Hitzewelle in Deutschland? Es kommt auf die Definition an

Gewitter beenden sehr kurze Hitzewelle

In einigen Regionen Deutschlands war es in den letzten Tagen etwas zu kühl für die Jahreszeit, doch geht es in den kommenden Tagen temperaturtechnisch allgemein wieder bergauf. In letzter Zeit bedienen sich da viele schnell des Begriffs der Hitzewelle. Wie sieht es damit aus?

Hitze oder Hitzewelle? Auf die Definition kommt es an.
Steht Deutschland eine Hitzewelle bevor? © dpa, Hendrik Schmidt

Die Tage werden inzwischen schon wieder kürzer, dabei hat für viele der Sommer noch gar nicht angefangen. Für die aktuelle Temperaturentwicklung ist dieser Aspekt jedoch wenig ausschlaggebend. Sicherlich hat die Sonnenscheindauer langfristig einen markanten Einfluss auf die Temperatur, da die Sonne die treibende Kraft unseres Wetters ist. Aktuell ist aber die Wetterlage mit den entsprechenden Luftmassen für unser Temperaturniveau verantwortlich.

Mit diesem Wochenende wird die kühle Luftmasse sukzessiv ausgeräumt. Für die neue Woche deuten sich ein bis zwei, unter Umständen auch mehr hochsommerliche Tage an. Mit Winddrehung von Nordwest über West auf Südwest steht nämlich ein neuerlicher Vorstoß subtropischer Luftmassen an. Eine kürzere Hitzewelle (zwei bis drei Tage) ist in einzelnen Bundesländern nicht auszuschließen, ebenso wie nachfolgend wieder kräftige Gewitter mit Unwettergefahr.

Was ist denn einfach nur Hitze und was eine Hitzewelle? In der Meteorologie spricht man von Hitze, wenn die Tagesmitteltemperatur über 25 Grad liegt und/oder die Tageshöchsttemperatur 30 Grad erreicht bzw. überschreitet.

Der Begriff Hitzewelle ist nicht eindeutig definiert

Hitzewelle oder nur Hitze?
Kurze Hitzewelle: Starke Wärmebelastung über mindestens zwei Tage

Der Begriff Hitzewelle ist hingegen nicht eindeutig definiert. Und das ist auch gut so! Denn das Hitze- oder Wärmeempfinden ist nicht nur subjektiv, Hitze sollte auch nur relativ zum typischen Wetter- bzw. Temperaturniveau in einer bestimmten Region für eine bestimmte Jahreszeit gemessen werden. Bei den meisten Ansätzen, eine Hitzewelle zu definieren, werden aber im Wesentlichen zwei Hauptfacetten berücksichtigt: der soziologische Aspekt (abzielend auf die Auswirkungen der Hitze auf das "alltägliche Leben" bzw. dessen Anpassung) und der

physiologische Aspekt (abzielend auf die Auswirkungen der Hitze auf

den menschlichen Körper). Sie beschreiben einen länger andauernden Zeitraum mit ungewöhnlich hohen Temperaturen bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit.

In der Praxis geht man mit der Vereinfachung mitunter noch einen Schritt

weiter, indem man nur noch die Lufttemperatur betrachtet. In

Deutschland spricht man nach TINZ et al. (2008) so z. B. von einer

Hitzewelle, wenn über fünf Tage hinweg eine Höchsttemperatur von über

30 Grad Celsius erreicht wird. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) liefert den folgenden Ansatz: Übersteigen die Höchstwerte der Temperatur an mindestens fünf aufeinanderfolgen Tagen die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur um 5 Grad, ist von einer Hitzewelle zu sprechen.

Letztere Überlegung ist sicherlich nicht verkehrt, doch wer spricht schon im Winter von einer Hitzewelle? Der Ansatz "Abweichung vom Mittel" ist demnach nur bedingt empfehlenswert. Für Deutschland gibt es nach wie vor keine amtliche Definition für den Begriff Hitzewelle. Starke Wärmebelastung über mindestens zwei Tage ohne signifikante nächtliche Abkühlung soll an dieser Stelle als Stütze für die Formulierung "kurze Hitzewelle" dienen.

Kürzere Hitzewellen, so wie in der neuen Woche angedeutet, stehen mit einem sogenannten Hochkeil bzw. Kurzwellenrücken in Verbindung. Das in der Meteorologie bekannte „Omega-Muster“ wird von den Modellen eher als schwach ausgeprägt interpretiert und so kommt es wohl „nur“ zu einer vorübergehenden Hitzephase. Eine stabile Omega-Lage kann hingegen über Wochen andauern und verheerende Folgen haben.

Den Höhepunkt der nun angelaufenen Wärmeperiode mit Höchsttemperaturen verbreitet um oder über 30 Grad erwarten wir bereits für die Wochenmitte. Danach gehen die Temperaturen von Nordwesten her schon wieder langsam zurück. Der äußerste Norden und Nordosten wird von der Hitze eh nur peripher tangiert. Unter gebührender Berücksichtigung der Vorhersageunsicherheiten ab Wochenmitte, könnte es am ehesten im Süden und Südwesten was werden mit der Hitzewelle. Dort wird es am schnellsten heiß und auch noch nach Wochenmitte pendeln sich die Höchsttemperaturen möglicherweise bei Werten um 30 Grad ein.

Quellen: Meteogroup, DWD