Kommentar zum Klimawandel: Wir spielen Russisch Roulette im Klima-Casino

Kommentar zum Klimawandel: Wir spielen Russisch Roulette im Klima-Casino
Monsun-Opfer in Bangladesch. Diese Menschen haben den Klimawandel nicht verursacht. © Monirul Alam / ZUMA Press / Splash News, ZEUS

Blog vom 21. November 2019: Es leiden die am meisten, die kaum zum Klimawandel beitragen

Russisch Roulette ist ein potenziell tödliches Glücksspiel, bei dem man sich einen Revolver an die Schläfe hält und abdrückt. In der Trommel des Revolvers ist nur eine Patrone. Bei mehreren Personen wird der Revolver reihum gereicht, die Trommel immer neu gedreht. Die einen überleben das Spiel, andere nicht. Ein bisschen ist es so auch mit dem Klimawandel. Wir fliegen fröhlich um die Welt, verfeuern Öl, Gas und Kohle, versiegeln Flächen, holzen Wälder ab, bauen leblose Monokulturen auf und denken, "naja, mich wird es schon nicht treffen".

Allerdings haben manche Regionen dieser Welt im Klima-Casino mehr als nur eine Patrone im Revolver. Ihre Wahrscheinlichkeit Schaden zu nehmen ist weitaus höher. Nehmen wir die Menschen in Bangladesch: Ihre Hauptstadt Dhaka und der dazugehörige Großraum liegen fast auf Meereshöhe. Dort leben 20 Millionen Menschen. Ein Bangladeschi setzt nicht einmal eine halbe Tonne CO2 im Jahr frei. Ein Deutscher dagegen rund 9 Tonnen. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Bangladeschi vom Klimawandel vielleicht sogar tödlich getroffen wird, sehr hoch.      

Schauen wir nach Bolivien: Dort ist der Lago Popoo, der zweitgrößte See des Landes, im Jahr 2015 ausgetrocknet. Das Klimaphänomen El Nino spielt hierbei eine Rolle. Die Verdunstungsniederschläge fehlten fortan, die Ernten der Bauern fielen komplett aus. Vielen blieb nichts anderes übrig als ihre Heimat zu verlassen - sie waren Klimaflüchtlinge geworden.  

In Afrika hat der Tschad-See seit 1963 90 Prozent seiner Fläche verloren. Wenn der See ganz austrocknet, sind 30 Millionen Menschen davon betroffen, die am oder vom See leben. 30 Millionen Menschen, die nicht mehr wissen, wohin. Auch diese Menschen haben zum weltweiten Klimawandel fast nichts beigetragen. Aber sie bezahlen dafür. In ihrem Revolver sind beim Russisch Roulette 5 Patronen in der Trommel, nicht eine.

Der Klimawandel ist von den Industrienationen verursacht worden. Treffen kann er aber jeden. Daher ist es unsere Pflicht, endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen und Innovationen zu tätigen, die den Schutzlosen auf dieser Welt - und damit meine ich Menschen, Tiere und Pflanzen -größtmögliche Chancen auf ein Überleben sichern.

Die tödliche Wirkung des Klimawandels können wir mittlerweile fast jeden Tag in allen Winkeln der Erde sehen. Buschbrände in Australien, Monsunfluten in Indien, Hochwasser in Italien und Lawinen schon im November in den Alpen. Deshalb müssen wir schnell aufwachen. Der Klimawandel macht auch vor unserer Tür nicht Halt. Auch wenn wir nur ein Patrone im Revolver haben.

Oliver Scheel ist Freier Journalist und arbeitet für Wetter.de. Er setzt sich deshalb für den Klimaschutz ein, weil er keine Lust darauf hat, dass alles vor die Hunde geht.

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Blog vom 2. November 2019: Seit zwei Generationen wissen wir um die Folgen des Klimawandels

1962 - vor fast 60 Jahren - schrieb die amerikanische Biologin Rachel Carson ein viel beachtetes Buch. Es hieß: "Der stumme Frühling". Darin legte Carson eindrucksvoll dar, welch krassen Einfluss die neu entwickelten Pestizide für die Landwirtschaft auf die Insekten haben würden. "Sie töten jedes Insekt, die guten wie die schlechten." Schon damals wies sie darauf hin, welche Konsequenzen das für die Artenvielfalt haben wird. Die Schockwelle, die das Buch auslöste, war groß. Sie trug maßgeblich zum Entstehen der Umweltbewegung bei. Doch sie ebbte bald ab und es wurde wieder ruhig.

1968 berichteten die beiden Wissenschaftler Elmer Robinson und R.C. Robbins der amerikanischen Öl-Industrie, dass das Verfeuern fossiler Brennstoffe zu einer krassen Erhöhung von CO2 in der Atmosphäre führen würde. Wenn das Erdöl komplett verfeuert würde, würde das das Gleichgewicht der Erde zerstören. Shell und Exxon fertigten daraufhin tatsächlich Studien an, die das Ergebnis von Robinson und Robbins bestätigten. Schon damals wusste die Öl-Industrie, dass die Erde sich aufheizen wird. Doch die Unternehmen hielten es für schlauer, die Studie ganz tief in einer Schublade zu vergraben. Das Geldverdienen war ihnen wichtiger als die Welt zu warnen, dass man sich auf einem Holzweg befindet.  

1972 erschütterte der "Club of Rome" mit seinem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" die Weltöffentlichkeit. Darin wurde die Idee der Nachhaltigkeit diskutiert und festgestellt, dass es auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen kein unendliches Wachstum geben könne. Aber was passierte? Der weltweite Konsum nahm zu, Freihandel und Globalisierung heizten den CO2-Ausstoß der Welt in nie gekannte Höhen.

1987 warnte Brigitta Klotz in ihrem "Öko-Gartenbuch" vor einem drastischen Verschwinden von Schmetterlingen. Auch damals waren die ökologischen Zusammenhänge längst bekannt: "Wenn Bäume gefällt werden, weil Bauern Platz brauchen, wenn Hecken umgelegt werden, dann wird's im Sommer heiß und im Winter pfeift der Wind umso kälter. Dann bleiben die Vögel aus". Und weiter: "Ihr Singen verstummt, der Garten wird leer", schrieb sie. Wurden von der Politik gegensteuernde Maßnahmen ergriffen? Nein.  

1992 wurde auf der UN-Klimakonferenz in Rio de Janeiro endlich gehandelt. Es wurde ein völkerrechtlich bindender Vertrag beschlossen. Die biologische Vielfalt soll erhalten werden, es gab eine Klimarahmenkonvention und die Ausbreitung der Wüsten sollte gestoppt werden. Was ist passiert seit diesem Beschluss, der die 168 teilnehmenden Länder zur Umsetzung verpflichtet? Ich sag's Ihnen: Das Artensterben schreitet immer schneller voran und die Wüsten breiten sich aus. Und noch eine erschreckende Zahl zum Schluss: Von allem CO2, das wir Menschen in unserer Geschichte durch die fossile Verbrennung in die Atmosphäre geblasen haben, stammen 50 Prozent aus den letzten 30 Jahren! Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs etwa 85 Prozent. 

Und das nur, weil die Politik seit nunmehr zwei Generationen einfach nur zuschaut und sich nicht traut, vernünftige Leitlinien zu setzen. Der Freihandel darf alles, die Wirtschaft wird nicht kontrolliert, auch wenn das Ende offensichtlich ist: Ein nicht mehr bewohnbarer Planet für einen Großteil der Menschen. So wird auf unserem Grabstein stehen: "Mensch - Gestorben an Ignoranz". 

Blog vom 24. September 2019: Ohne Mut werden wir krachend scheitern

20.09.2019, Berlin: Markus Söder (l-r), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesministerin der Verteidigung und CDU-Vorsitzende, und Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzmini
Das Klimapaket ist Lichtjahre weit weg von den Parsier Klimazielen. © dpa, Christoph Soeder, christoph soeder wst

Die Bundesregierung hat ein Klimapaket zusammengeschnürt. Nur: Warum hat man für dieses wertlose Stück Papier eigentlich 14 Stunden zusammengesessen? Kritiker waren sprachlos ob des dünnen Maßnahmenpakets. So nannten Umweltverbände das Ergebnis schlichtweg einen „Skandal“. Lichtjahre entfernt vom 1,5-Grad-Ziel sei man. Von einem „kolossalen Fehlstart“ ist die Rede, von „Versagen“ und einem „klimapolitischen Totalausfall“.

Und es ist ja auch richtig. Klimaschutz durch eine Erhöhung der Pendlerpauschale? Das ist doch ein Witz. Nicht umsonst ist nach dem Klimapaket die Aktie von RWE gestiegen. Das wohl beste Zeichen für eine verfehlte Klimapolitik.

Es ist wieder der kleinste Nenner, auf den sich unsere Politiker einigten. Es war wieder mutlos. Aber mutlos werden wir die Krise nicht meistern. Wir brauchen sogar jede Menge Mut. Es muss auch der Mut der Politiker vorhanden sein, endlich über eine Legislaturperiode hinaus Politik zu machen. Dann wird man halt notfalls nicht mehr wiedergewählt. Es ist keine Zeit mehr, auf Einzelschicksale Rücksicht zu nehmen.

Es muss eine ganz neue Radikalität her. Wie soll man denn mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale den Klimawandel bekämpfen? Die Zeit für homöopathische Dosen und schön klingende Reden ist vorbei. Autofahren darf nicht weiter belohnt werden. Fliegen muss verteuert werden, Anreize für Bahn, ÖPNV und Fahrrad müssen her. Im Klimapaket fällt kein Wort über die Landwirtschaft als einen der Hauptverursacher des Klimawandels. Kein Wort zur Müll- und Plastikproblematik. Bedenken Sie: Jedes jemals gefertigte Stück Plastik befindet sich immer noch auf dem Planeten.

Wer will denn den Ankündigungen der „Klimakanzlerin“ noch glauben? Bis 2050 will Deutschland klimaneutral werden. Die Erneuerbaren werden aber ausgebremst und Autofahren weiterhin steuerlich gefördert. Und dann wird auch noch geunkt, das Klimapaket sei zu teuer. Ich sag Ihnen was: Richtig teuer wird es erst, wenn wir nichts tun. Nur ein Beispiel: Eine einzige Hitzewelle, nämlich die im Sommer 2003, verursachte in Europa Kosten von 15 Milliarden Euro durch Schäden an Land-, Vieh- und Forstwirtschaft. Und auch der letzte Leugner wird eingestehen: Hitzewellen kommen immer häufiger. Was gibt es also noch zu zögern?

Blog vom 22. August 2019: Ein Präsident wie Bolsonaro ist das Ende aller Hoffnung

A tract of Amazon jungle burns as it is being cleared by loggers and farmers in Novo Airao, Amazonas state, Brazil August 21, 2019. REUTERS/Bruno Kelly
Verbrannte Erde - wo einmal Wald war. Das ist die Politik von Jair Bolsonaro. © REUTERS, BRUNO KELLY, /nl

Er nennt sich "Captain Kettensäge" oder "kleiner Nero" in Anlehnung an den Kaiser, der angeblich Rom anzündete. Aber was Jair Bolsonaro da schürt, ist ein Feuer von viel größerem Ausmaß. Der Präsident von Brasilien hat sich dem völlig irren Kampf verschrieben, dem Regenwald den Rest zu geben - ungeachtet aller jetzt schon bekannten Folgen für sein Land und die ganze Welt.

Wie ein durchdrehendes Kind stachelt er die Bauern und die Holzindustrie an, weitere Flächen zu roden. Ob legal oder illegal - alles egal. Je mehr er kritisiert wird, umso ausufernder und geifernder sind seine Reaktionen. Bolsonaro sieht im Regenwald weder eine grüne Lunge noch einen CO2-Speicher. Für ihn ist der Wald schlicht ungenutztes Potenzial. Bolsonaro ist der Handlanger einer unverantwortlich agierenden Industrie. Kurz: Er ist völlig außer Kontrolle. 

Dass er zudem auch noch unzurechnungsfähig ist, bewies er mit der absurden These, die Umweltschützer hätten die Brände gelegt, weil sie wegen ihm weniger Geld zur Verfügung hätten. 

Die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet hat nach Angaben von Umweltschützern im vergangenen Jahr um 15 Prozent zugelegt. Dabei ist der Regenwald so wahnsinnig wichtig für die Welt: Etwa 30 Prozent des vom Menschen produzierten CO2 nehmen die Regenwälder auf. Ohne Regenwälder haben wir keine Chance auf die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels.

Denn die Wälder haben Einfluss auf Winde, Temperatuen, Meeresströmungen und Regenfälle. Regenwälder halten enorme Mengen Frischwasser bereit, das sie filtern. Ungefähr 20 Prozent des Frischwassers der Erde findet sich allein im Amazonas-Becken. Aber nicht mehr lange. 

Denn große Teile des ursprünglichen Tropenwaldes sind ja jetzt schon Ackerland und Savanne. Mit Folgen: Die Trockenheit nimmt zu, Brände mehren sich - auch ohne Zutun der Brandstifter aus der Agrarindustrie. Im Mato Grosso, dem Gebiet, in dem es jetzt brennt, leben mehr als 20 Millionen Rinder. Dort, wo sich früher einmal der artenreichste Wald der Welt ausbreitete, wird heute zudem noch Ethanol für unsere Autos und Soja als Viehfutter angebaut. Nach wenigen Jahren sind die Böden ausgelaugt - die Karawane zieht weiter, die Rinder brauchen Futter. 

Es ist einfach nur traurig: Aber solange solche Menschen legal in ein Präsidenten-Amt kommen können, sind alle klimapolitischen Maßnahmen in Deutschland reine Makulatur. Ein Tropfen auf einen immer heißer werdenden Stein.   

Blog vom 26. Juli 2019: Die Geschwindigkeit und die Härte des Klimawandels sind neu

Viele Menschen, die vom Klimawandel nichts wissen wollen oder vom Einfluss des Menschen auf das Klima, die sagen: Naja, das hat es früher ja auch schon gegeben. Und Klimawandel hat es sowieso schon immer gegeben. Das mag in Einzelfällen ja auch stimmen und klar hat es Klimawandel immer gegeben. Aber ich frage mich schon, wie viele Hitzewellen mit immer neuen Rekordwerten, wie viele Starkregen- und Hagelereignisse, wie viele Dürreperioden - sprich wie viele Warnschüsse - wir noch brauchen, bis wir einsehen, dass es eher 5 NACH 12 ist und dass wir schleunigst handeln müssen.  

Denn viele Ereignisse waren so noch nicht da. Und diese Wetterereignisse kommen in immer kürzeren Abständen. An manchen Tagen bestehen die Abendnachrichten zu einem Großteil aus Meldungen, die mit dem Klimawandel und seinen Folgen zusammenhängen. 

Das war nämlich einfach alles noch nicht in so einer Deutlichkeit da. Leider.

42,6 Grad in Niedersachsen: 1983 schafften es die 40 Grad überhaupt das erste Mal über die Alpen. Seitdem hat die 40-Grad-Marke locker 600 Kilometer nach Norden zurückgelegt. Dazu die Temperaturrekorde in der Arktis, die sich weit schneller erwärmt als der Rest der Welt. Und dann herrschen dort die größten Brände seit der Besiedlung der Gegend. 

Der wärmste Juni in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Der Juni war 3,7 Grad wärmer als im Schnitt der vergangenen 30 Jahre. Wir reden beim Pariser Klimaabkommen über eine Erwärmung von maximal zwei Grad, die den Planeten in der für uns bewohnbaren Form erhält.

Nebenbei war der Juni auf der wärmste auf der ganzen Welt. Auf fast allen Kontinenten gab es Hitzerekorde.

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre beläuft sich mittlerweile auf 415 Teilchen pro Million Teilchen Luft (ppm). Zuletzt war der CO2-Wert vor drei Millionen Jahren ähnlich hoch wie heute. 

Wir erleben den zweiten viel zu trockenen Sommer in Folge. Das sind vom Niederschlag und den Temperaturen spanische Verhältnisse. Und die sind für deutsche Wälder nicht gut. "Unser Wälder sterben. Wenn wir nicht sehr schnell handeln, wird es in absehbarer Zeit keine Wälder mehr in der bisherigen Form geben", sagte Greenpeace-Deutschland-Chef Martin Kaiser. 

Der Erdüberlastungstag findet immer früher statt. 2018 fiel der Tag, an dem die Menschheit die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen für das Kalenderjahr verbraucht, auf den 1. August. 1970 war das Ende Dezember so weit, im Jahr 2000 im September. Für 2019, so wird berechnet, haben wir schon am 29. Juli die Ressourcen verballert. Wir leben auf Pump. Wir leben, als hätten wir mehr als 1,7 Erden zur Verfügung. Wir zerstören also die Lebensgrundlage unserer Kinder.

All dies sind keine Spinnereien, sondern wissenschaftlich belegte Fakten. Es wird Zeit, dass wir uns diesen stellen.  

Blog vom 16.Juli 2019: Unsere Freiheit ist nicht grenzenlos - und das Wachstum auch nicht

"Klimaschutz ist nicht Verzicht", sagte der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies. Was für eine eklatante Fehleinschätzung - und das auch noch aus dem Politikressort Umwelt. Die Aussage dieses Umweltministers zeigt, wie realitätsfern die Politik trotz aller Proteste, Demonstrationen und natürlich auch trotz der Umweltkatastrophen und der messbaren Kosten für den Klimawandel immer noch ist. Besonders im Autoland Niedersachsen. Darüberhinaus sind solche Aussagen verantwortungslos. Denn sie gaukeln dem Bürger vor, dass wir ja doch irgendwie so weitermachen können.

Nein, das können wir nicht. Und es wird ohne harte Einschnitte einfach nicht gehen. Was wir brauchen, sind viel härtere Eingriffe in unseren Alltag. Komfortzone adé. Niemandem geht es schlechter, wenn es keine Kurzstreckenflüge mehr gibt. Und wenn doch einer von Köln nach Berlin fliegen will, dann muss er eben richtig tief dafür in die Tasche greifen. Das kann man gut über den Preis regeln. Oder über ein Flugkontingent. Tut mir leid, Herr Schmidt, Sie haben ihre Flugkilometer für 2019 ausgeschöpft. Wir freuen uns, Sie nun bei der Deutschen Bahn zu begrüßen.

Es muss endlich das Verursacherprinzip zum Tragen kommen. Wer fliegt, wer SUV fährt, der muss zahlen. Eine Besteuerung auf das Heizen tut nur denen weh, die ohnehin nicht viel Geld haben. Darüber lacht doch der Bankvorstand. 

Wenn die Politik mal ansatzweise pfiffig wäre, würde sie sich vielleicht auch ein Belohnungssystem überlegen. Steuerliche Anreize für Menschen, die CO2 vermeiden. Dann kann man über den CO2-Ausstoß Geld sparen, oder zumindest Steuern. Vor allem muss aber die Politik das System des ewigen Wachstums überwinden. Wir brauchen einen vernünftigen Umgang mit unseren Ressourcen - anders wird es nicht gehen.   

Vielleicht findet sich ja mal ein Politiker, der seine eigene Karriere dem Umweltschutz opfert. Es wird eben nicht ohne Verzicht gehen. Das muss mal einer sagen. Der wird dann zwar nicht wiedergewählt, aber immerhin ist die Aussage in der Welt und das Unaussprechliche wenigstens einmal gesagt. Denn unsere Freiheit auf diesem Planeten ist nicht grenzenlos, genau wie es kein grenzenloses Wachstum geben kann.  

Blog vom 10. April 2019: Die Zeit des Aussitzens muss endlich vorbei sein

12.07.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Schüler und Studenten ziehen nach der Abschlusskundgebung einer Fridays for Future-Demonstration auf dem Alter Markt durch die Innenstadt. Klimaschützer von
Fridays-for-Future-Demos müssen weitergehen, bis sich wirklich etwas ändert. © dpa, Rolf Vennenbernd, ve kde

Politiker fast aller Lager fordern ein Ende der "Fridays for Future"-Demonstrationen: Die Schüler sollen zurück auf die Schulbank, schön mit dem Strom des Systems schwimmen und vor allem raus aus der Öffentlichkeit. Wie unangenehm für die Politik, dass die junge Generation da einen solchen Druck erzeugt. Womöglich werden unsere Lenker sogar zum Handeln gezwungen, wo doch mehr oder weniger die gesamte Bevölkerung hinter der Aktion der Schüler steht. Also werden sie für dumm verkauft, wie von FDP-Chef Christian Lindner, der meinte, Klimaschutz solle man doch den "Profis" überlassen. Den Profis von der FDP zum Beispiel, die immer noch glauben, der Markt werde den Klimaschutz regeln.

Seit der Markt aber von den Neoliberalen Margaret Thatcher und Ronald Reagan in den 80er-Jahren entfesselt wurde, hat sich der Ausstoß des Klimakillers CO2 fast verdoppelt. Im Jahr 1984, vor 35 Jahren, betrug der CO2-Ausstoß aus energetischer Nutzung, also Verkehr, Heizen, Stromerzeugung und Industrie, 19.864 Millionen Tonnen. 2017 waren es 36.153 Millionen Tonnen. Was genau hat der Markt da geregelt? Andere Politiker drohen mit Sanktionen, man könne nicht ewig weiterdemonstrieren, wie der grüne (!) Ministerpräsident aus Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann. Oder ist er Ministerpräsident von Mercedes Benz? Ich weiß es gerade nicht.

Warum sollten die Schüler nicht weiter machen, wo die Politik doch auch einfach so weiter macht wie die drei Affen, die nichts hören, sehen und sagen wollen. Wann versteht die Politik endlich, dass sie den Ball der Schüler aufnehmen muss? Solange die Schaltzentren der Macht Energieriesen pudern, Autokonzerne gewähren lassen und Flugbenzin subventionieren, trägt die Politik die Hauptschuld am Klimawandel. Daher ist es zynisch, jetzt mit dem Finger auf die Schüler zu zeigen und zu sagen, "hey, ihr macht da was nicht richtig". Nein, es ist die Politik, die nichts richtig macht, es ist die Politik, die alle Verantwortung von sich weist, es ist die Kanzlerin, die alles aussitzt. Und wenn die Obrigkeit will, dass die Schüler wieder in die Schule gehen, dann muss auch in der Schule ein Klimawandel stattfinden. Umwelterziehung zum Beispiel muss ein Schulfach werden.

Nein, liebe Schüler. Geht weiter freitags auf die Demos, lasst die alten Damen und Herren aus den verkrusteten Parteien nicht in Ruhe. Ihr seid viele. Weltweit haben sich mehr als 200 Millionen Jugendliche in mehr als 100 Ländern an den Demonstrationen beteiligt. Bei Banken würde man sagen: Ihr seid "too big to fail". Aber die Banken haben die Politik im Rücken, die Banken hat man gerettet, die Welt ist scheinbar egal. Aber verliert nicht den Mut und haltet vor allem durch. Denn - wie es der Publizist Harald Welzer formulierte - die Welt ist zum Verändern da, nicht zum Ertragen.

Blog vom 28. März 2019: Die Verkehrskommission tagt und verfehlt all ihre Ziele

21.03.2019, Berlin: Demonstranten stehen mit Schildern und einem Transparent vor dem Bildungswerk der Wirtschaft. Dort protestierten Mitglieder verschiedener Umweltschutz-Organisationen unter dem Motto
Protest für besseres Klima - Verkehrsminister Scheuer ist das egal. © dpa, Paul Zinken, pdz

Die Verkehrskommission hat getagt. Sie soll die Voraussetzung für mehr Umweltschutz in den Verkehr tragen und damit eine Verringerung der Treibhausgasemissionen von 40 bis 42 Prozent bis zum Jahr 2030 erzielen. Und was soll man sagen, es hat nicht geklappt. Obwohl sich alle einig sind, dass wir – um im Bild zu bleiben – beim Klimaschutz mächtig aufs Gaspedal drücken müssen, sind die Experten nach 17-stündiger Beratung ohne Ergebnis auseinander gegangen. Umweltverbände äußerten sich enttäuscht, die Industrie sprach von wichtigen Fortschritten. Ein Satz wie blanker Hohn. Wenn die Kommission sich auf nichts einigt, ist das für die Industrie ein Erfolg. 

Die Deutsche Presseagentur erfuhr, dass es keinen Konsens zu verbindlichen Quoten für den Anteil von Elektroautos gab und man konnte sich auch nicht darauf einigen, klimaschädliche Autos teurer zu machen. Somit gingen die Teilnehmer auseinander, ohne das Klimaziel 2030 für den Verkehr zu erreichen. Prima. 

Das zeigt, wie wichtig der Klimaschutz in den Vorstandsetagen von VW, BMW und Daimler wirklich ist. Man hat verbindliche Zusagen wieder einmal verhindern können. Mit tatkräftiger Unterstützung der Politik. Wichtigster Hilfsarbeiter der Autokonzerne ist  Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der Meister der Klimabremser. "Mit einem Minister auf dem Standstreifen kommt Deutschland bei der Zukunft der Mobilität nicht ans Ziel", kommentierte der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Die Linke sprach von einer Hiobsbotschaft, dass man keine umfassenden Lösungen gefunden habe. 

Und wie geht es nun weiter? Müssen es eben wir Verbraucher richten. Auf die Politik ist schlichtweg kein Verlass. Wie sagte es BUND-Vertreter Ernst-Christoph Stolper der "taz": "Klimaschutz ist dem Minister einfach nicht wichtig."

Die Halbwertszeit eines Politiker-Lebens ist schlichtweg zu kurz für so raumgreifende, zukunftweisende Gedanken. Bis die Klimapolitik letztendlich greift und das Wahlvolk registriert, dass da etwas Gutes geschaffen wurde, genießen Politiker und Politikerinnen schon auf Fuerteventura das Pensionärsleben oder haben es per Drehtürmechanismus in den Aufsichtsrat eines Dax-Unternehmens geschafft. Deshalb müssen den Klimaschutz wir alle übernehmen. Bis es auch die Industrie kapiert, dass niemand mehr auf die alten Karten setzt. Fangen wir an. 

Blog vom 13. März: Wie lange wird die Politik einen Lebensstil verteidigen, den die Jugend nicht mehr unterstützt?

Chinese workers clean up trash floating on the Yangtze River in the Three Gorges reservoir in Yunyang county, Chongqing, China, 25 July 2010. An alarm over massive environmental damage along the Yangtze River and its Three Gorges reservoir has been r
Umweltverschmutzung am Yangtze in China. Umweltschäden bringen den Tod - und zwar für Mensch, Flora und Fauna. © picture alliance / dpa, Shen Zhengyi

"Entweder wir verbessern den Umweltschutz drastisch, oder Millionen von Menschen werden in Städten und Regionen in Asien, dem Nahen Osten und in Afrika bis Mitte des Jahrhunderts vorzeitig sterben." Diese Worte stammen nicht etwa von irgendeinem verblendeten Klima-Aktivisten, nein, es steht genauso schonungslos und offen in einem Bericht der Vereinten Nationen, der gerade in Nairobi veröffentlicht wurde.

Und dann gibt es für die Politik gleich noch eine ganze Liste mit ToDos: Die Nutzung von Antibiotika stärker kontrollieren, die Vermüllung der Ozeane durch Plastik eindämmen, die Zerstückelung von Lebensräumen stoppen und die Luftverschmutzung beenden. Denn all dies führe zu einem "Massenaussterben von Arten". "Die Gesundheit und der Wohlstand der Menschheit ist direkt mit dem Zustand unserer Umwelt verbunden", teilte die Leiterin des UN-Umweltprogramms, Joyce Msuya, mit. 

Die Politik aber schützt die Ewiggestrigen der Autoindustrie, setzt weiter auf die Verbrennung von Öl und Kohle, um billige Energie zu gewinnen und manch ein Konservativer freut sich schon auf die Kanzlerschaft von Annegret Kramp-Karrenbauer, die der Wirtschaft freie Fahrt einräumen wird. Als hätte die Wirtschaft nicht längst schon freie Fahrt. In den vergangenen 40 Jahren hat die Menschheit die Ressourcen der Erde in beispielloser Form geplündert, hat Naturparadiese unwiederbringlich zerstört, hat Menschen die Lebensgrundlage und die Heimat entzogen, hat entrechtet und geknechtet. Wie weit wollen wir gehen?

Wann erkennt die Politik, dass der einzige wirkliche Fortschritt saubere Luft ist? Wann erkennen die Lenker unserer Welt, dass in einer nachhaltigen Welt ein riesiges Potenzial verborgen liegt? Neue Arbeitsplätze, andere Arbeit. Vielleicht nicht am Montageband. Vielleicht nicht auf einem pestizidsprühenden Trecker. Vielleicht produzieren wir auch einfach weniger. Vielleicht sind wir einfach mal mit weniger zufrieden. Es ist ein abgedroschener, aber doch so wahrer Spruch: Auf einem endlichen Planeten kann es kein unendliches Wachstum geben. Hoffen wir darauf, dass die Jugend- und Klimaschutzbewegung #FridaysforFuture einen langen Atem und viel Durchhaltevermögen haben wird. Wenn die Jugend keinen Wert auf unseren derzeitigen Lebensstil legt, warum sollte ihn dann die Politik noch lange verteidigen?

Blog vom 7. Februar 2019: Müssen jetzt ernsthaft Kinder die Rettung des Klimas übernehmen?

01.02.2019, Schweden, Stockholm: Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg steht während ihrer Protestaktion für mehr Klimaschutz vor dem Reichstag. (zu dpa-Story - Jugendproteste vom 07.02.2019) Foto: Steffen Trumpf/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Schwedin Greta Thunberg hat die Nase voll von der untätigen Politik und hat sich mit ihren 16 Jahren zur Ikone des Klimaschutzes aufgeschwungen. © dpa, Steffen Trumpf, axs

Die vergangenen vier Jahre waren nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen vor fast 170 Jahren. Die 20 wärmsten Jahre lagen in den vergangenen 22 Jahren, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Er sprach von einer weltweiten Priorität für die Reduzierung der Treibhausgase. Durch die Konzentration der Treibhausgase staut sich die Wärme auf der Erde.

Vielleicht war es auf der Erde schon wärmer als derzeit und vielleicht war die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre schon mal höher, aber sicherlich nicht in den letzten 5.000 Jahren, das geht aus Eisbohrkernen der Antartkis hervor. Und wenn mit dem Ende der letzten Eiszeit der Meeresspiegel anstieg, dann war das halt nicht so schlimm, es lebten nur wenige Menschen auf dem Planeten und die zogen weiter. Heute aber gibt es Metropolen mit über 20 Millionen Einwohnern direkt an den Küstenlinien. Tokio, Lagos, Karatschi und Megastädte in China und Indien. Die Katastrophe wäre gigantisch. Und sie wird kommen. 

Aber von der Politik kommt nichts, nur Beschwichtigungen, Absichtserklärungen, nur neue heiße Luft. Ausstiegsdatum aus der Kohle, aber bitte verhandelbar. Eine 16-Jährige kann das nun nicht mehr ertragen. Es ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg. Nach dem Dürre-Sommer mit Waldbränden in Schweden legte sie los. FridaysForFuture (Freitage für die Zukunft) ist ihre Losung. Mittlerweile gehen Tausende Schüler in Europa freitags nicht mehr in die Schule, sondern für das Klima auf die Straße. Wofür sollen sie in der Schule lernen, wenn sie doch ohnehin keine Zukunft auf der Erde haben, ist ihre Frage. Thunberg ist jetzt schon eine Ikone für den Klimaschutz.

Und was fällt unseren Politikern dazu ein? Die Kinder sollen doch bitte am Wochenende demonstrieren, wir haben schließlich Schulpflicht. Das sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zu der Problematik. Das ist alles, was er dazu zu sagen hat?!? Als Chef des schmutzigsten und obendrein staureichsten Bundeslandes? Das ist wirklich alles, was er zur demonstrierenden Jugend zu sagen hat? Im übertragenden Sinne nicht mehr als: "Nun setzt euch mal wieder hin." Und ansonsten werden Industrie und Wirtschaft hofiert wegen all der schönen Arbeitsplätze. Wenn das so ist, dann wird es Zeit, dass Greta Thunberg schnellstens Ministerpräsidentin in Schweden wird und die alte Garde von Politikern verdrängt.    

Blog vom 1. Februar 2019: Unser Lebensraum wird immer knapper - wir müssen jetzt handeln

Uninhabitable apartments, in danger of collapsing into the Pacific Ocean, line Esplanade Ave. in Pacifica, California January 26, 2016. The city has marked three apartment complexes uninhabitable as El Nino storm erosion eats away at the coastal bluf
Diese Häuser in Kalifornien sind nicht mehr bewohnbar. Das Meer greift nach dem Land. © REUTERS, NOAH BERGER

Der Blogeintrag über den vom Menschen gemachten Klimawandel hat großes Echo hervorgerufen und zu vielen Zuschriften geführt. Auch von Menschen, die sich sehr mit der Materie des weltweiten CO2-Anstiegs und der möglichen Folgen für den Planeten auseinandersetzen. Viele verweisen darauf, dass es an einem nachweisbaren Zusammenhang zwischen dem CO2-Gehalt der Atmosphäre und der Erdtemperatur mangele.

Aber, und damit komme ich zum Punkt, um den es diesmal geht, wir können nicht noch Jahre damit verwenden, irgendwelche Belege für irgendetwas zu suchen, wenn doch eine Sache offen auf der Hand liegt: Unser Lebensraum wird immer knapper und wir werden immer mehr.

Wir sitzen in einem Zug, der mit 300 km/h in Richtung eines auf den Gleisen liegenden riesigen Felsens rast und wir rätseln darüber, ob der Fels von Natur aus da hingekommen ist oder Menschen ihn dort abgelegt haben, anstatt die Vollbremsung einzuleiten.

Laut UNDESA, der UN-Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, sind 40 Prozent des Agrarlands der Erde von Erosion bedroht. Schon 2025, so die Organisation, könnten zwei von drei Menschen in Gegenden mit Wasserknappheit leben. Die Migrationsbewegungen, fälschlicherweise "Flüchtlingskrise" genannt, werden mit Sicherheit zunehmen. Dabei erleben wir eher eine Lebensraumkrise als eine Flüchtlingskrise. Die Fluchtbewegung ist nur eine Folge.

Und das Wachstum der Menschheit sowie das ökonomische Wachstum innerhalb der Gesellschaft beschleunigen die Probleme. Der Süßwasserverbrauch wird weiter steigen und mit zunehmendem Wohlstand auch die CO2-Emissionen. Wir müssen uns so bald wie möglich einen nachhaltigeren Lebensstil angewöhnen. Jeder von uns. Und der Staat muss dafür die Rahmenbedingungen setzen, sonst wird es nicht funktionieren.  

Blog vom 15. Januar 2019: Klimawandel hat es immer gegeben, aber....

Immer wieder schreiben mir User, dass sie nicht an einen vom Menschen gemachten Klimawandel glauben. Belegt werden soll das oft durch Youtube-Links, die die große Klimalüge vermeintlich aufzeigen. Außerdem lebe ja die ganze Sparte der Klimaforscher vom Klimawandel. Die würden ja dann arbeitslos, so die Argumentation. Und – das meistgenannte Argument - Klimawandel habe es ja immer gegeben.

All diesen Usern, die sich oft von mir eine Antwort wünschen, möchte ich an dieser Stelle schreiben: Ja, Klimawandel hat es immer gegeben. Aber: Nicht in dieser Geschwindigkeit. Es ist nicht zu leugnen, dass die Menschheit Massen an Treibhausgasen in die Atmosphäre einbringt. Fakt ist auch, dass CO2 dazu beiträgt, die Atmosphäre zu erwärmen. Es darf geschätzt werden, dass die Menschheit etwa 80 Gigatonnen CO2-Äquivalent in die Atmosphäre geblasen hat. Wie Jürgen Tallig in seinem Essay "Earth first: Der Preis des Lebens" schrieb, fand der schnellste natürliche Klimawandel vor etwa 55,5 Millionen Jahren statt (das sogenannte Paläozän/Eozän-Temperatur-Maximum).   

Damals hat sich die Temperatur auf der Erde binnen 20.000 Jahren um 5 Grad erhöht. Das, so beschreibt es Tallig sehr eindrücklich, entspricht einem vierzigstel Grad in 100 Jahren. Und heute? Heute steuern wir binnen 100 Jahren auf 3 Grad Erwärmung zu. Damit geht der vom Menschen gemachte Klimawandel etwa 100 Mal schneller vonstatten als der schnellste natürliche in der Erdgeschichte.

Ob die Menschen nun an einen menschgemachten Klimawandel glauben oder nicht: Wir müssen gegensteuern. Denn die Fakten sind erdrückend. 17 der 18 wärmsten Jahre traten nach dem Jahr 2000 auf, Ozeane versauern und erwärmen sich, das Eis und die Gletscher verschwinden, der CO2-Gehalt der Atmosphäre steigt. Das alles ist nicht zu leugnen. Und es raubt uns Lebensraum. Uns und den anderen Lebewesen. Seit den 70er Jahren hat die Menschheit 60 Prozent aller Säugetiere, Vögel, Fische und Reptilien ausgerottet. Wir müssen unser Verhalten ändern. Jetzt.

Blog vom 27. Dezember: Wieso scheitert die Menschheit am Klimaschutz?

Schulstreik für Klimaschutz Schulstreik für Klimaschutz: Mehrere hundert Schüler und Schülerinnen protestieren vor dem Reichstagsgebäude in Berlin unter dem Motto Fridays for Future für Klimaschutz und einen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Vorbild
Advent, Advent, die Erde brennt. Aber es ist uns egal, wir machen einfach weiter. Warum ist Klimaschutz so schwierig? © imago/Christian Mang, Christian Mang, imago stock&people

Die UN-Klimakonferenz von Kattowitz war ein Schlag ins Wasser. 30.000 Gipfelteilnehmer haben nicht viel mehr als jede Menge CO2 produziert. Im polnischen Braunkohlerevier hatten 196 Staaten 14 Tage um eine gemeinsame Erklärung gerungen. Politiker jeglicher Couleur verzeichneten es als Erfolg, dass ab 2024 alle Länder nach den gleichen Kriterien über ihre Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung berichten müssen. 

Aha. So sieht also Klimaschutz aus? Wir sind schon froh, wenn wir gemeinsam berichten. Was ist denn aber eigentlich so schwer daran, unsere Lebensgrundlage zu schützen? Kein Tier auf dieser Welt würde seine eigene Umwelt zerstören. Warum tun wir das - als die vermeintlich intelligentesten Lebewesen, die je auf diesem Planeten lebten?

Vielleicht werden wir Menschen einfach nicht alt genug, um die Konsequenzen unseres Handeln zu spüren. Wir denken einfach zu kurzfristig, sind viel zu sehr wohlstandsorientiert. Unsere Wirtschaft soll wachsen, nur das generiere Wohlstand, so die landläufige Meinung unserer Wirtschaftsexperten und Politiker. Dass wir auf einem endlichen Planeten nicht endlos wachsen können, wird einfach ausgeblendet. Verschoben. Für diesen Gedanken ist kein Platz. Denn dann müssten wir ja unser komplettes Wirtschafts- und Wertesystem ändern. Eine Mammutaufgabe, die wir lieber von uns wegschieben.  

Es ist aber keine Zeit mehr. Wenn jetzt schon Schüler den Gang in die Schule verweigern, weil sie glauben, dass sie auf unserem vermüllten und verpesteten Planeten keine Zukunft mehr haben, dann zeigt das, wie nah wir schon an der Katastrophe dran sind. Es wird nicht mehr vielen Generationen vergönnt sein, so zu leben wie wir das tun. Wir sind dabei, unsere Erde in Teilen unbewohnbar zu machen. Und ungeachtet aller Warnungen wählen wir Politiker, die für das große Kapital und gegen den Umweltschutz stehen, weiterhin ins Amt - zuletzt in Brasilien, einem enorm wichtigen Land für das Weltklima.

Und das alles nur, weil in unserer Welt nur der Ansehen genießt, der Geld hat. Und weil alle die, die Geld haben, diesen Wohlstand vermehren oder mindestens sichern wollen. Koste es, was es wolle. Aber geht es nicht auch mit weniger? Oder ist uns Geld wirklich wichtiger als ein funktionierender Planet? Wirklich? Dann gäbe es tatsächlich keine Hoffnung mehr.  

Blog vom 22. November: Ressourcen schonen, mit Verstand einkaufen

ARCHIV - 22.11.2018, Hamburg: Im Schaufenster eines Geschäfts in der Innenstadt wird für den Rabatt-Tag Black Friday geworben. (zu dpa «Handel zu Aktionstagen Black Friday und Cyber Monday» vom 28.11.2018) Foto: Bodo Marks/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Müssen wir uns an der Rabattschlacht beteiligen? Geht es nicht auch mit etwas weniger Konsum? Das würde unsere Ressourcen schonen. © dpa, Bodo Marks, bom fdt dna

Schaltet man in diesen Tagen das Radio an, dann dreht sich die gesamte Werbung um die vermeintliche Schnäppchenjagd am sogenannten Black Friday, dem Tag nach Thanksgivng in den USA. An diesem Tag haben die meisten Amerikaner frei - und sie sollen ihre Zeit nicht für die Familie nutzen, sondern shoppen. Dazu überbieten sich die großen Handelsketten mit Sonderangeboten, Amazon hat gleich eine ganze Cyber-Week ausgerufen. Als wäre bei Amazon nicht jeden Tag Zahltag.

Möbelhäuser machen mit, Autohändler und natürlich die großen Elektronikketten. Selbst eine Fährüberfahrt kann ich am Black Friday mit vermeintlich tollen Rabatten kaufen. Alle versprechen die besten Preise und wir sind brave Schafe und folgen dem Aufruf. Letztes Jahr wollten 60 Prozent der Deutschen an diesem Tag einkaufen. Vor gerade einmal zehn Jahren kannte kaum ein Deutscher diesen Tag. Die Konsumspirale dreht sich immer schneller, kaufen, kaufen, und das gerne billig.

Wir stopfen unsere Wohnungen mit Technik voll, die wir vor wenigen Jahren noch nicht kannten und vor allem nicht vermissten. Ich will es hier niemanden madig machen, einkaufen zu gehen. Aber brauchen wir das wirklich alles, was wir kaufen? Tut es nicht auch weniger? Wussten Sie, dass viele Rücksendungen, z.B. von Schuhen, auch einfach mal auf dem Müll landen, weil sie Gebrauchsspuren aufweisen? Da werden Produkte von unseren letzten Ressourcen hergestellt, einmal mit jeder Menge Diesel oder Schweröl um die Welt gekarrt, damit sie dann nicht passen und ungetragen auf der Müllkippe landen. Das ist eine echte Tragödie. Und: Wegschmeißen ist für die Unternehmen tatsächlich billiger als spenden, denn auf Spenden wird eine Umsatzsteuer erhoben.

Es gibt diesen schönen Spruch: Ich kaufe mir von Geld, das ich nicht habe, Dinge, die ich nicht brauche, um Menschen zu beeindrucken, die ich nicht mag. Bei mir bedeutet Black Friday: Am Freitag bleibt mein Monitor schwarz. Übrigens ist am Freitag auch der konsumkritische Kaufnix-Tag. Vielleicht folgt man dem einfach mal. Schadet nicht. Und wenn Sie gar nicht ohne shopping können, dann gehen Sie doch mal wieder zum Einzelhändler bei Ihnen um die Ecke. 

Blog vom 17. November: Wenn ich nicht mehr weiter weiß - änder' ich den Grenzwert-Scheiß

All die Zahlen, die an dieser Stelle im Folgenden vorgestellt werden, sind verifiziert und von anerkannten Wissenschaftlern in Studien ermittelt worden. Und: Sie sind unserer Regierung komplett egal. Mit anderen Worten: Das Wohlergehen der Automobilindustrie ist Merkel und Co offenbar wichtiger als ein gesundes (Über)Leben der Bürger in diesem Land.

Weil die Dieselfahrer bloß nicht aus unseren Städten ausgesperrt werden sollen, will Bundeskanzlerin Angela Merkel die Grenzwerte aufweichen. Die liegen laut EU-Richtlinie bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. Nun, so Merkels Plan, sollen die Richtwerte nicht mehr greifen, wenn andere Maßnahmen zur Luftreinhaltung ergriffen werden. Erst ab 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid sollen Fahrverbote dann noch möglich sein. Damit setzt sich Merkel über geltendes EU-Recht hinweg, sie hofiert einmal mehr die Autobauer, die erst die Autokäufer mit Schummelsoftware veralbert haben und dann ihre Drecksschleudern nicht zurücknehmen wollen und sie zeigt ganz offen, dass ihr gesunde Atemluft in deutschen Städten egal ist.

Nun ein paar Zahlen: Schon jedes zehnte Kind leidet unter Asthma, das macht die Krankheit zur häufigsten chronischen Erkrankung bei Kindern in Deutschland. Das sitzt. Weiter: Modellrechnungen des Umweltbundesamts haben gezeigt, dass in Deutschland jährlich etwa 45.000 Menschen vorzeitig sterben, weil die Atemluft mit Feinstaub belastet ist. 10.600 Todesfälle davon gehen direkt auf die Stickoxidbelastung durch Diesel zurück. Auch in anderen europäischen Ländern zeigten Untersuchungen, dass die Wahrscheinlichkeit, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs zu sterben, ansteigt, wenn man unter erhöhter Stickoxidbelastung lebt. Und umgekehrt geht die Sterblichkeit zurück, wenn die Luft besser ist.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Klaus Rabe, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es bestehe besonders bei Menschen mit Vorerkrankungen ein Gesundheitsrisiko. "Fakt ist, dass es eine Übersterblichkeit bei Belastungspeaks und Erkrankungswellen gibt."

Kann das einer Regierung wirklich egal sein? Zur Erinnerung noch eine Zahl: Im Jahr 2017 starben 3.177 Menschen in Deutschland im Straßenverkehr. Da wird dann immer Betroffenheit vorgespielt. Dass aber zigtausend Menschen jedes Jahr einen grausamen Lungentod im stillen Kämmerlein sterben und schon unsere Kinder mit schweren Lungenleiden auf ihren Lebensweg geschickt werden, wird den Interessen der Autokonzerne untergeordnet. Das ist einfach nur traurig.

Blog vom 11. Oktober 2018: Der Klimawandel kann für uns ein echtes Milliardengrab werden

A group of people are rescued Tuesday, 30 August 2005, from the flood waters brought on by Hurricane Katrina in Slidell, Louisiana, some 25 miles (40 kilometers) from New Orleans. Hurricane Katrina made landfall on the Gulf Coast of the United States
Die Folgen des Hurrikans "Katrina" waren verheerend - für Mensch, Umwelt UND Wirtschaft. © dpa/dpaweb, A2609 epa efe Gerardo Mora

150 Milliarden Dollar sind eine unvorstellbare Summe - ungefähr die Hälfte der griechischen Staatsschulden. Und allein Hurrikan "Katrina" verursachte im Jahr 2005 diesen Schaden für die Volkswirtschaft der USA. Diese Kosten wurden durch ein einziges Wetterextrem erzeugt. Ich denke, das sagt schon einiges. Es geht aber noch viel schlimmer: Denn allein wegen der Klimaschutzverpflichtungen, die Deutschland eingegangen ist, drohen Milliardenzahlungen - unabhängig davon, ob weitere Extremwetter kommen oder nicht. Es ist also höchste Zeit, in Berlin tätig zu werden.

Deutschland wird seine Klimaziele bis 2020 weit verfehlen - einfach weil kein politischer Wille zu erkennen ist, die Energiewende zu erreichen. Unsere Konzerne sollen Wachstum generieren und das geht eben nur auf Kosten von Mensch und Ressource. Nun aber - das berechnete der Thinktank "Agora Energiewende" - wird Deutschland aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Emissionsziele 2021 bis 2030 verfehlen, und zwar gewaltig. Nämlich um mindestens 616 Millionen Tonnen CO2.

Was heißt das für uns? Das heißt, wir müssen CO2-Zertifikate bei den Ländern kaufen, die welche übrig haben. Und diese Zertifikate könnten laut "Agora" den Bundeshaushalt mit 30 bis 60 Milliarden Euro belasten! 

60 Milliarden Euro! Würde die Bundesregierung nicht jahrelang auf tauben Ohren sitzen, hätte man diese 60 Milliarden Euro schon lange sinnvoll in die Energiewende stecken können. Das hätte uns eine bessere Luft und womöglich auch eine Menge neuer Arbeitsplätze gebracht. So aber wird der Steuerzahler einmal mehr die Versäumnisse der Regierung begleichen müssen. Und das Ganze auch noch in verdreckter Luft.

Blog vom 2. Oktober 2018: Der Diesel-Kompromiss ist weit entfernt von einer Lösung des Problems

Die Politik feiert sich für den "Diesel-Kompromiss". Man habe Handlungsfähigkeit bewiesen, man habe einen Schritt gegen drohende Fahrverbote getan. Außer der Politik feiert aber eigentlich niemand. Die Autobauer machen eh, was sie wollen, welchen Kompromiss man auch immer in Berlin ausgehandelt haben will. Denn am Ende legen die ja fest, wieviel Umtauschprämie sie zahlen. Opel zum Beispiel lehnt eine Nachrüstung einfach ab. Und eine Umtauschprämie, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, eine Umtauschprämie ist ja kaum etwas anderes als ein neues Konjunkturpaket, das mit einem hübschen Schleifchen aus Berlin gesendet wird.

Schon jetzt ist klar, dass das nichts an den Fahrverboten ändert. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich da groß etwas ändert", sagte Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Hermann. Da hat die Regierung, um zu beweisen, dass sie überhaupt noch handlungsfähig ist, also den nächsten Rohrkrepierer ins Rennen geschickt.   

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, es gehe der Bundesregierung nicht um saubere Neufahrzeuge. In der Tat vermisse ich hier den zukunftsorientierten Ansatz. Mazda will bis 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr bauen, wo sind solche Aussagen von deutschen Autobauern? Dänemark und Belgien planen, im Jahr 2030 keine rein diesel- oder benzinbetriebenen Neu-Pkw mehr zuzulassen, Norwegen will das schon im Jahr 2025 hinkriegen.

Und wir? Wo sind die Radschnellwege, wo sind die alternativen Antriebe? Wo sind die autofreien Innenstädte? Wo sind die Ideen für den Nahverkehr? Wo ist überhaupt auch nur ein zukunftsorientiertes Konzept? Die Regierung pudert die ewiggestrige Autoindustrie, die die ganze Gesellschaft mit ihrem Mantra Arbeitsplätze immer noch fest im Würgegriff hat. Wenn wir dann an einer Lungenkrankheit sterben, haben wir wenigstens bis zum Tod immer einen Arbeitsplatz gehabt. Toll. Irgendwie habe ich im Kopf, dass die ehemalige Klimakanzlerin mal sagte, ein "Weiter so" werde es nicht geben...?"

Blog vom 25. September 2018: Die Scheinargumente von RWE - Ein Gastbeitrag von Christoph Scheel

Bergheim, DEU, 25.09.2018 Greenpeace - Projektion RWE luegt auf einen Kuehlturm des Kraftwerks Niederaussem. Das Braunkohlekraftwerk Niederaussem, ein von der RWE Power AG mit Braunkohle betriebenes Grundlastkraftwerk in Bergheim-Niederaußem (Rhein-E
Eine Projektion von Greenpeace, die RWE der Lüge bezichtigt. © imago/CoverSpot, Bernd Lauter, imago stock&people

Wenn man der Argumentation der RWE Glauben schenkt, sorgt sie sich vor allem um die Energieversorgung im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Und genau deshalb müsse auch unbedingt weiter Braunkohle abgebaut und der Hambacher Forst gänzlich gerodet werden. Immerhin könnten sonst 15% des Energiebedarfs in NRW nicht gedeckt werden. Sollten wir uns also nicht bei der RWE bedanken für den selbstlosen Einsatz für die Gemeinschaft?

Wer sich gerne verschaukeln lässt, sollte dies tun. Alle anderen sollten den Widerstand gegen die Rodung des Hambacher Forstes stattdessen intensivieren. Denn die Argumente der RWE sind falsch. 2015 hatte NRW einen Energieverbrauch von insgesamt 119 Terawattstunden (TWh). Die RWE allein produziert aktuell eine Gesamtleistung von 202 TWh. Davon 74 TWh aus Braunkohle. Würde sie die Braunkohleverstromung sofort einstellen, könnte sie noch immer allein den gesamten Bedarf von NRW abdecken - ohne Braunkohle. Und es bliebe noch ein Puffer für den Fall, dass der Gesamtbedarf in den letzten Jahren gestiegen sein sollte. Und sollte sich tatsächlich eine Bedarfslücke auftun, dürfte diese recht einfach zu schließen sein. Immerhin exportiert Deutschland aktuell 55 TWh mehr als importiert werden. Ein zunehmender Anteil davon ist übrigens Strom aus regenerativen Quellen.

Warum also ist die RWE so erpicht auf den Braunkohleabbau? Da dürfte es wohl in erster Linie um Profit gehen. Wie sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz letzte Woche bei Maybrit Illner: "Da liegen noch für viele Milliarden Braunkohle." Der Stromhandel läuft außerdem zunehmend über die Europäische Energiebörse (eex) in Leipzig. Hier decken sich vor allem Unternehmen mit großem Energiebedarf ein. Und hier läuft das Massengeschäft. Der Preis resultiert ganz klassisch aus dem Verhältnis Angebot zu Nachfrage. Da es in Deutschland aber nur vier Erzeuger gibt, die nennenswerte Mengen einspeisen, können diese Erzeuger den Preis allein dadurch stark beeinflussen, dass Sie Mengen reduzieren oder erhöhen. RWE gehört zu diesen vier Erzeugern, neben E-on, Vattenfall und EnBW. Dabei dürfte sich RWE nicht nur dumm, sondern dumm und dämlich verdienen. Darüber wie hoch die Gewinnmarge aus der Braunkohleverstromung ist, kann man nur spekulieren. Auf jeden Fall so hoch, dass RWE diese Zahlen lieber nicht veröffentlicht. Und die RWE muss auf die Erzeugung setzen. Denn der künftig lukrativste Teil der Stromversorgung, die Netze, verkauft RWE gerade an seinen Konkurrenten E-on. Wie dumm kann man sein?

Bleiben noch die Arbeitsplätze. 9.000 sind angeblich gefährdet, wenn keine Braunkohle mehr verstromt wird. Das ist natürlich tragisch und es muss nach vernünftigen Lösungen für die betroffenen Menschen gesucht werden. Aber RWE muss sich auch fragen lassen, was sie mit den Subventionen gemacht hat, die seit Jahrzehnten dafür gezahlt werden, dass man Arbeitsplätze aus dem Kohlebergbau in andere Bereiche überführt. Offensichtlich ist dies nicht in ausreichendem Maße erfolgt. Die Verantwortung dafür tragen RWE und die Politiker, die nicht kontrolliert haben, was mit den Subventionen passiert. Dieses Argument jetzt ins Feld zu führen, um zusätzlich die Umwelt der Menschen unnötig zerstören zu können, ist schäbig. Der Weg muss lauten, den Menschen zu helfen ohne den Hambacher Forst zu roden.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zur Politik. Die NRW-Landesregierung hat dafür gesorgt, dass die RWE das Recht zur Abholzung des Hambacher Forstes hat. Jetzt stehen dieselben Leute da und bedauern, dass man rechtlich keine Handhabe gegen RWE habe und deren Rechte mit Polizeigewalt durchsetzen müsse. Für dieses Verhalten ist schäbig ein viel zu harmloses Wort. Verlassen wir uns also nicht auf die Politik.

Blog vom 18. September 2018: Die Art und Weise, wie die Politik mit der Räumung des Hambacher Waldes vorgeht, wirft viele Fragen auf

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Im Hambacher Wald wird weiter geräumt. RWE scheint wild entschlossen, die Rodungssaison 2018 nicht wieder verstreichen zu lassen, sondern die kümmerlichen Reste des einst stolzen Hambacher Waldes zu roden. Bis zum 1. Oktober könnten alle Baumhäuser im Wald Geschichte sein und dann kommen die Sägen. Die Art und Weise, mit welcher Vehemenz dieser Einsatz durchgeführt wird, wirft aber viele Fragen auf.

Warum verbrennen wir im Hochtechnologieland Deutschland im 21. Jahrhundert immer noch schmutzige Braunkohle? Warum holzen wir, obwohl wir um den enormen Wert unserer Wälder wissen, weiter ab? Warum lässt man RWE gewähren, obwohl die Kohle-Kommission derzeit tagt? Was ist von einer Kommission überhaupt zu erwarten, die aus dem Wirtschaftsministerium geführt wird? Wieso sind in der Leitung der Kommission mit Matthias Platzeck und Stanislaw Tillich zwei bekennende Kohlebefürworter? Wo sind eigentlich die Politiker, die aus ihrem Elfenbeinturm in der Düsseldorfer Staatskanzlei die Demonstranten verteufeln? Wo ist NRW-Innenminister Herbert Reul, der die Aktivisten in die Nähe der G20-Randalierer aus Hamburg rückte? Was ist Ina Scharrenbach eigentlich für eine NRW-Heimatministerin, wenn sie die Heimat wegbaggern lässt? Wie viele Windräder hätte man für die Kosten des Polizeieinsatzes schon bauen können?

Würden sich die Reuls und Scharrenbachs mal auf den Weg nach Buir machen, würden sie sehen, dass aus allen gesellschaftlichen Schichten Menschen gegen diesen Irrsinn eintreten. Aus wirklich allen. Dörflich, urban, jung, alt, aus Initiativen, Parteien, Verbänden und Familien. Die Politik verspielt gerade sehr viel Kredit. Entweder sind die Damen und Herren wirklich der Welt entrückt oder sie kneifen einfach die Augen zu und hoffen, dass der Spuk bald vorbei ist. Doch der wird nicht vorbei gehen. Das Thema Klimaschutz ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und es werden täglich mehr Bürger, die sich die Unverantwortlichkeiten der Politik nicht länger bieten lassen wollen. Nur hat das die Politik scheinbar immer noch nicht begriffen.        

Mittlerweile weiß man: Die Verstromung von Braunkohle verursacht enorme Kosten, die nicht im Strompreis enthalten sind, sondern die stattdessen von der Gesellschaft getragen werden müssen. Besonders genannt werden muss an dieser Stelle der Gesundheitsbereich, denn außer dem CO2 werden Feinstaub, Quecksilber und andere Schadstoffe in die Atmosphäre geblasen, die Menschen noch in 1.000 Kilometer Entfernung nachweislich krank machen. Zudem muss die öffentliche Hand Teile der Umsiedlung der Menschen bezahlen und es gibt nichtquantifizerbare Kosten wie psychosoziale Kosten der Umsiedlung und den Verlust von Bodenvielfalt und Bio-Diversität.

Dass die Demonstranten am Hambacher Tagebau so kriminalisiert werden, ist ein ganz trauriges Zeichen. Schließlich kämpfen sie auch für die Gesundheit und die Atemluft von Politikern, RWE-Managern und deren Kinder.  

Blog vom 11. September 2018: Die Politik muss den Klimawandel als Gesellschaftsproblem endlich erkennen

Kommentar zum Klimawandel: Wir spielen Russisch Roulette im Klima-Casino
Landwirtschaft auf kargen Böden in Afrika. Der Klimawandel macht Ackerbau wegen andauernder Trockenheit und verheerenden, aber kurzen Regenfällen zunehmend schwieriger. © dpa, epa Hrusa

In Deutschland diskutieren wir seit Monaten nur über ein Thema: Migration. Innenminister Horst Seehofer glaubt sogar, dieses Problem sei "die Mutter aller Probleme". Leider wird in dieser Debatte nur allzugern ausgeblendet, warum die Menschen fliehen. Niemand verlässt freiwillig seine Heimat. Krieg, Hunger, Perspektivlosigkeit, das Leben in korrupten Regimen und in Diktaturen, die keine freie Meinung dulden, das alles sind Fluchtgründe. Doch ein Fluchtgrund entwickelt sich gerade erst und wird in diesem Jahrhundert zu einem bestimmenden Thema: Es ist der Klimawandel.

Meist ist es eine Summe verschiedener Faktoren, die die Menschen schlussendlich in die Flucht treibt. Doch der Klimawandel nimmt dabei immer mehr eine tragende Rolle ein. Selbst beim Ausbruch des Syrien-Kriegs 2011 trug eine jahrelange Dürre im Vorfeld der "Arabellion" zur Verschärfung der Lebenssituation der Menschen bei. Die Häufigkeit von schweren Dürren nimmt weltweit zu. Schlechtes Boden-Management, die Verdrängung von Kleinbauern, die Errichtung von Monokulturen, das alles sind Faktoren, die zusätzlich zum Klimawandel die Ernten vermiesen. Wenn dann noch eine Regenzeit ausbleibt oder die Regenschauer seltener, aber dafür viel intensiver fallen, dann stehen Tausende Familien, die ohnehin schon von der Hand in den Mund leben, schnell vor dem Nichts.

Und dann? Dann werden Menschen zur Flucht genötigt. Die meisten bleiben bei ihrer Flucht Binnenmigranten, das heißt, sie verlassen ihr Land nicht, sondern ziehen in die Städte oder zu Verwandten. Deshalb liegen einige der größten Städte der Welt wie Lagos in Nigerias mittlerweile in Entwicklungsländern. Nur ein Bruchteil der Menschen macht sich tatsächlich auf nach Europa. Wenn Innenminister Seehofer aber nun die Grenzen schließen will, um die aufgebrachten Gemüter hierzulande zu besänftigen, dann ändert das nichts am Problem. Denn die Grenzen zu schließen ist ein Herumdoktern an Symptomen, bekämpft aber nicht die Fluchtursache.

Daher ist es im Interesse aller Menschen, wenn die Politik den Klimawandel als großes Problem unserer Zeit endlich erkennt und ernst nimmt. Aus dem Klimawandel resultieren viele weitere Probleme. Wir müssen endlich verstehen, dass die Ressourcenausbeutung so nicht weitergehen darf, dass die Konsumspirale beendet werden muss, dass unendliches Wachstum auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen schlichtweg nicht möglich ist. Naturvölker haben das schon lange begriffen. Wann schaffen wir das? Viel Zeit haben wir nicht mehr. 

Blog vom 1. September 2018: Das Festhalten an der Braunkohle ist Unsinn - und der Hambacher Wald muss trotzdem sterben

Kommentar zum Klimawandel: Wir spielen Russisch Roulette im Klima-Casino
Obwohl die Kohle-Kommission noch tagt bereitet sich RWE auf die Rodung des Hambacher Walds vor. Politik der vollendeten Tatsachen.

Im Mittelalter gab es tausende Müller, Köhler und Schmiede. Das erkennt man schon allein an der Masse der Müllers, Köhlers und Schmieds, die noch heute mit diesem Namen leben. Doch den Beruf des Köhlers üben die wenigsten noch aus. Wir haben andere Methoden gefunden. So ist es auch mit der Braunkohle. Wir haben andere Möglichkeiten entwickelt, Energie zu produzieren. Wir müssen nicht mehr Braunkohle verfeuern und damit unser Klima erwärmen. Wir bauen heute auch keine Dampfeisenbahnen mehr und ziehen nicht mit Pferden in den Krieg. Warum verfeuern wir weiter Braunkohle?

Braunkohle schneidet bei den Emissionen besonders schlecht ab. Von den fossilen Enegieträgern ist es der ineffizienteste. Für eine Kilowattstunde Strom werden 1.150 Gramm CO2 in die Luft geblasen. Bei Erdgas sind es nur 370 Gramm, so das Bundesumweltamt. Außerdem sind Braunkohlekraftwerke sehr unflexibel. Man kann sie nicht einfach an- oder abstellen, wenn genügend Energie aus anderen Quellen vorhanden ist. Gaskraftwerke sind da wesentlich flexibler.

Und daher ist es wirklich erschreckend, dass auch die Reste des uralten Hambacher Walds den Braunkohlebaggern zum Opfer fallen sollen. Viele Wissenschaftler sind sicher, wir können die Braunkohle im Boden lassen. Die Energieversorgung sei auch so gesichert, sagt zum Beispiel der Wissenschatfler Norman Gerhardt vom Fraunhofer-Institut. Und hätte man den Ausbau der Erneuerbaren vonseiten der Politik nicht so eingebremst, wären wir in dieser Frage auch schon wesentlich weiter. Wir könnten ohne die Braunkohle sogar die von der Politik längst aufgegebenen Klimaziele 2020 erreichen.

Wir erleben hier ein Vorzeigestück von Lobbyarbeit. Wenn dann auch noch Andrea Nahles von den Braunkohlefreunden der SPD die Entscheidung über eine Rodung des Hambacher Walds dem Energiekonzern RWE überlässt, dann ist wohl endgültig klar, dass wir von der Regierung in dieser Frage nichts zu erwarten haben. Das Schlimme ist, dass die Kreissägen möglicherweise schon ab 1. Oktober kreischen und den Restwald zerhäckseln während die Kohlekommission noch tagt. Das ist eine Politik der vollendeten Tatsachen. RWE darf das einfach machen und die Politik hält still. Geld vs. Klima 1:0.