist ein starkes Signal von Tesla, nicht nach Frankfurt zu kommen. Mit dem Klub der deutschen Diesel-Freunde will das Unternehmen aus Kalifornien nichts zu tun haben. Auch Nissan und neun weitere Hersteller sucht man vergeblich in Frankfurt. Das wertet die IAA enorm ab. Oder, wie es Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, formulierte: "Die deutsche Autoindustrie schaufelt gerade ihr eigenes Grab."  

Wie lange kann Trump den Klimawandel noch leugnen?

US-Präsident Ronald Reagan hasste die Klimaschützer. In seinen Augen waren sie versprengte Hippies, Spinner. Während seiner Amtszeit von 1981 bis 1989 blockierte er alle Klimaschutzmaßnahmen, die Wirtschaft sollte freie Hand haben. Im November 1980 wurde Reagan ins Amt gewählt. Genau in dem Jahr, in dem sich Hurrikan 'Allen' zu einem der stärksten Hurrikane in der Geschichte der USA entwickelte. Als wollte 'Allen' den Präsidenten darauf hinweisen, dass nur konsequenter Klimaschutz die Menschheit retten kann. Und nun? Nun erleben wir die Präsidentschaft des letzten Dinosauriers unserer Zeit, des Klimawandelleugners Donald Trump. Und was passiert? Trump erlebt im ersten Jahr seiner Präsidentschaft die vielleicht schlimmste, mit Sicherheit aber teuerste Hurrikan-Saison der Neuzeit.    

Wäre es nicht so schlimm, dass Menschen ihr Leben verlieren oder zumindest ihr Hab und Gut, dann könnte man vielleicht darüber lachen, dass ausgerechnet das letzte Land der Klimawandelleugner auf diesem Planeten so hart von den Stürmen in dieser Saison getroffen wird. Es ist, als wollte das Wetter den Präsidenten mit der Nase auf seine dummen Aussagen stoßen und endlich davon überzeugen, dass der Klimawandel real ist. "Wo zum Teufel ist die Erderwärmung", plärrte Trump an einem kühlen Juli-Tag. "Wir brauchen dringend was davon".

Jetzt hat er sie, die Erderwärmung. Und den Schaden gleich dazu. Der Gouverneur von Texas schätzte die Kosten für den Aufbau nach Hurrikan 'Harvey' auf 180 Milliarden Dollar. Da sind die Kosten für Hurrikan 'Irma' und den jetzt schon auf dem Atlantik sichtbaren Sturm 'Jose' noch gar nicht enthalten. Was könnte man mit 180 Milliarden Dollar machen? Zum Beispiel große Teile der amerikanischen Industrie auf Grüne Technologie umstellen. Aber nein, die Wirtschaft soll lieber absahnen statt in die Zukunft zu investieren. Zukunft - das ist Trump egal, er ist ja auch schon 71 Jahre alt. Schade nur für alle Erdenbürger, die ihr Leben noch vor sich haben.