Wir werfen 30 % einfach weg

Lebensmittelverschwendung schädigt das Klima

ARCHIV - ILLUSTRATION - Lebensmittel liegen in einer Mülltonne in Frankfurt (Oder)(Foto vom 13.03.2012). Verbraucher in Bayern werfen jedes Jahr 65 Kilo Lebensmittel wegFoto: Patrick Pleul/dpa  +++(c) dpa - Bildfunk+++
Wir werfen ein Drittel der Nahrungsmittel weg - das kommt auf zehn Prozent aller Treibhausgase weltweit.

Etwa 10 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts allein auf die Verschwendung von Nahrungsmitteln zurückgehen. Dies zeigt eine Studie, die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung vorgelegt haben.

Die Forscher haben erstmals für Länder rund um den Erdball umfassend untersucht, mit welchen Nahrungsmittelverlusten zu rechnen ist, und welche Emissionen damit verbunden sind. Derzeit findet ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion nicht den Weg auf unsere Teller.

Dieser Anteil wird noch drastisch ansteigen, wenn Schwellenländer wie China oder Indien den westlichen Ernährungsstil übernähmen, so zeigt die Analyse. Dass ein umsichtigerer Umgang mit Lebensmitteln zur Ernährungssicherheit beitragen kann, ist bekannt. Gleichzeitig könnte das jedoch auch helfen, gefährlichen Klimawandel zu vermeiden.

"Die Lebensmittelverschwendung zu verringern ist ein Beitrag zur Bekämpfung von Hunger, gleichzeitig vermindert dies durch die Minderung von Treibhausgasen aber auch Klimafolgen wie stärkere Wetterextreme oder Meeresspiegelanstieg", sagt die Leitautorin der Studie, Ceren Hic.

Global ist das Nahrungsmittelangebot ausreichend, um den durchschnittlichen Bedarf zu decken, dennoch haben einige Entwicklungsländer weiterhin mit Unterernährung und Hunger zu kämpfen. Das Problem ist die ungleiche Verteilung - und die Verschwendung. "Gleichzeitig ist die Landwirtschaft einer der größten Treiber des Klimawandels, mit einem Anteil von circa 20 Prozent der gesamten Emissionen im Jahr 2010," erklärt Ko-Autor Prajal Pradhan.

Was ist, wenn wir erst 10 Milliarden sind?

Für die Studie haben die Forscher den Nahrungsmittelbedarf auf der Basis physiologischer Voraussetzungen und Aktivität für vergangene und verschiedene künftige Szenarien analysiert, dabei sowohl die demografische Entwicklung als auch die Nahrungsmittelnachfrage und -verfügbarkeit und daraus folgend die damit verbundenen Emissionen berechnet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebensmittelverfügbarkeit in den letzten fünf Dekaden bereits stark angestiegen ist, obwohl der Nahrungsmittelbedarf pro Person im globalen Mittel fast konstant bleibt.

"Vor allem zeigt unsere Arbeit, dass sich das Verhältnis zwischen Nahrungsmittelverfügbarkeit und -bedarf mit der Entwicklung verändert. Das drückt sich unter anderem dadurch aus, dass reichere Länder mehr Nahrung konsumieren als gesund ist, oder eben Lebensmittel verschwenden," erklärt Pradhan.

Durch starkes demografisches Wachstum – vor allem in Entwicklungsländern – und Veränderungen der Lebensstile werden allein die landwirtschaftlichen Emissionen bis 2050 wohl auf bis zu 18 Gigatonnen CO2-Äquivalente ansteigen – das zeigen bereits vorangehende Arbeiten der Forscher. "Die Emissionen, die auf verschwendete Nahrungsmittel zurückgehen, sind daher nur die Spitze des Eisbergs. Dennoch ist es erstaunlich, dass bis zu 14 Prozent der Emissionen aus der Landwirtschaft relativ einfach vermieden werden könnten, zum Beispiel durch eine bessere Nutzung und Verteilung von Nahrungsmitteln. Individuelle Verhaltensänderungen sind deshalb auch ein Weg, um die Klimakrise zu mindern."

"1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden derzeit verschwendet," sagt Jürgen Kropp, Ko-Autor und stellvertretender Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität. Wie kann die Nahrungsmittelversorgung klüger und effizienter gestaltet werden, und wie können Konsumenten überzeugt werden, umsichtiger mit Lebensmitteln umzugehen?

Fragen wie diese bleiben zwar offen, die Studie zeigt jedoch das komplexe Zusammenspiel von Nahrungsmittelsicherheit und Klimawandel auf, das in einer Zukunft mit 10 Milliarden zu ernährenden Menschen immer relevanter werden wird. "Die Vermeidung von Nahrungsmittelverlusten könnte deshalb ein Hebel sein, der gleich mehrfach greift: für die Minderung der landwirtschaftlichen Folgen für Klima und Umwelt, für die Schonung von Ressourcen in der landwirtschaftlichen Produktion und zur Verbesserung lokaler, regionaler und globaler Lebensmittelsicherheit," so Kropp.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle