Kitzbühel eröffnet Skisaison mit Altschnee - Jetzt hagelt es Kritik

18.10.2019, Österreich, Mittersill: Für eine schmale Piste wurde konservierter Schnee aus dem vergangenen Winter als Band in der Berglandschaft auf der noch grünen Resterhöhe in den Kitzbüheler Alpen aufgetragen. Die Bergbahnen Kitzbühel gehen das fü
Ein Schneeband im Grünen bei Kitzbühel. Die erste Skipiste in einem Winterskigebiet hat jetzt geöffnet. © dpa, Johann Groder, hkt kde

"Kitzbühel macht unser Klima kaputt!" - oder doch nicht?

Gerade hatten wir noch spätsommerliche Temperaturen von über 25 Grad und in Österreich wird ein weißer Strich in einer saftig grünen Landschaft gezogen. In Kitzbühel eröffnete am Samstag das erste Winterskigebiet seine Pisten. Und das bei zweistelligen Plusgraden.

Der berühmte Wintersportort ist damit erneut das erste Skigebiet, das abseits der Gletscher aufmacht. Möglich macht das Altschnee, der aus der Vorsaison ist und der über den Sommer gerettet wurde. Seit dem vergangenen Wochenende präparieren Pistenraupen die Abfahrten. Da gab es von den Grünen heftige Kritik. Doch Josef Burger, Vorstandsvorstzender der Bergbahn AG in Kitzbühel, hält dagegen.

Altschnee wird konserviert - Naturschutz gibt grünes Licht

18.10.2019, Österreich, Mittersill: Für eine schmale Piste wurde konservierter Schnee aus dem vergangenen Winter als Band in der Berglandschaft auf der noch grünen Resterhöhe in den Kitzbüheler Alpen aufgetragen. Die Bergbahnen Kitzbühel gehen das fü
Die Skipiste hat eine Länge von knapp 700 Metern. © dpa, Johann Groder, hkt kde

Der Altschnee wird in einem Schneedepot gehalten, das auf einer selektierten Fläche (wind- und sonnenabgewandt) in der Nähe der Pistenfläche gebaut wird. Hier wird der Schnee trapezförmig zusammengeschoben und mit glatten Oberflächen, an den Schenkeln mit steilen Winkeln, geformt. Dann wird der Schnee mit einigen Isolationsmaterialien (wasserundurchlässig und mit Sonnenschutz) konserviert. In diesem Jahr hat das so gut funktioniert, dass nur etwa 13 Prozent des Schnees aus der letzten Saison weggeschmolzen sind, sagte Josef Burger, Vorstandsvorsitzender der Bergbahn AG in Kitzbühel.

Für die knapp 700 Meter lange und 60 Meter breite Piste werden etwa 30.000 Kubikmeter Schnee gebraucht. Damit wird eine Schneeauflage von 80 Zentimetern erreicht. Der Altschnee setzt sich aus 20 bis 30 Prozent Naturschnee und 70 bis 80 Prozent technischem Schnee zusammen. Diese Verteilung gibt es so in der ganzen Skisaison. 

Burger steht auf dem Standpunkt, dass der frühe Zeitpunkt der Pisteneröffnung in keinster Weise klimaschädlich ist. Denn der Schnee müsste am Ende der Skisaison eh von den Pisten verteilt werden, damit er besser schmelzen kann. So wird er eben an einem Platz zusammen geschoben.

Die geäußerte Kritik gegen dieses Vorgehen haben die Bergbahnen sehr ernst genommen und bei der Naturschutzbehörde ein Naturschutzverfahren beantragt und durchführen lassen. Das Ergebnis: Das Schneedepot darf die nächsten 15 Jahre angelegt werden! Einzige Auflagen sind, dass der Schnee nicht vor dem 11.10. verteilt werden darf und dass ein Hochmoor von 30.000 Quadratmetern wieder hergestellt werden muss.

Und Burger führt weiter positive Aspekte für die Region an: Die erweiterten Sport- und Trainingsmöglichkeiten für Jugend-, Freizeit- und Spitzensportler. Die Saisonkartenbesitzer können sechs Wochen mehr Skifahren. 42 Teams aus 11 Nationen nutzen diese Piste. Mehr als 100.000 Beförderungen gab es im letzten Jahr bis Ende November (das sind so viele wie im Januar). Und im Raum Mittersill wurden 200 Gäste pro Tag mehr gezählt.

Grüne kritisieren Eröffnung zum frühen Zeitpunkt

Die grüne Ortsgruppe in Mittersill kritisiert die Maßnahmen in einem Facebook-Posting samt Bild oben: "Bei gut 20 Grad muss man sich schon mal um die Skipiste kümmern", hieß es. "In Zeiten einer Klimakrise könnte man damit auch einen Imageschaden erfahren."

Der Salzburger Grünen-Landtagsabgeordnete Josef Scheinast, fordert eine Begrenzung der Wintersaison, zu der sich die Betreiber selbst verpflichten sollen. "Man muss nicht jeder Nachfrage immer ein Angebot folgen lassen. Auch die Skibranche muss endlich klimapolitische Verantwortung übernehmen", so Scheinast weiter im Interview mit "derstandard.at"

Diese Skigebiete haben jetzt schon offen

Die Skiläufer trainieren auf den Gletschern für die anstehende Saison.
Die Skiläufer trainieren auf den Gletschern für die anstehende Saison. © imago images/GEPA pictures, GEPA pictures/ Patrick Steiner via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Üblicherweise haben im Oktober nur die Gletscherkigebiete offen. Die meisten geöffneten Skipisten findet man am Hintertuxer Gletscher, am Kitzsteinhorn und in Sölden. Hier findet auch die Eröffnung des alpinen Weltcups am 26.10.2019 statt. Derzeit liegen in Sölden knapp 80 Zentimeter Schnee.

Mehr Informationen zum Thema Klima und Trockenheit finden Sie in der Dokumentation Wüstenstaat Deutschland bei TV-NOW.