Hitzewellen in Deutschland: die schlimmsten, die längsten, die extremsten im Vergleich

Was ist der Jetstream?
Was ist der Jetstream? Er macht unser Wetter 01:18

Von Hitze beziehungsweise einem Hitzetag sprechen wir, wenn die Höchsttemperatur die 30 Grad-Marke überschreitet. Im Gegensatz dazu ist ein Sommertag erreicht, wenn die Temperatur die 25 Grad erreicht. Das ist natürlich für viele von uns noch ganz angenehm. Das sieht bei Werten jenseits der 30 Grad oft schon ganz anders aus. Vor allem dann, wenn sich die Hitze über längere Zeit hält. Sind es mehr als drei Tage hintereinander, dann wird es als Hitzewelle bezeichnet. 

Welches waren die markantesten Hitzewellen in den letzten Jahren?

Vielen von uns ist sicherlich noch die Hitzewelle im Sommer 2003 in Erinnerung. Oder besser: der Hitzesommer 2003. Der Juni und der August waren damals knapp 4 Grad zu warm. Und auch der Juli brachte es auf eine Abweichung von 2 Grad überm langjährigen Durchschnitt. Besonders aber der August 2003 war extrem heftig. Allzeit-Hitze-Rekorde purzelten gleich reihenweise und auch die höchste, bis dahin in Deutschland gemessene Temperatur wurde gleich mehrfach erreicht. 

Wie heiß war es?

40,2 Grad wurde in Karlsruhe in August 2003 an gleich zwei Tagen gemeldet. Und auch Freiburg erreichte diese Fabeltemperatur, die zuvor nur im Jahr 1983 einmal gemeldet wurde. Und zwar am 27. Juli 1983 vom Geophysikalischen Messzug der Bundeswehr. Eine Messung, die der DWD anschließend bestätigte. Gleichzeitig war es im gesamten Frühjahr und Sommer viel zu trocken mit jeweils nur 2/3 der ansonsten üblichen Regenmenge.

Welche Folgen hatte die Trockenheit?

Hitzewellen in Deutschland im Vergleich
Trockenheit und Hitze legten im Sommer 2003 fast den Rhein trocken. © dpa, A3276 Martin Gerten

Das führte dazu, dass im Anschluss an die Hitze auch Rekordniedrigwasser an vielen Flüssen und Strömen herrschte. Außerdem verstärkte diese enorme Trockenheit die Hitze zusätzlich. 

Warum?

Weniger Bodenfeuchte führt dazu, dass dort weniger Wasser verdunsten kann. Jedoch sorgt gerade diese Verdunstung für eine Abkühlung des Bodens. Strichwort: Verdunstungskälte. Andererseits sorgt entstehender Wasserdampf natürlich auch für eine erhöhte Wolkenbildung. Fehlen diese Wolken, dann kann die Sonne nochmals besser einheizen, was folglich die Temperatur zusätzlich erhöht. 

Wie sah es im übrigen Europa im 2003er-Hitzesommer aus?

Zum Teil noch deutlich schlimmer. Besonders in Frankreich, Spanien und Portugal. Schlussendlich sollen im Sommer 2003 in ganz Europa geschätzt rund 70.000 Menschen den direkten oder indirekten Folgen der Hitze erlegen sein. Damit ist der Hitzesommer 2003 eine der weltweit schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte.

Welche Sommer waren noch außergewöhnlich heiß?

Deutsche Hitzewellen
Die deutschen Küsten machten im Sommer 2015 dem Mittelmeer Konkurrenz © dpa, Wolfgang Runge

Nur drei Jahre nach dem Ausnahme-Sommer, der statistisch nur etwa alle 10.000 Jahre vorkommen sollte, brachte uns der Juli 2006 das sogenannte Sommermärchen. Ganz Deutschland im Fussball-Fieber bei der Heim-WM und die Temperaturen neuerlich auf Rekordjagd. Unterm Strich war der Juli gut 5 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt. Besonders im Südwesten unseres Landes dauerte damals die Hitzewelle fast 20 Tage am Stück. Allerdings folgte im August 2006 sehr viel Regen (fast das Doppelte der ansonsten üblichen Regenmenge) und eine Temperaturabweichung von über einem Grad. Allerdings nach unten, so dass der Sommer 2006 bereits mit dem Juli beendet war. Wesentlich heftiger war da der Sommer 2015.

Warum? Was war 2015 besonders markant?

Die Hitzewellen, die vor allem den Süden und den Osten unseres Landes getroffen haben und für einen neuen Allzeit-Temperaturrekord gesorgt haben. Gleich an zwei Tagen wurde in Kitzingen in der Nähe von Nürnberg eine Höchsttemperatur von 40,3 Grad gemeldet. Dabei steigerte sich der Sommer 2015 kontinuierlich. Der Juni war noch relativ normal temperiert. Der Juli brachte bereits einen Wärmeüberschuss von gut 2,5 Grad. Und der August drehte richtig auf bei über 3 Grad überm langjährigen Durchschnitt. Wobei es besonders im Süden und Osten deutlich zu warm war, während die Urlauber an der Nordsee einen eher durchschnittlichen August erlebten.

Und dann folgte der Sommer 2018. Der Dürresommer.

Hitzewellen in Deutschland
Dürresommer 2018: Ohne künstliche Bewässerung ging in der Landwirtschaft gar nichts © deutsche presse agentur

Wobei es Dürresommer eigentlich gar nicht 100%-ig trifft. Denn auffällig war vielmehr der Dauersommer und die damit einhergehende Trockenheit, die uns von Anfang April bis zum November begleitet hat und uns eines der trockensten Jahre aller Zeiten beschert hat. Dabei waren die Sommermonate im Einzelnen in Sachen Hitze glücklicherweise nicht so extrem wie in den anderen, bereits beschriebenen Sommern. 

Wie warm war es denn im Sommer 2018?

Der Juni 2018 war gut 2,4 Grad wärmer als normal. Der Juni 2003 aber fast 4 Grad. Der Juli und der August brachten es in 2018 auf etwas über 3 Grad Temperaturüberschuss. Und das sah ja 2003 (August 4 Grad plus) und 2006 (Juli 5 Grad plus) ganz anders aus. Insgesamt war die Hitze also weniger extrem; dafür aber die Dauer der Wärme und die enorme Trockenheit. Schlussendlich verlief das Jahr 2018 fast durchweg im meteorologische Dreiklang: sehr sonnig, zu trocken und zu warm. Somit erlebten wir auch die längste Abfolge von zu warmen Monaten hintereinander: vom April 2018 bis einschließlich April 2019. Also 13 zu warme oder deutlich zu warme Monate, die erst vom Mai 2019 von Regen und kühlerer Luft ausgebremst wurden und dem jetzt aber die nächsten Hitzerekorde folgen dürften.