Schon mehr als 20 Bade-Tote
Nordostwinde treiben das Wasser an: Darum ist das Baden an der Ostsee so gefährlich
Die Ostsee gilt eigentlich als 'Badewanne' - geringer Wellengang, kaum Gefahren für Schwimmer. Da die Ostsee fast ein Binnenmeer ist, sind hohe Wellen eine Seltenheit. Der meist vorherrschende Wind aus Südwest oder West treibt zudem das Wasser Richtung Finnland und zur russischen Küste.

Wenn es in der Ostsee Probleme gibt, dann meist am äußersten östlichen Ende in St. Petersburg, wenn der Westwind das Wasser in die St. Petersburger Bucht treibt und dort die Angst vor Hochwasser schürt. Die russischen Behörden haben daher unlängst riesige Schutztore vor den Toren der 5-Millionen-Metropole errichten lassen.
Diesen Sommer sind aber schon mehr als 20 Menschen vor der deutschen Ostseeküste ertrunken. Außergewöhnlich hohe Wellen und ein starker Sog wurde den Badegästen zum Verhängnis. Viele Ostseebäder haben daher - zum Ärger der Urlauber - ein Badeverbot verhängt. Wo aber kommen die hohen Wellen und der starke Sog her?
Es ist eigentlich ganz einfach: Anstatt der üblichen Südwestwinde herrschen derzeit Nordostwinde. Nordostwind bedeutet auflandigen Wind. Das heißt, der Wind schiebt das Wasser in Richtung der deutschen Ostseebäder. Weil der Wind stark ist, türmt er die Wellen hoch auf.
Wenn das Wasser nun den Strand erreicht, muss es auch wieder zurück ins Meer fließen. Das erklärt die starke Unterströmung. Das zurückfließende Wasser zieht den Badenden regelrecht die Füße unter den Beinen weg, sie werden ins offene Meer gerissen. Für ungeübte Schwimmer kann das den Tod bedeuten.
Dieses Phänomen kann man nahezu ganzjährig an der französischen Atlantikküste beobachten, wo der Westwind das Meer aufpeitscht und es eine starke Unterströmung gibt.
Experten glauben, dass einige starke Stürme im Frühling unter Wasser Sandbänke weggerissen haben könnten. Die Sandbänke haben das abfließende Wasser gebremst. Fehlt diese Bremse, ist der Sog nun noch stärker - und womöglich tödlich.